„Wir wachsen zweistellig“ Interview Markus Brogsitter , CEO WSB Projekt GmbH ( Teil 1)

WSB entwicklet seit 20 Jahren umweltverträgliche und ertragsstarke Lösungen entlang des gesamten Lebenslaufs von Windenergieprojekten.

Was macht einen erfolgreichen Projektierer von Windparks aus? Markus Brogsitter, Chef der WSB Projekt GmbH in Dresden, will kräftig wachsen, um auch 2020 noch zu den wichtigsten Projektentwicklern in Deutschland zu gehören. Im Interview spricht er über die Chancen in Bundesländernwie Sachsen, Thüringen und Hessen und wie er künftig entscheidet, mit welchen Preisen er in die kommenden Ausschreibungen für neue Windparks gehen will. Und nennt auch Zahlen zu Umsatz und Wachstum.

Herr Brogsitter, für ein Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern findet man bei der Recherche erstaunlich wenig über die WSB Neue Energien Gruppe. Woran liegt das?

Ich glaube, wir sind eher eine zurückhaltende Firma. Wir reden nicht viel über das, was wir tun, sondern wir sind fleißig und schaffen Tatsachen.  Unsere Erfolge zeigen, dass wir eine wichtige Größe in der Branche sind.

In den zurückliegenden 20 Jahren haben wir über 1 Milliarde Euro investiert und rund 730 Megawatt Erneuerbare Energien in Betrieb genommen

Jetzt, wo Sie ihr Wachstum schon selber gelobt haben, nennen Sie doch mal ein paar Zahlen.

WSB gibt es seit 1996 in Dresden und in der Zwischenzeit auch an weiteren Standorten, u.a. in Frankreich, Italien und Polen. In den zurückliegenden 20 Jahren haben wir über 1 Milliarde Euro investiert und rund 730 Megawatt Erneuerbare Energien in Betrieb genommen. Unser Focus ist Windenergie an Land und in kleinerem Umfang Photovoltaik. Aus dem Zwei-Mann-Ingenieurbüro von damals hat sich heute eine Projektentwicklungsgesellschaft mit 200 Mitarbeitern entwickelt.

Was macht man da für einen Jahresumsatz?

Als WSB Neue Energien Gruppe haben wir im Geschäftsjahr 2013/2014 eine Gesamtleistung von 52 Millionen Euro erzielen können. Die Leistung setzt sich zusammen aus Umsatzerlösen und aus Erträgen aus dem Verkauf von Wind- und Solarparks. Der Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2014/2015 wird momentan geprüft. Auf Basis der aktuellen Zahlen rechnen wir mit einem Wachstum der Gesamtleistung im zweistelligen %-Bereich.

Können Sie für die letzten drei oder vier Jahre angeben, wie viel Prozent Wachstum Sie erreichen?

Im Projektgeschäft ist eine stichtagsbezogene Betrachtung des Wachstums nur schwer zu beurteilen, da beispielsweise Großprojekte besonderen Einfluss auf die Jahres- und Konzernabschlüsse haben. Wir lenken hier gern den Fokus auf die Rentabilität der Gruppe, die in den letzten Jahren im Durchschnitt bei über 10 % lag. Auch der damit verbundene Anstieg der Eigenkapitalquote von 45 % in 2011 auf 56 % in 2014 bei stetigem Anstieg der Bilanzsumme ist für uns Ausdruck von organischem Wachstum. Waren es vor fünf Jahren noch 100 Mitarbeiter am Dresdner Standort, so sind es mittlerweile 140.

Wir konzentrieren uns ausschließlich auf unsere Kunden und Investoren und haben keine Windparks im Bestand.

Aber Sie machen nur Planung und bauen keinen Eigenbestand auf.

Als WSB Neue Energien konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Planung und die schlüsselfertige Errichtung von Wind- und Photovoltaikparks: also der Prozess von der Flächenakquise bis hin zur schlüsselfertigen Realisierung und dem Verkauf an den Investor. Davon getrennt bietet die WSB Service die gesamte Bandbreite der technischen Betriebsführung an. Zusammen mit unserem Kooperationspartner sind wir damit in der Lage, den gesamten Wertschöpfungsprozess abzudecken.

 Sie tun das komplett für Investoren und haben keine eigenen Windparks im Bestand, anders als zum Beispiel WPD, die zweigleisig fahren?

Wir konzentrieren uns ausschließlich auf unsere Kunden und Investoren und haben keine Windparks im Bestand.

Wie verteilen sich die genannten Anlagen denn auf die verschiedenen Regionen in Deutschland?

Das größte Wachstum hatten wir in Sachsen-Anhalt, in Sachsen und in Brandenburg. Inzwischen stehen aber auch Windparks von WSB in Hessen, Thüringen und Bayern. Mit den aktuellen Genehmigungsverfahren kommen sicherlich noch weitere Bundesländer hinzu. Ende 2015 haben wir zum Beispiel in Sachsen den Windpark Wölkisch vollständig in Betrieb genommen. Mit zehn Anlagen war das der größte, der im zurückliegenden Jahr im Freistaat überhaupt ans Netz gegangen ist.

Welche Länder stehen im Moment bei Ihnen im Fokus?

Wenn Sie die Stadtstaaten rausnehmen, haben Sie noch 13 Bundesländer. In Schleswig-Holstein gibt es viele, lange verwurzelte Projektentwickler, da stellen wir uns nicht an. Aber in allen anderen Bundesländern sind wir mit mehr oder weniger intensivem Engagement unterwegs. Auch wenn wir den Markt in einem Bundesland wie Bayern oder Baden-Württemberg eher beobachten.

Kann man denn 2016 seinen Erfolg immer noch darauf gründen, dass man in einer Planungsregion Land und Leute vor allem persönlich kennt? Welche Rolle spielt diese lokale Verbundenheit heute?

Das spielt im Projektentwicklungsgeschäft immer eine sehr, sehr große Rolle. Man muss sich in den Landkreisen, Gemeinden und vor Ort vernetzen, Kontakte aufbauen, Respekt erarbeiten und Akzeptanz schaffen. Denn in so einem Projekt ist man über viele Jahre miteinander unterwegs – plus einer Betriebszeit von 20 bis 30 Jahren. Für uns ist sehr wichtig, auch vor Ort anzukommen und ein gutes Verhältnis miteinander zu pflegen. Das sehen wir genauso auch im Ausland, in Frankreich und in Polen. Projektentwicklung ist und bleibt immer ein regionales Geschäft.

Spricht genau das nicht eigentlich sehr stark gegen eine Expansion in andere Bundesländer? Das muss doch für Sie unverhältnismäßig teuer sein und damit im Grunde genommen macht Sie das als Konkurrenz im Grunde auch nicht in dem Maße leistungsfähig?

Wir expandieren dezentral. Die Flächenakquise machen wir mit Kollegen, die vor Ort beheimatet sind.

Ist mein Eindruck richtig, dass im Moment viele vormals regionale Planer versuchen, ihr Spielfeld auf ganz Deutschland auszuweiten?

Der Eindruck ist sicherlich nicht falsch. Es gibt eine Reihe von Marktbegleitern von WSB, die nur in Deutschland unterwegs sind. Dann steht das umso stärker auf der Agenda, sich innerhalb Deutschlands auszubreiten.

Wir wollen auch 2020 noch auf der Liste der wichtigsten Projektentwickler in Deutschland stehen.

Warum machen Sie es im Detail?

Wir haben uns das Ziel gesetzt, weiter zu wachsen. Wir wollen auch 2020 noch auf der Liste der wichtigsten Projektentwickler in Deutschland stehen. Wir wollen unseren Platz behaupten und ausbauen.

Ihre Expansion in andere Bundesländer könnte aber auch schlicht damit zusammenhängen, dass die Bäume in ihren angestammten Regionen nicht in den Himmel wachsen. Gerade Thüringen und Sachsen sind per se keine Windkraftfans und bieten oft überwiegen Waldstandorte?

In Sachsen liegt es nicht an den Bäumen, dass man dort nur bedingt mit den Ausbauzielen vorankommt. Sachsen hat gute bis sehr gute Standortbedingungen. Aber nachdem der Landesentwicklungsplan 2013 fortgeschrieben wurde, um die entsprechenden Flächen neu auszuweisen, müssten jetzt bis 2017 in allen vier Regionen die Regionalpläne entsprechend angepasst werden. Wir nehmen gleichzeitig aber auch wahr, dass Sachsen gerade andere Schwerpunkte setzt. Man ist viel stärker damit beschäftigt, eine Nachfolge für Vattenfall in der Lausitz zu finden. Das zeigt natürlich deutlich, dass wir auch als Branche in Sachsen von der Politik fordern müssen, dass sie die Ziele aus dem Koalitionsvertrag, die an die Bundesziele angepasst sind, umsetzt.

Thüringen?

Thüringen hat in der Präambel zum Koalitionsvertrag vier Leitprojekte festgeschrieben, dazu gehört der Ausbau der erneuerbaren Energien. Und dort ist man nach unserer Wahrnehmung engagiert unterwegs. Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur THEGA begleitet den Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch sollen neuen Vorranggebiete ausgewiesen werden. Bislang waren das nur 0,3 Prozent der Landesfläche, diese Zahl soll auf 1 Prozent steigen. Das führt gerade in Süd-West-Thüringen dazu, dass man in die Wälder geht. Wir sehen dort sehen sehr gute Möglichkeiten, im Einklang mit der Natur wirklich spannende Windprojekte umzusetzen.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf Sachsen-Anhalt werfen, wo Sie auch recht aktiv sind.

In Sachsen-Anhalt stehen im März Landtagswahlen an und man muss abwarten, welche energiepolitischen Ziele die neue Landesregierung verabschieden wird.

In Hessen, dem waldlandreichsten Bundesland Deutschlands, bauen sie bereits. Wie sind ihre Erfahrungen dort?

Wir haben den Windpark Ruhlkirchen in Antrifttal gebaut und sind aktuell in Genehmigungsverfahren für weitere Windparks, wo wir auch mit dem Landesbetrieb Hessenforst zusammenarbeiten. Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Beim Hessenforst sind wir auf sehr kompetente, interessierte Gesprächspartner gestoßen.

Für wen bauen Sie da konkret?

Wir planen auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko, führen das Genehmigungsverfahren durch und entscheiden dann, wann wir in den Verkauf gehen.

>> Zu Teil 2 des Interviews