Nachgefragt: Ramona Rothe (ehem. Notroff) über die Beteiligung und Mitwirkung an Windvorhaben

Ramona Rothe, Leiterin Servicestelle Windenergie der Thüringer Energie- und GreenTech Agentur (ThEGA)

Ramona Rothe ist seit 2015 Leiterin der Servicestelle Windenergie der Thüringer Energie- und GreenTech Agentur (ThEGA). Diese steht für regionale Wertschöpfung sowie faire Teilhabe an Windenergieprojekten in Thüringen. In den letzten zehn Jahren engagierte sich Frau Rothe immer wieder für den BWE und den BWE-Landesverband Thüringen.

Frau Rothe, Sie vermitteln zwischen den Beteiligten bei Windenergievorhaben. Was sind die häufigsten Konflikte dabei?

Ramona Rothe: Windenergie passiert im ländlichen Raum. Es ist grundsätzlich festzustellen, dass eine Akzeptanzsteigerung vor Ort über informelle Beteiligung erzielt werden kann. Viele Bürgermeister sehen Ihren Dorffrieden in Gefahr und sind darüber hinaus auch mit Initiativgründungen konfrontiert. Es ist wichtig, genau dort anzusetzen. Das Thema und die Notwendigkeit über Infoveranstaltungen breit zu fächern, mit den Akteuren in Austausch zu treten. Chancen und Wertschöpfungspotenziale aufzuzeigen. Sorgen und Nöte ernst zu nehmen. Dies kann durch neutral agierende Informations- und Beratungsstellen gelingen. Grundsätzlich sehe ich hier den Aufklärungsbedarf in Bezug auf regionale Aspekte sehr hoch. Wind im Wald spielt im Übrigen hier in Thüringen eine besondere, emotionale Rolle vor Ort.

Gibt es eine bestimmte Form der Projektplanung, die sich als besonders erfolgreich erwiesen hat, um Spannungen unter den Beteiligten aufzulösen?

Ramona Rothe: Transparenz und Dialog haben Schlüsselfunktionen. Frühzeitiger Kontakt mit der Gemeinde sowie das Gliedern von Infoveranstaltungen vor Ort unter Abstimmung und Einbeziehung der Gemeindevertreter können das eventuelle Konfliktpotenzial deutlich reduzieren. Allparteilich bzw. neutral eine Handlungsempfehlung am Rahmen politischer und gesetzlicher Vorgaben für die Kommune zu erarbeiten, kann dabei helfen, die Gemeinde zu stärken und sie handlungsfähig zu machen. Eine gute Vernetzungsarbeit der Akteure vor Ort ist genauso unerlässlich wie notwendig. Dezentrale Konzepte, Grünstromtarife, Beteiligung oder Ausgleichsmaßnahmen innerhalb der Gemeinde umzusetzen, sind als Akzeptanz und Wertschöpfungsfaktor nicht zu unterschätzen.

Welche Maßnahmen könnten zukünftig noch helfen, um die Energiewende vor Ort voranzubringen?

Ramona Rothe: Klare politische Bekenntnisse für die Energiewende auf Bundes- und Länderebene, gerade jetzt wo der Kohleausstieg beschlossen wurde, sind zwingend notwendig, um den Herausforderungen vor Ort zu begegnen. Eine Sprache zu sprechen, die die Menschen verstehen, Konzepte vorzuschlagen, die einen Mehrwert für die Region bedeuten, Akzeptanz und Teilhabe anzubieten, sodass sich die Bevölkerung informiert fühlt, stärkt auch zukünftig die Möglichkeit, sich mit Projekten zu identifizieren bzw. Teil der Energiewende zu sein und diese nach vorn zu bringen. Es kann und wird uns gelingen, davon bin ich überzeugt.

 

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