„Gerade im Hinblick auf die hohen Ausbauziele der Offshore-Windenergie in der Nordsee freuen wir uns besonders, dass sich in unserem Verfahren ein internationales Konsortium durchsetzen konnte, das für uns zwar neu ist, aber dennoch viele Erfahrungen im Offshore-Bereich als auch bei der Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) mitbringt“, sagte Tim Meyerjürgens, COO von TenneT. „In den kommenden Jahren werden wir als Übertragungsnetzbetreiber viele verlässliche Partner benötigen, um den Offshore-Ausbau in dem gewünschten Tempo und mit den angestrebten Anschlusskapazitäten ermöglichen zu können. In Punkto Beschleunigung haben wir mit dem Projekt direkt vorgelegt: Es war zunächst mit einer Anschlusskapazität von 930 Megawatt vorgesehen, in der technischen Planung konnten wir die Kapazität um 50 Megawatt erhöhen, es wurde kürzlich so im aktuellen Netzentwicklungsplan bestätigt.“

Auch bei BorWin6 kommt das Prinzip des Direktanschlusses zum Einsatz, damit verbindet TenneT die angeschlossenen Windenergieanlagen über 66-Kilovolt-Drehstromkabel direkt mit der Offshore-Plattform BorWin kappa von TenneT. Dadurch fallen die bislang in jedem Wind-park notwendigen Umspannstationen weg. Außerdem sind keine 155-Kilovolt-Drehstromkabel zur Verbindung der Offshore-Plattform von TenneT mit der des Windparks notwendig. Ge-samtwirtschaftlich betrachtet führt diese innovative Technik zu enormen Kosteneinsparungen.

Tim Meyerjürgens: „Mit der Vergabe von BorWin6 setzen wir die kontinuierliche Kostenreduktion beim Bau von Offshore-Netzanbindungssystemen fort. Ebenso wenden wir hier das Smart-Plattform-Konzept an und installieren auf der Offshore-Plattform besonders wartungsarme Technik. Damit können wir den Instandhaltungsaufwand und letztendlich die Betriebskosten der Anlage verringern.“

Auf einer 235 Kilometer langen Trasse überträgt TenneT den Strom mithilfe verlustarmer Gleichstromtechnologie von der seeseitigen Konverterstation BorWin kappa zur Konverterstation Büttel (Schleswig-Holstein) an Land. Hier wird der Gleichstrom wieder in Drehstrom umgewandelt und ins Höchstspannungsnetz eingespeist.

Innerhalb des Konsortiums wird der Schwerpunkt von McDermott auf den Konverterstationen liegen, sie greifen auf vielfältige Offshore-Erfahrungen und eigene, weltweite Werften zur Fertigung zurück. Global Energy Interconnection Research Institute Co. Ltd. (GEIRI) & C-EPRI Electric Power Engineering Co. Ltd. (C-EPRI) wiederum wird seinen Fokus auf die Elektrotechnik legen. Vorrangig in Asien wurden bereits vielfältige Hochspannungsgleichstromprojekte realisiert, weltweit gilt GEIRI/C-EPRI als erfahrener HGÜ-Entwickler und -Lieferant. BorWin6 ist das letzte Offshore-Netzanschlusssystem, das von TenneT in der deutschen Nordsee mit 320-Kilovolt-Technologie umgesetzt wird, ehe mit den künftigen Projekten der technologische Sprung auf 525-Kilovolt und eine Übertragungskapazität von zwei Gigawatt umgesetzt wird. BorWin6 soll 2027 in Betrieb gehen.

Die Meilensteine im Überblick

Noch in diesem Jahr wird die Vergabe für das zweite Los, für die Produktion und Verlegung der Kabel, erfolgen. Zudem sind erste bauvorbereitende Maßnahmen für die Landstation in Büttel geplant. Der eigentliche Bau der Landstation beginnt 2024.

Voraussichtlich Mitte 2023 startet die Konstruktion der Topside, also der eigentlichen Konverterstation auf See, die in Qingdao (China) gebaut wird. Ende 2023 startet auch der Bau des Jackets in Batam (Indonesien). Das Jacket bildet die Unterkonstruktion, auf die die Plattform voraussichtlich Mitte 2026 in dem etwa 38 Meter tiefen Wasser aufgesetzt wird. In 2023 wer-den auch entsprechende Horizontalbohrungen zur Unterquerung des Landesschutzdeichs (bei Büsum) und des Nord-Ostsee-Kanals geplant; die Landkabelverlegung wird 2024 und 2025 stattfinden, die Verlegung des Seekabels in 2025 und 2026.

Daten und Fakten zu BorWin6

BorWin6 ist neben den Projekten BorWin1+2+3 und 5 die fünfte Offshore-Netzanbindung, die TenneT vor der Küste Borkums in Höchstspannungsgleichstrom-Übertragungstechnik realisiert. BorWin6 hat eine Übertragungskapazität von 980 Megawatt, die Inbetriebnahme von BorWin6 ist im Jahr 2027 geplant.

  • 235 Kilometer lange HGÜ-Verbindung mit einer maximalen Übertragungsleistung von 980 Megawatt
  • 45 Kilometer Landkabel, 190 Kilometer Seekabel
  • Netzverknüpfungspunkt: Büttel (westlich von Itzehoe in Schleswig-Holstein)