Die Studie „Analyse einer volkswirtschaftlich optimalen Überbauung von Offshore Wind Netzanbindungen“ untersucht vier bislang unbebaute Offshore-Flächen in der deutschen Nordsee. Frontier Economics analysiert verschiedene Kombinationen aus Windparkleistung und Netzanbindungskapazität, um das Optimum an Kosten und Nutzen für das Energiesystem zu ermitteln.

Beim Offshore-Ausbau liegen erhebliche Optimierungs- und Effizienzpotenziale, erklärt der BDEW in einer Mitteilung. Diese lassen sich heben, wenn die Möglichkeiten einer flächenspezifischen Überbauung in volkswirtschaftlich sinnvollem Maße genutzt und gleichzeitig weniger dicht ausgebaut wird, um Abschattungseffekte zu reduzieren und höhere Vollaststunden zu erzielen.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die volkswirtschaftlich optimale Überbauung, je nach Gebiet und Szenario, zwischen fünf und zehn Prozent liegt Die damit einhergehende Abregelung des erzeugten Stroms beträgt drei bis vier Prozent. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt das Optimum hingegen niedriger, bei etwa zweieinhalb bis fünf Prozent. Der volkswirtschaftlich optimale Wert übersteigt somit das wirtschaftliche Optimum von Entwicklern. Eine pauschale Vorgabe von 20 Prozent, wie sie im Flächenentwicklungsplan 2025 vorgesehen ist, führt zu unnötigen volkswirtschaftlichen Mehrkosten.

Pauschale Vorgaben führen zu höheren Strompreisen

„Diese Studie zeigt erstmals belastbar, in welchem Bereich eine Überbauung volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. In den untersuchten Gebieten liegt dieser Wert bei fünf bis zehn Prozent – deutlich unter den bisher angedachten pauschalen Vorgaben. Eine pauschale Verpflichtung zu einem Überbauungswert von 20 Prozent würde die volkswirtschaftlichen Kosten hingegen unnötig in die Höhe treiben“,

sagt Stefan Thimm, BWO-Geschäftsführer.

„Projektentwickler überbauen bereits heute im Bereich des betriebswirtschaftlich Sinnvollen und Möglichen. Entscheidend ist, dass Überbauung flächenspezifisch und im wirtschaftlich sinnvollen Rahmen umgesetzt wird. Darüber hinausgehende Forderungen würden zu höheren Investitionsrisiken führen, diese müssten kompensiert werden. Diese werden sich zwangsläufig in höheren Strompreisen widerspiegeln.“

Info: Was bedeutet „Überbauung“?

Unter Überbauung (engl. Overplanting) versteht man, dass die installierte Leistung eines Offshore-Windparks höher ist als die Kapazität seiner Netzanbindung. Dadurch soll die Netzinfrastruktur auch bei schwachem Wind gleichmäßiger ausgelastet werden. In Zeiten mit starkem Wind und hoher Stromproduktion kann die Netzanbindung den erzeugten Strom nicht aufnehmen. Der überschüssige Strom wird abgeregelt und verfällt damit ungenutzt.

Optimierung der Offshore-Windenergie

„Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um bestehende Effizienzpotenziale zu heben: Bei der anstehenden Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes und Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans müssen das Ausschreibungsdesign und die Flächenplanung so angepasst werden, dass eine volkswirtschaftlich optimale Überbauung je nach Flächencharakteristik möglich wird“,

fordert Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

„Das bedeutet auch, dass die mit der Überbauung verbundenen betriebswirtschaftlichen Mehrkosten der Offshore-Windparkentwickler durch die Vergabe zweiseitiger Contracts-for-Difference abgesichert werden müssen. Das dafür notwendige parlamentarische Verfahren zur Reform des WindSeeG muss bis zum Sommer auf den Weg gebracht werden, damit spätestens ab Januar 2027 ein neues, effizienteres Ausschreibungsverfahren in Kraft ist.

BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm ergänzt:

„Wer einseitig versucht, beim Netzausbau zu sparen, riskiert eine unnötige Belastung der Stromkunden. Wir müssen Optimierungspotenziale ganzheitlich denken – von der Flächenplanung über Netzanbindungen bis hin zu Marktmechanismen. Ziel muss sein, bestehende Infrastruktur und die verfügbaren Flächen effizienter zu nutzen. Höhere Volllaststunden verbessern die Auslastung von Anlagen und Netzanbindungen, stärken die Wirtschaftlichkeit von Projekten und reduzieren den Bedarf zusätzlicher Risikoabsicherungen.“

Aus Sicht der Branche hätten drei Maßnahmen Priorität: eine geringere Leistungsdichte von unter zehn Megawatt pro Quadratkilometer auf neuen Flächen, eine Flächenplanung, die Abschattungseffekte zwischen Windparks reduziert, sowie eine stärkere internationale Kooperation – etwa durch die Erschließung geeigneter Flächen in Dänemark. „Nur so lässt sich der Offshore-Windausbau kosteneffektiv vorantreiben“, resümiert Stefan Thimm.

Hintergrund zur Studie

Die Studie „Analyse einer volkswirtschaftlich optimalen Überbauung von Offshore Wind Netzanbindungen“ von Frontier Economics untersucht die Nordseeflächen N-10, N-12, N-17+20, N-19. Die Studie baut in ihren Annahmen auf der Fraunhofer IWES Studie „International Optimization of Full Load Hours in the German Bight – Cross Border Radials“ auf, welche gemeinsam vom BWO und BDEW beauftragt wurde. Ziel der Studien ist es eine wissenschaftliche Grundlage zur Optimierung der Offshore Windenergie in Deutschland zu schaffen.

Zur Studie von Frontier Economics.

Quellen: Bundesverband Windenergie Offshore (BWO), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

 


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