Windstrom: „Wir werden in den ersten Ausschreibungsrunden nah am maximalen Höchstpreis landen“

Thomas Uhlmann (rechts) und das Team von WindStrom

Im April 2017 startet die erste Ausschreibungsrunde für Windenergie. Thomas Uhlmann, bei Windstrom u.a. zuständig für die Verbandsarbeit, über die Aussichten für kleine und mittlere Projektierer, Marktanalysen und die Prognosen für die ersten Ausschreibungsrunden.

Herr Uhlmann, wie viele Mitarbeiter hat Windstrom?

Wir haben 45 Mitarbeiter. Die Windstrom Unternehmensgruppe gibt es seit 25 Jahren, in dieser Zeit haben wir knapp 800 MW installiert, jedes Jahr zwischen 20 bis 80 Megawatt. Wir sehen uns als mittelgroßer Projektierer, Betriebsführer und Betreiber.

Im nächsten Jahr wird die EEG-Förderung auf das Ausschreibungsverfahren umgestellt. Oft werden 100 Mitarbeitern als Schwelle genannt: Unternehmen, die kleiner sind, werden durch die Systemumstellung benachteiligt. Stimmen Sie dem zu?

Wir werden von dem Ausschreibungsverfahren keine besonderen Vorteile haben. Ich denke aber auch nicht, dass wir gegenüber größeren Projektierern sehr benachteiligt werden. 

Welche Vorteile haben Sie gegenüber den größeren Akteuren?

Unsere Entscheidungswege sind kürzer, dadurch sind wir flexibler und haben geringere Entwicklungskosten.

Unsere Entscheidungswege sind kürzer, dadurch sind wir flexibler und haben geringere Entwicklungskosten.

Und was sind die Nachteile?

Die größeren Entwickler haben beim Anlageneinkauf Vorteile. Sie können die Risiken in der Ausschreibung auf verschiedene Projekte streuen und sind damit weniger abhängig vom Ausschreibungserfolg einzelner Projekte. Bei einer größeren Zahl von Projekten kann man besser Synergieeffekte nutzen, etwa bei der Beurteilung von  voraussichtlichen Standorterträgen und der Analyse von Marktchancen. Es ist für ein großes Unternehmen einfacher, dafür einen Spezialisten einzustellen und die Kosten dann auf mehrere Projekte umzulegen.

Bei einer größeren Zahl von Projekten kann man besser Synergieeffekte nutzen, etwa bei der Beurteilung von  voraussichtlichen Standorterträgen und der Analyse von Marktchancen.

Was verändern Sie mit Blick auf die Ausschreibungen konkret in Ihrem Unternehmen?

Wir müssen jetzt noch genauer prüfen, ob unsere Projekte wirtschaftlich und wettbewerbsfähig sind. Bisher hatten wir nur einen Wettbewerb um die Flächen. Jetzt müssen wir uns mit Mitbewerbern auseinandersetzen, die unter Umständen 500 Kilometer entfernt planen. Wir müssen erstmals konkret analysieren, was die anderen Marktteilnehmer machen.

Wie machen Sie das? Wie analysieren Sie, wie der Wettbewerb aufgestellt ist?

Wir sind durch Kooperationen gut vernetzt und bekommen die Entwicklungen im Markt mit. Darüber hinaus bieten auch das Anlagenregister oder die Veröffentlichungen der Deutschen Windguard gewisse Möglichkeiten, den Markt zu analysieren. Wichtige Informationsquelle sind auch die Fachmedien und Verbände.

Wie viele Projekte haben Sie derzeit in der Entwicklung?

Etwa 30, für fünf davon haben wir aktuell die BImSch-Genehmigung.

Wir müssen erstmals konkret analysieren, was die anderen Marktteilnehmer machen.

Mit wie vielen Projekten wollen Sie in die erste Ausschreibungsrunde am 01. Mai gehen?

Diese Frage hängt – wie bei allen Mitbewerbern auch – insbesondere davon ab, welche der avisierten Genehmigungen tatsächlich bis zum 31.12.2016 erteilt werden. Falls sich eine Genehmigung bis in das erste Quartal verzögert, werden wir uns damit auch an der ersten Ausschreibungsrunde beteiligen.

Das heißt, Sie gucken sich erstmal die ersten Ausschreibungsergebnisse an und gehen dann mit der gemachten Erfahrung Ende 2017 in die Ausschreibungen rein?

Genau. Wir werden uns 2017 an Ausschreibungen beteiligen und gehen auch davon aus, dass wir Projekte umsetzen können.

Was erwarten Sie als letzten Gebotspreis, mit dem ein Projektierer noch ein Projekt bekommt?

Da die meisten Projektierer ihre Genehmigungen noch in diesem Jahr bekommen wollen, rechnen wir damit, dass es gerade in den ersten Ausschreibungsrunden noch weniger Teilnehmer geben wird und dass man dort noch näher am maximalen Höchstpreis von 7,0 Cent/kWh landen wird.