Die Anforderungen an Dichtungen sind enorm: extreme Umgebungsbedingungen, hohe mechanische Beanspruchungen und lange Lebenszyklen. Besonders die Windenergiebranche befindet sich in einem stetigen Wandel – mit immer größeren Anlagen und entsprechend steigenden Herausforderungen.
Jens Kuhnert, Business Development Manager bei Freudenberg Sealing Technologies in Hamburg, erklärt:
„Um die Technologieführerschaft bei Hauptlagerdichtungen in Windkraftanlagen auszubauen, brauchen wir Prüfprozesse, die reale Einsatzbedingungen reproduzierbar abbilden und die Validierung beschleunigen. Mit unserem neuen Großring-Prüfstand erfüllen wir diesen Anspruch.“
Technische Daten und Leistungsspektrum
Der rund 56 Tonnen schwere Prüfstand misst ca. 9 x 7 x 4 Meter und ermöglicht den Test von Dichtungen mit Durchmessern zwischen 1.000 und 2.000 Millimetern. Erstmalig können bis zu vier Großdichtungen gleichzeitig montiert und über zwei separate Ölkreisläufe versorgt werden.
Über ein speziell entwickeltes Modul lässt sich eine dynamische Exzentrizität von bis zu ±10 Millimetern einstellen – und damit simulieren, was passiert, wenn die Achse durch hohe Belastungen nicht exakt zentriert ist. Das ist beispielsweise für realitätsnahe Tests von Hauptlagerdichtungen in Windkraftanlagen wichtig.
Die integrierte Klimakammer deckt einen Temperaturbereich von -30 bis +120 °Celsius ab. Druckprüfungen sind bis 15 bar möglich. Beständigkeitstests gegenüber Feuchtigkeit, Staub- und Schmutzpartikeln stehen ebenfalls im Testprotokoll. Alle Einflussparameter sind manuell oder automatisiert individuell einstellbar.
Ganzheitliche Teststrategie als treibende Kraft
Die Inbetriebnahme des Großring-Prüfstands ist ein zentraler Baustein einer umfassenden Teststrategie am Standort Hamburg. Ergänzt wird sie durch externe Prüfkapazitäten sowie durch Tests direkt beim Kunden.
Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie macht Prüfprozesse effizienter, transparenter und kanalisiert die Datenfülle jeder einzelnen Messung. Die Ergebnisse sollen zukünftig in Simulationsmodelle und digitale Zwillinge einfließen, etwa zur Analyse von Störgrößen oder Alterungseffekten. So lassen sich Dichtungsdesigns schneller iterieren und validieren. Das beschleunigt nicht nur die agile Entwicklung qualitativ hochwertiger Dichtungen, sondern bietet auch den Kunden einen entscheidenden Vorteil: maximale funktionale Sicherheit bei der Markteinführung ihrer leistungsstarken Anlagen.
Kundennähe durch gemeinsame Entwicklung
Freudenberg Sealing Technologies verfolgt das Ziel, bereits in frühen Phasen der Technologie- und Anlagenentwicklung eng mit seinen Kunden zusammenzuarbeiten. So können Werkstoffe und Dichtungskonzepte gezielt auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt werden.
Jens Kuhnert ist sich sicher:
„Mit dem neuen Großring-Prüfstand intensivieren wir die Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Wir rücken noch näher zusammen – für schnellere Entwicklungszyklen und nachhaltige Lösungen.“
Quelle: Freudenberg FST GmbH
Auch interessant:
- Fachartikel, Expertenwissen15.04.2025Der BWE-Sachverständigenbeirat hat die Grundsätze zur Wiederkehrenden Prüfung an WEA überarbeitet. Die neue Fassung berücksichtigt aktuelle Normen, moderne ...
- Fachartikel, Expertenwissen02.09.2025Lichtwellenleiter eröffnen neue Möglichkeiten zur Risserkennung in Blattlagern von Windkraftanlagen. Der Fachbeitrag von Martin Lassen und Silvio Matysik ...






