Um dieses Potenzial zu heben, präsentiert die Offshore TSO Collaboration (OTC) nun ein weiterentwickeltes Konzept, das regionale Planung, Kostenaufteilung und Finanzierung erstmals zusammenführt. Die Empfehlungen basieren auf der technischen Arbeit und Expertise der beteiligten Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg präsentierte die OTC heute in Anwesenheit von mehreren Staats- und Regierungschefs und Energieministern der Nordsee-Anrainerstaaten die neusten Erkenntnisse.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen und die nächsten Schritte stellten die CEOs der OTC-ÜNB im Rahmen einer Pressekonferenz vor: Manon van Beek, CEO von TenneT Holding; Bernard Gustin, CEO der Elia Group (Elia Belgien & 50Hertz); Thomas Egebo, CEO von Energinet; Tim Meyerjürgens, CEO von TenneT Germany; Michael Mahon, Chief Infrastructure Officer von EirGrid; Elisabeth V. Vardheim, CEO von Statnett; Fintan Slye, CEO von NESO; Christoph Müller, CEO von Amprion, Ben Wilson, Präsident von National Grid Ventures, und Khalid Abdallaoui, Director of Interconnections & Offshore Grid bei RTE France.
Gemeinsam für Europas Energiezukunft
Die OTC steht bereit, gemeinsam mit Regierungen, Regulierungsbehörden und Energieerzeugern den nächsten Schritt zu gehen – hin zu einer nachhaltigen, sicheren und vernetzten Offshore-Energiezukunft.
„Europas Energiezukunft entsteht nicht nur durch nationale Einzellösungen, sondern durch regionale Planung, faire Kostenteilung und flexible Finanzierung“, lautet die zentrale Botschaft der Initiative. Die OTC zeigt, wie technische Expertise und politischer Wille zusammenwirken können, um die Vision eines vernetzten Offshore-Energiesystems in der Nordsee Realität werden zu lassen.
Regionale Planung als Fundament eines integrierten Offshore-Netzes
Im Zentrum der Arbeit der OTC steht die Entwicklung eines integrierten europäischen Offshore-Netzes. Statt isolierter nationaler Leitungen setzt die Allianz auf hybride Verbindungen – Mehrzweckleitungen, die Offshore-Windparks mit mehreren Ländern gleichzeitig verbinden.
Erste gemeinsame Analysen zeigen deutliche Vorteile eines regional koordinierten Ansatzes: geringere Kosten, höhere Effizienz und ein robusteres europäisches Energiesystem. Eine von der OTC entwickelte Netzkarte identifiziert bereits konkrete grenzüberschreitende Projekte in der Nordsee, der Irischen See und der Keltischen See.
Flexible Finanzierung als Motor für den Offshore-Ausbau
Neben der technischen Planung beschäftigt sich die OTC auch mit weiteren Herausforderungen dieses Großprojekts. Die erheblichen Unterschiede hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse, Regulierungssysteme und Erlösmodelle der Übertragungsnetzbetreiber in der Nordsee lassen erkennen, dass eine einheitliche Finanzierungslösung nicht realisierbar ist. Fragen der Finanzierung, Kostenteilung und Beteiligung sind daher zentrale Herausforderungen. Die OTC entwickelt Modelle für multilaterale Kooperationen und gemeinsame Kostenaufteilung – ein entscheidender Schritt, um Investitionsentscheidungen zu ermöglichen und Projekte tatsächlich umzusetzen. Ziel ist die Einrichtung eines integrierten Prozesses für Planung, Kostenteilung und Finanzierung mit Regierungen, nationalen Regulierungsbehörden und Übertragungsnetzbetreibern.
Als mögliche Elemente eines solchen Finanzierungsmixes kommen öffentliche Kredite, private Finanzierungen, grüne Anleihen, Garantien, Hybridinstrumente oder Zuschüsse zur Schließung von Finanzierungslücken in Betracht. Entscheidend ist, dass Kostenteilungsvereinbarungen und regulatorische Rahmen verlässlich und langfristig ausgestaltet sind - nur so lassen sich fundierte Investitionsentscheidungen treffen und Kapital in großem Umfang mobilisieren.
Parallel erweitert die OTC die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren der Offshore-Wertschöpfungskette, darunter Windparkentwickler, Infrastrukturbetreiber und die Wasserstoffindustrie.
Kostenteilungsmethode soll Ex-ante- und Ex-post-Ansätze kombinieren
Ein bisher zentrales Hindernis für grenzüberschreitende Offshore-Projekte war die offene Frage nach einer gerechten Verteilung von Kosten und Nutzen. Als Lösung schlägt die OTC dafür ein kombiniertes Modell vor, das ex-ante Planungssicherheit mit ex-post Flexibilität verbindet. Ex-ante bedeutet, dass Länder ihre Kostenanteile bereits vor Projektbeginn auf Basis gemeinsam modellierter Szenarien festlegen – ein wichtiger Schritt, um frühzeitig verlässliche Investitionsentscheidungen zu ermöglichen. Ex-post erlaubt, diese Anteile nach Inbetriebnahme anzupassen, wenn reale Daten zeigen, wie stark einzelne Länder tatsächlich profitieren. Durch die Verbindung beider Elemente entsteht ein System, das verlässlich genug ist, um große Infrastrukturinvestitionen auszulösen, und gleichzeitig flexibel genug bleibt, um die tatsächlichen Systemvorteile fair zu berücksichtigen.
Die Lösungen innerhalb der Finanzierungs-Toolbox sollten den folgenden Grundsätzen entsprechen:
- Reduzierung der Kapitalkosten
- Nutzung bestehender Prozesse und Fonds
- Angemessene Risikoverteilung
- Berücksichtigung von Unterschieden in Bezug auf Regulierung, Eigentumsverhältnisse und Projektmerkmale
- Förderung von privatem Kapital
Quelle: 50Hertz
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