Sehr geehrter Herr Dr. Heyen, was erwartet Wacker und die bayerische Industrie von der Politik in Sachen zukunftsfähige Energieversorgung?

Dr. Heyen: WACKER bezieht schon heute 62 Prozent der nötigen Energie für seine Produktion aus Strom und nur noch zu 38 Prozent direkt aus fossilen Rohstoffen. Damit ist WACKER bereits heute ein Vorreiter auf dem Weg in elektrifizierte Industrieprozesse. Somit hat WACKER die besten Voraussetzungen, um als eines der ersten deutschen Chemieunternehmen klimaneutral zu werden. Dafür brauchen wir aber große Mengen erneuerbaren Stroms – konkret etwa 4 TWh allein an den deutschen WACKER-Standorten – zu international wettbewerbsfähigen Preisen. WACKER schlägt deshalb einen europäisch angelegten Industriestrompreis von maximal 4 Cent/kWh vor. Das wäre ein echter Türöffner für die Dekarbonisierung der Industrie und auch ein Einstieg in eine ERNEUERBARE WASSERSTOFFWIRTSCHAFT – gerade auch in Bayern. 

Warum und wo besteht hier aus Ihrer Sicht Nachholbedarf?

Dr. Heyen: Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien hinkt aktuell den Klimaschutzzielen erheblich hinterher. Wir müssen deutlich mehr Windräder an Land und auf hoher See sowie Solarmodule installieren, um den stetig wachsenden erneuerbaren Energiebedarf für die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme sowie für den Aufbau einer klimaneutralen Industrie zu decken. Bis 2030 gilt es, die heutige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zumindest zu verdoppeln wenn nicht gar zu verdreifachen. 

Welche Maßnahmen ergreift die WACKER Chemie, um die Erreichung der Klimaschutzziele zu unterstützen?

Dr. Heyen: Als weltweit führender Hersteller von Polysilicium für Photovoltaikmodule leistet WACKER bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele. Neben diesem sehr prominenten Energiewende-Produkt von WACKER liefern wir Rohstoffe und Produkte in die Bereiche Energieerzeugung aus Wind und Wasser, Energiespeicherung und Energieeinsparung. WACKER-Produkte reduzieren den THG-Ausstoß mit Produkten zur Gebäudeisolierung, Siliconharzen für den Fassadenschutz oder siliciumbasierten Materialien für Lithium-Ionen-Batterien. Und in der industriellen Produktion hat WACKER sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2030 unsere spezifischen Emissionen um ein Drittel und den spezifischen Energieverbrauch um die Hälfte zu reduzieren. Kurzum: Wir stehen zu den Pariser Klimabeschlüssen und wollen mit unseren Produkten unseren Beitrag dazu leisten, damit die Europäische Union bis zum Jahr 2050 klimaneutral ist.

Herr Dr. Heyen, herzlichen Dank für das Gespräch!


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