Passiv-Radar-System (Parasol) - Made in Nordfriesland

Der Dirkshof aus dem Sönke-Nissen-Koog erhält eine luftverkehrsrechtliche Zulassung für eine neuartige Nachtkennzeichnung, die ohne aktive Strahlung funktioniert.

Alle Windenergieanlagen, die eine Höhe von über 100 Meter haben, müssen nach den Vorschriften der Flugsicherheit eine Nachtkennzeichnung haben. Da die Windmühlen immer größer werden, hat in den letzten Jahren auch das nächtliche „Blinken“ eklatant zugenommen.

Eine Entwicklung, unter der auch die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Windenergie gelitten hat. Dabei müssten die Anlagen nicht dauerhaft beleuchtet sein, sondern eigentlich nur dann, wenn sich tatsächlich ein Flugobjekt nähert.

Wir sind froh, dass wir nach jahrelanger Entwicklungsarbeit für unsere bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung nun die Zulassung von der zuständigen Deutschen Luftsicherung bekommen werden.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und in der Tat gibt es mittlerweile eine Reihe von Anbietern auf dem Markt, die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung anbieten. Allerdings basieren bisher alle Systeme auf Aktiv-Radar-Konzepten – außer dasjenige vom Dirkshof.Denn die Nordfriesen haben gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) ein innovatives Passiv-Radar-System, kurz Parasol, entwickelt: Es beruht nicht auf der aktiven Sendung von Signalen, sondern nutzt bereits vorhandene Frequenzen aus dem TV-Bereich (DVB-T1 und DVB-T2).

„Wir sind froh, dass wir nach jahrelanger Entwicklungsarbeit für unsere bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung nun die Zulassung von der zuständigen Deutschen Luftsicherung bekommen werden.", so Dirk Ketelsen, Firmenchef des Dirkshof.

 

Wie funktioniert Parasol?

Vereinfacht gesagt besteht das System aus drei im Windpark zu montierende Sensoren, die jeweils mit zwei Antennen rund um die Uhr Fernsehsignale empfangen.

Datentechnisch miteinander verknüpft erkennen sie auch solche Echos, die sich durch ein sich näherndes Flugobjekt ergeben und geben diese Information in Sekundenschnelle weiter, so dass die Beleuchtung rechtzeitig angeschaltet werden kann.

Dabei lag die größte Herausforderung in der Entwicklung von Parasol darin, „dass auch die sich bewegenden Rotoren im Windpark viele Echos erzeugen, die das System aber sicher und einwandfrei von denen fliegender Objekte unterscheiden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass alle Echos extrem leistungsschwach und nur mathematisch darstellbar sind“, erklärt der Physiker Christoph Schwark vom Bonner Fraunhofer-Institut (FHR).

Der Preis für das bisher in Europa einmalige Passiv-Radar-System liegt für einen Windpark mit rund mehreren Dutzend Anlagen bei rund 450.000 Euro.

Darin sind Installation und Testflüge inbegriffen, die für die Genehmigung von der Deutschen Luftsicherung (DFS) vor Inbetriebnahme  eingefordert werden. Und genau an dieser Stelle hat der Dirskhof einen weiteren Trumpf in der Hand, weil man über die hauseigene Produktion des Leichtflugzeugs Breezer in Bredstedt über geeignetes Equipment und ausgebildetes Flugpersonal verfügt, die diese Testflüge ausüben können.

„Wir planen und betreiben Windenergie, und wir bauen mit dem Breezer selber Leichtflugzeuge, von daher passt Parasol ideal in unsere Wertschöpfungskette“, erörtert Dirk Ketelsen die unternehmerische Strategie.

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