Brasilianischer Markt: Verlässlich und transparent – Interview mit Philipp Hahn

 

Philipp Hahn ist seit 2012 integrierte CIM-Fachkraft (ExperTS) bei der Auslandshandelskammer in Rio de Janeiro und dort schwerpunktmäßig im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz tätig. Er hat Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln und Coimbra (Portugal) studiert und zum Thema Biomasse und CO2-Zertifikate-Handel geforscht.

Herr Hahn, was können deutsche Unternehmen der Windenergie von einem Engagement in Brasilien erwarten? Im internationalen Ranking der Länder mit dem höchsten Zubau an Windkraftkapazität fiel Brasilien zuletzt vom fünften auf den sechsten Platz.

Grundsätzlich bestehen weiterhin hervorragende Aussichten für die Windenergie in Brasilien. Der Rückgang des Zubaus in den letzten Jahren war konjunkturell und durch den damit einhergehenden Rückgang des Stromverbrauchs bedingt. Aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit hat die Windenergie einen sicheren Platz in Brasiliens Ausbauplänen. Erste Anzeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs waren bereits 2018 zu verzeichnen und dürften sich 2019 nach der Amtsübernahme durch die neue Regierung verstärken.

Ist es richtig, dass die brasilianische Regierung ursprünglich eine eigene Windindustrie im Land aufbauen wollte, nun aber vermehrt auf Zukauf aus Fernost setzt? Wenn das zutrifft: Wie sollen sich deutsche Unternehmen in dieser Situation verhalten?

Die lokale Windenergieindustrie ist bereits gut etabliert und nahezu die gesamte Wertschöpfungskette vor Ort vertreten. Dies gelang vor allem aufgrund der strikten Local Content-Anforderungen bei Finanzierungen der Entwicklungsbank BNDES, an deren Krediten Investoren aufgrund der vergleichsweise günstigen Konditionen nicht vorbeikamen. Da sich die BNDES-Kreditzinsen in den letzten Jahren mehr und mehr dem Marktzinssatz anglichen, ist die Relevanz des BNDES insgesamt etwas gesunken. Mehr und mehr Windparks werden bspw. zumindest teilweise auch durch Anleihenausgabe finanziert. Wer komplett ohne BNDES auskommt, kann Komponenten theoretisch aus der ganzen Welt beziehen. Dennoch ist insgesamt eher davon auszugehen, dass ein Großteil der Komponenten und Dienstleistungen in Brasilien eingekauft wird. Für deutsche Unternehmen empfiehlt sich daher eine lokale Präsenz, außer im Falle von speziellen Nischenprodukten.

Bitte nennen Sie einige Besonderheiten des brasilianischen Marktes, die deutsche Unternehmen beachten sollten, sofern sie ein Engagement in diesem Markt anstreben.

Es handelt sich um einen noch relativ jungen, aber äußerst konsolidierten Markt. Der Wettbewerbsgrad ist hoch und die Margen sind klein. Die Größe des Marktes gleicht diese Nachteile aus. Vergleichsstudien, wie bspw. vom IASS in Potsdam, zeigen, dass das brasilianische Aktionsmodell eine absoluter Erfolg ist und eine hohe Umsetzungsquote von nahezu 100% und hohe Rechtssicherheit ermöglicht. Es handelt sich um einen sehr verlässlichen und transparenten Markt.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

 

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