Zäsur für die Offshore-Windkraft

 

Das Jahr 2017 markiert einen Umbruch für die Offshore-Windkraft. Erstmals kündigten Projektentwickler an, auf eine staatliche Vergütung zu verzichten. Zudem ging der erste schwimmende Windpark in Betrieb. Damit ändern sich grundlegende Voraussetzungen.

Das Ergebnis der ersten Ausschreibung von Offshore-Windparks in Deutschland im April war selbst für die meisten Experten völlig überraschend. Die Energieversorger EnBW und Örsted (ehemals Dong Energy) erhielten die Zuschläge für vier Projekte mit 1.500 MW Gesamtleistung – drei davon zum Marktprämien-Gebot von 0 Cent/kWh. In Erwartung sinkender Kosten und steigender Strompreise stellten sie damit in Aussicht, ganz auf öffentliche Förderung zu verzichten. Wobei diese Windparks erst Mitte des nächsten Jahrzehnts ans Netz gehen sollen und die Investitionsentscheidung laut Gesetz erst in ein paar Jahren fallen muss. Die Bieter haben also Zeit, die Entwicklung von Kosten und Preisen abzuwarten. Bei einem Rückzieher würden sie eine im Vergleich zur Höhe der Investition relativ geringe Pönale zahlen.

Der Preissturz hatte sich angedeutet. Bei vorherigen Ausschreibungen in den Niederlanden und Dänemark sanken die Zuschlagswerte sukzessive, von mehr als 7 Cent auf weniger als 5 Cent. Bis dahin betrug die staatlich festgelegte Vergütung im Schnitt etwa 12 bis 14 Cent. Das deutsche Auktionsergebnis nahm die niederländische Regierung umgehend zum Anlass, ihr Ausschreibungsdesign anzupassen und künftig nur noch Null-Cent-Gebote zuzulassen. Mit Erfolg: Für das erste Projekt nach dem neuen Modus gab es Ende 2017 mehrere Gebote. Die Entscheidung fällt nun anhand weicher Kriterien, wie der technischen Qualität der Kraftwerkspläne oder der Erfahrung des Bieters.

 

 

Europa bleibt der einzige größere Markt

Der bislang einzige größere Markt für Offshore-Wind ist Europa. Hier stieg die installierte Leistung im vergangenen Jahr um den Rekordwert von 3.100 auf 15.800 MW. Zu verdanken ist das im Wesentlichen Großbritannien (1.700 MW) und Deutschland (1.300 MW). Die insgesamt installierte Leistung in Europa beschränkt sich zu 98 Prozent auf fünf Länder: Großbritannien, Deutschland, Dänemark, die Niederlande und Belgien. Der Hauptgrund hierfür ist, dass 95 Prozent aller Küstenstreifen mit 50 Metern und mehr zu tief sind für die Fundamente von Windrädern. Das gilt etwa auch für Frankreich, Portugal und Norwegen. Die große Hoffnung sind daher schwimmende Fundamente. Im Oktober nahm vor der Küste Schottlands der erste schwimmende Windpark namens „Hywind“ den kommerziellen Betrieb auf. Er könnte nun eine ganz neue Entwicklungsstufe einläuten. 

Im Mai ging der erste Meereswindpark der USA in Betrieb. Das Projekt "Block Island" vor der gleichnamigen Insel an der Atlantikküste kommt ebenfalls schon ohne staatliche Subventionen aus. Das liegt aber an den hohen Strompreisen auf der Insel, die sich bisher mit Dieselgeneratoren selbst versorgen musste. Zudem handelt es sich um ein kleines Projekt mit lediglich sechs Anlagen und 30 MW Gesamtleistung. Einer der nächsten Wachstumsmärkte ist Taiwan. Die dortige Regierung vergibt derzeit die ersten Projekte im Gesamtumfang von 5.500 MW – und lockt mit hohen Einspeisetarifen von 16 Cent.

 

Weitere interessante Fachartikel der Windindustrie können Sie im aktuellen BWE-Branchenreport - "Windindustrie in Deutschland 2018" nachlesen. 

 

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