Bei der aFRR (automatische Frequenzregelreserve oder Sekundärregelung) handelt es sich um eine automatisch aktivierte Reserveleistung zur Netzstabilisierung, die eingesetzt wird, um die Netzfrequenz nach kurzfristigen Schwankungen wieder auf den Sollwert 50 Hz zu bringen. Sie wird von Kraftwerken oder Speichern bereitgestellt und reagiert innerhalb weniger Minuten, nachdem die Primärregelung (Frequency Containment Reserve, FCR) die ersten Sekunden bei einer Frequenzabweichung überbrückt hat. Zur längerfristigen Stabilisierung der Netzfrequenz wird die aFRR wiederum von der mFRR (manuelle Frequenzregelreserve oder Tertiärregelung) abgelöst. FCR, aFRR und mFRR sind elementare Systemdienstleistungen zur Netzregelung und werden von den Übertragungsnetzbetreibern aktiviert.

Bislang wurden diese Systemdienstleistungen vor allem von fossilen Regelkraftwerken bereitgestellt. Durch innovative Prognose- und Regelungstechnologie von ENERCON und Gridfuse konnte bewiesen werden, dass Windparks in Gruppen ebenso präzise regelbar sind wie konventionelle Anlagen.

Bereits seit Februar 2025 vermarktet Engelhart Flexibilität am Markt für Minutenregelleistung (mFRR) mit rund 100 MW von 20 Windparks. Jetzt konnten die ersten 3 Windparks des Betreibers Looft-Schmidt am Standort Huje (Schleswig-Holstein) mit rund 28 MW Flexibilität in die aFRR-Vermarktung überführt werden.

Herausforderungen stellten in der Präqualifikation sowohl die Ermittlung einer präzisen Live-Vorhersage (sog. mögliche Einspeisung) dar sowie die Entwicklung eines übergeordneten Pool-Reglers durch Gridfuse. Zusammen mit einer zusätzlichen Reglerfunktion für die Regelenergie auf dem ENERCON Parkregler ist es den Firmen gelungen, die technologischen Hürden zu überwinden und zukünftig auch älteren Windparks die Teilnahme am Regelleistungsmarkt zu ermöglichen.

Dank der agilen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Windparkgesellschaft, dem ENERCON Service, dem Parkbetreiber nttb und dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany konnte das Projekt inklusive der nötigen Prüfverfahren innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Die Parkbetreiber profitieren von einem konkreten Mehrwert, die Netzbetreiber durch die netzdienliche Steuerung der Windparks.

„Onshore-Windparks haben nachweislich das Potential, einen Großteil der kritischen Netzstabilisierungsmenge in der aFRR systemsicher bereitzustellen und konventionelle Gaskraftwerke in den meisten Zeitscheiben zu ersetzen. Mit der geplanten Umstellung auf Viertelstundenzeitscheiben bei der aFRR-Vermarktung sehen wir hier die Möglichkeit, für unsere Kunden sowohl negative als auch positive Sekundärregelleistung vermarkten zu können. Gridfuse entwickelt seit 4 Jahren die notwendige Technologie dafür. Wir freuen uns, zusammen mit Engelhart, nttb, ENERCON und TenneT Germany einen wichtigen Schritt Richtung Skalierung dieses Geschäftsfeld für Onshore-Windparks leisten zu können“,

sagt Konrad Wolf von Gridfuse.

„Als Anbieter von Lösungen für das vernetzte grüne Energie-Ökosystem ist es unser zentrales Anliegen, unseren Kunden einen attraktiven Mehrwert aus ihrem Projekt zu ermöglichen“,

sagt Karsten Tonn, Leiter Business Unit Service bei ENERCON.

„Die Bereitstellung der aFRR-Funktionalität für Bestandswindparks ist ein Paradebeispiel für den Bereich, Smarte Optimierung‘ unseres Portfolios: Mit cleveren Lösungen für Windparks in der Betriebsphase stellen wir für unsere Kunden kontinuierliche Wertsteigerung, Zukunftsfähigkeit und Wachstum sicher und leisten gemeinsam einen weiteren wichtigen Beitrag für die Energiewende.“

Sevastos Kavanozis, Global Head of Renewables Sales & Origination, sagt:

„Die Energiewende hängt davon ab, dass erneuerbare Energien eine aktive Rolle beim Ausgleich des Systems übernehmen. Bei Engelhart ist es unser Ziel, dies für jeden Kunden und jedes Projekt, mit dem wir zusammenarbeiten, möglich und wirtschaftlich rentabel zu machen. Diese Genehmigung schlägt ein neues Kapitel für die Onshore-Windenergie auf und zeigt, dass erneuerbare Energien eine tragende Säule für die Netzstabilität sein können und gleichzeitig neue Einnahmequellen für Eigentümer erschließen.“

Die Firmen Engelhart, Gridfuse und ENERCON testen aktuell weitere ENERCON Anlagentypen, um das Portfolio zu vergrößern und weiteren Kunden die Teilnahme am Regelenergiemarkt zu ermöglichen.

Quelle: Enercon


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