Finanzierung – Energie mit demokratischem Fundament

Der Bürger als Dirigent der Energiewende.

Die Windenergie stellt klassische Eigentumsverhältnisse in der Energieversorgung auf den Kopf. Nirgendwo sonst im Energiebereich sind Bürger so stark an Investitionen beteiligt. Das sichert nicht nur die Finanzierung des Ausbaus, sondern auch eine breite Akzeptanz der Windkraft.

Keine Energieform hat einen weiteren Investorenkreis als die Windkraft. Wie die Studie „Definition und Marktanalyse von Bürgerenergie in Deutschland“ von trend:research aufzeigt, waren Ende 2012 insgesamt 15.547 Megawatt (MW) Windleistung im Besitz von Einzeleigentümern, von mehreren Bürgern über Beteiligungen oder von Bürgerenergiegesellschaften. Das ist mehr als die Hälfte der installierten Leistung in Deutschland (50,4 Prozent).

Auffällig dabei: Klassische Energieversorger halten an der Onshore­Windenergie lediglich einen Anteil von 10,2 Prozent – und liegen somit weit hinter den Privatleuten und branchenfremden Investoren (39,4 Prozent). Damit steht die Finanzierung der Windener­gie nicht nur im deutlichen Gegensatz zur Investorenstruktur bei fossilen Kraftwer­ken, die in Deutschland fast ausschließlich im Besitz der vier großen Energieversorger RWE, E.on, Vattenfall und EnBW sind. Auch unter den Erneuerbaren sind die Anteile nirgendwo so breit gestreut. Selbst bei der Photovoltaik liegt der Bürgeranteil mit 48 Prozent knapp hinter der Windenergie.

 

 

Energiegenossenschaften spielen bei dezentraler Energiewende immer größere Rolle

Besonders auffällig ist bei der Windenergie die Beteiligung von sogenannten Bürgerenergiegesellschaften, die immerhin 6.300 Megawatt halten – das ist etwa jedes fünfte installierte Megawatt. Dieses breite Interesse belegt auch eine Umfrage des Deutschen Genossenschafts­ und Raiffeisenverbands e. V. (DGRV). Demnach spielen Energiegenossenschaften für eine dezentrale Energiewende eine immer größere Rolle. Sie haben nach Angaben des DGRV bisher insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro investiert und konnten in 2012 die Zahl ihrer Mitglieder um mehr als 50 Prozent auf 130.000 steigern. Beteiligungen an den Erneuerbaren Energien seien manchmal schon ab 100 Euro möglich.

Kommunen als Treiber der Windkraft

Neben den Privatinvestoren spielen auch kommunale Körperschaften eine große Rolle für den Ausbau der Windkraft. Kommunen wie München und Hamburg treiben ihre Investitionen weiter voran. Auch die Hauptstadt Berlin hat das Poten­zial der Erneuerbaren für die Umwelt und die eigene Energiepolitik erkannt. Auf den Berliner Stadtgütern in Brandenburg sollen neben den schon vorhandenen Solaranlagen zukünftig auch Windräder entstehen. Bis 2020 will die Hauptstadt genug eigenen Strom erzeugen, um jeden zehnten ihrer 2 Millionen Haushalte zu versorgen.