In Osterweddingen bei Magdeburg tritt die Energiewende in die nächste Phase: Mit dem Spatenstich im örtlichen Industriepark – nur knapp zwei Kilometer von der geplanten Intel Chipfabrik entfernt – beginnt der Bau eines Elektrolyseurs von ENERTRAG, über den lokale Industrieunternehmen künftig ihren Wasserstoff-Bedarf decken können. Dazu wird ENERTRAG grünen Wasserstoff produzieren, wobei die für die Elektrolyse benötigte elektrische Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen – in diesem Fall aus eigenen Windfeldern des Uckermärkischen Energieunternehmens – stammt. Weiterhin soll mittelfristig Wasserstoff in die Wasserstoffpipelines von ONTRAS eingespeist werden. In der ersten Ausbaustufe sollen zunächst rund 900 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr mit einem 10 MW PEM-Elektrolyseur produziert werden. Der Elektrolyseur wird systemdienlich betrieben, um Schwankungen bei der Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne auszugleichen und so das Stromnetz zu entlasten.

Der grüne Wasserstoff wird zur Dekarbonisierung der Industrie, als Kraftstoff für den Fernlastverkehr, zur Einspeisung in Wasserstoffpipelines und langfristig zur Erzeugung von Strom während einer "Dunkelflaute" verwendet werden. Es besteht die Möglichkeit, die Kapazität des Elektrolysestandorts um weitere 10 MW zu erhöhen. Darüberhinaus befindet sich bereits eine weitere Ausbaustufe mit einer Kapazität von über 100 MW in Planung.

Neue Partnerschaften für grünen Wasserstoff

Mehrere Partnerunternehmen haben mit ENERTRAG bereits Kooperationen vereinbart, um den grünen Wasserstoff nutzen bzw. verteilen zu können:

KEYOU ist ein Münchner Unternehmen, das Wasserstofftechnologien für Nutzfahrzeuge entwickelt. Die Firma legt ihren Fokus auf die Umwandlung von Dieselfahrzeugen in Wasserstofffahrzeuge und bietet Flottenbetreibern einen umfassenden "Hydrogen Mobility as a Service"-Ansatz an. Ziel ist es, zusammen mit Partnern ein ganzheitliches Ökosystem für die Markteinführung von Wasserstofffahrzeugen aufzubauen.

ENERTRAG und KEYOU planen, in Osterweddingen ein Wasserstoff-Mobilitäts-Hub-Projekt umzusetzen. Dabei sollen die grüne Wasserstoffproduktion von ENERTRAG und Wasserstoff-LKWs von KEYOU genutzt werden. Durch die Einführung von KEYOU's Wasserstoffverbrennungstechnologie in der Region rund um Osterweddingen kann die Dekarbonisierung der Transportflotten vorangetrieben werden, was wiederum ein Meilenstein im Nutzfahrzeugsektor ist.

Die Ryze Power GmbH plant, baut und betreibt alternative Kraftstoffinfrastrukturen für den Transport- und Industriesektor als Alternative zu Dieselkraftstoff. Sie bezieht diese Kraftstoffe von Drittanbietern und liefert sie über ihre eigene Infrastruktur an B2B-Kunden.

ENERTRAG und Ryze beabsichtigen eine umfassende Zusammenarbeit zur Förderung des grünen Wasserstoffs (GH2) im Mobilitäts- und Baumaschinensektor, um die Auslastung der geplanten Elektrolyseure von ENERTRAG sicherzustellen. Diese Kooperation soll Synergien schaffen, wodurch ENERTRAG von Ryze's Logistik- und Kundenmanagementkompetenz profitieren kann. Damit wollen beide Unternehmen zu einer erfolgreichen Implementierung der grünen Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland beitragen.

Politik begrüßt Wasserstoffprojekt in Osterweddingen

Neben den Partnern von ENERTRAG waren auch viele Vertreter aus der Landes- und Lokalpolitik anwesend, um gemeinsam den ersten Spatenstich zu setzen und damit ihr politisches und gesellschaftliches Engagement für den Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur zu demonstrieren.

Prof. Dr. Armin Willingmann (SPD), Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, äußert sich wie folgt:

„Für den Erfolg der Energiewende ist grüner Wasserstoff ganz zentral. Als klimafreundlicher Rohstoff und Energieträger wird er für weite Teile unserer Wirtschaft immer wichtiger. Daher setzen wir in Sachsen-Anhalt konsequent auf dieses Zukunftsthema und wollen uns weiter als wettbewerbsfähiges Wasserstoffland profilieren. Dafür braucht es neben einer Top-Infrastruktur auch viele Vorhaben zur Erzeugung von grünem Wasserstoff, die landesweit und auch hier im Industriepark Osterweddingen entstehen. Ich freue mich, dass Enertrag dieses Zukunftsprojekt im Magdeburger Umland vorantreibt, und wünsche dem Unternehmen und seinen Partnern dabei viel Erfolg.“

Martin Stichnoth (CDU), Landrat für den Landkreis Börde, freut sich über die Wahl des Standorts Osterweddingen und den Beginn der Dekarbonisierung des Transportverkehrs:

"Mit dem Spatenstich für den Elektrolyseur im Industriepark Osterweddingen zeigt sich einmal mehr, dass der Landkreis Börde ein lohnenswerter Investitionsstandort in Sachsen-Anhalt ist. Darüber hinaus setzen wir ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit unserer Region. Wasserstoffprojekte wie dieses sind entscheidend für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung und stärkt damit das bereits im Landkreis Börde aus Wind- und Solarenergie erstellte Fundament. Ich freue mich, dass wir gemeinsam einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können und wünsche dem Unternehmen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern allgemein – und speziell in Osterweddingen – eine gute Entwicklung.“

Auch Jörg Methner, Bürgermeister von Sülzetal, sieht nur Vorteile für den Industriepark Osterweddingen:

„Wir freuen uns natürlich über jede Ansiedlung in unserer Kommune und begrüßen ENERTRAG in unserer kommunalen Familie. Aber vor allem der Bereich der erneuerbaren Energien ist ein wichtiger Bestandteil für eine zukunftsorientierte Entwicklung in unserer Kommune. Ich sehe hier viele Möglichkeiten, um gemeinsam zu wachsen, und biete gerne unsere Unterstützung in jeglicher Form an.“

Dr. Tobias Bischof-Niemz, Vorstandsmitglied für Projekte International & Technologie, ging in seiner Begrüßung besonders auf die Vorbildwirkung ein, die der Bau des Elektrolyseurs für die Region mit sich bringt:

"Wir freuen uns, hier in Osterweddingen den Spatenstich für unseren Elektrolyseur zu setzen und damit einen entscheidenden Schritt in Richtung grüner Wasserstoffproduktion für die Region zu machen. Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Baustein für die Energiewende und bietet Lösungen zur Dekarbonisierung verschiedener Sektoren, von der Schwerindustrie bis zum Fernlastverkehr. Durch die direkte Verknüpfung mit unseren nahegelegenen Wind- und Solarparks wird dieser Elektrolyseur nicht nur grünen Wasserstoff produzieren, sondern auch weitere industrielle Ansiedlungen in der Region fördern und die lokale Wertschöpfung erhöhen."

Quelle: ENERTRAG


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