"Wir tragen künftig das System" BWE Präsident Hermann Albers im Interview

BWE Präsident Hermann im Gespräch mit der Jahrbuch Redaktion

2015 war äußerlich ein zufriedenstellendes Jahr. Zumindest mit bloßem Blick auf den Zubau in Deutschland. Hermann Albers, Präsident des BWE, warnt im Interview jedoch vor drastischen Veränderungen: „Die Ausschreibungen werden viele Windenergiefirmen in ihrer heutigen Form nicht überleben.“

Mit 3.730 MW neu installierter Leistung in 2015 ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Die Branche war dennoch zufrieden. Warum?

Weil es ein Rückgang von einem historischen Rekordniveau und immer noch das zweitbeste Zubaujahr der Geschichte war. Die Beschlüsse zum EEG 2014 waren restriktiv und haben zu deutlichen Vergütungsabsenkungen geführt, das hat erheblichen Druck ausgeübt. Aber 2015 waren die Zinsen noch mal niedrig und so konnte die Absenkung der Vergütung aufgefangen werden. Für 2016 und 2017 erwarten wir um 10 bis 15 % rückläufige Zahlen und einen Zubau von dann nur noch rund 3.300 MW. Auch darum war 2015 ein gutes Jahr.

2015 galt das EEG 2014 weiter und es gab auch keinen Ausbau-Deckel, wie er für die Zukunft geplant ist. Warum gingen die Installationen dennoch um 1.000 MW zurück?

Der Schlüssel für den Ausbau sind rechtssichere Flächen. Bayern hat den Ausbau durch die „10 h“ Regelung begrenzt. In Schleswig-Holstein wirkt nach einer Gerichtsentscheidung ein Ausbau-Moratorium. Allein dort fiel der Zubau um rund 500 MW niedriger aus als im Vorjahr. Außerdem fehlt der Repowering-Bonus. Der Rückgang im Gesamtzubau lag bei 19 Prozent. Der Rückgang beim Repowering bei über 50 Prozent. Wir hatten die Politik gewarnt: Ohne Anreiz zum frühzeitigen Repowering wird kaum jemand mehr vor Ablauf von 20 Betriebsjahren die Anlagen erneuern.

Gibt es auch schon eine Flächenverknappung?

Wir sehen, dass Planer heute beim Repowering eine schon genutzte Fläche nicht mehr zu 100 Prozent beplanen dürfen. Das ist ein Problem. Gerade der Vogelschutz ist deutlich ausgedehnt. Oft steht im Repowering dann nur noch 60 Prozent der Fläche zur Verfügung. Wenn jedoch dort, wo 20 Anlagen mit 600-KW gestanden haben und zehn neue Anlagen geplant werden, am Ende nach dem Genehmigungsverfahren nur noch fünf neue Anlagen übrigbleiben ist dies schwierig. Für Planer verschlechtert sich dann durch das Repowering die Rendite. Dann sinkt das Interesse, neu zu bauen.

Wir hatten die Politik gewarnt: Ohne Anreiz zum frühzeitigen Repowering wird kaum jemand mehr vor Ablauf von 20 Betriebsjahren die Anlagen erneuern.

In Schleswig-Holstein wurden Ende 2015 fast keine Genehmigungen mehr ausgesprochen. Wie geht es 2016 dort weiter?

Schleswig-Holstein hatte entschieden, die Fläche für Windkraft in etwa zu verdoppeln. Das war ein sehr positives, starkes Signal. Und es gibt die politische Entscheidung, 300 Prozent des eigenen Energieverbrauchs durch Windkraft zu erzeugen. Im Mai hat das Oberlandesgericht Schleswig die Flächenausweisung für fehlerhaft erklärt. Seitdem gibt es ein Moratorium und die Staatskanzlei vergibt nur noch einzelne Ausnahmegenehmigungen. Noch war der Einfluss des Moratoriums auf die Aufstellzahlen gering. Aber es wird 2016 voll durchschlagen und wir werden sehr, sehr schwache Zahlen aus Schleswig-Holstein bekommen. Das ist besonders für Bürgergesellschaften sehr ärgerlich. Denn nun ist völlig offen, ob und wie sie in Ausschreibungen längst begonnene Projekte noch realisieren können.

Wie geht es dort politisch weiter?

Die Flächenplanung wird planerisch fortgesetzt. Die Landesregierung muss jedoch aufpassen, dass für die Errei-chung der Landesziele ausreichend Flä-chen bereit stehen. Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass zum Teil Flächen, die den weiteren Ansprüchen der Landesplanung genügen könnten, jetzt herausgenommen wurden. Das wird dazu führen, dass der entstehende Entwurf mindestens so sehr beklagt wird wie der letzte. Aus meiner Sicht völlig zu recht. Es wird noch lange dauern, bis wir wieder klare Verhältnisse in Schleswig-Holstein haben.

Was ist die Motivation dahinter?

Da ist man auf Spekulationen angewiesen. Vielleicht ist es eine bewusste Verzögerungsstrategie, um sich dem Netzausbau anzupassen und um Abschaltungen zu verhindern. Denn Abschaltungen sind auch für die Politik der Energiewende insgesamt akzep-tanzgefährdend. Dazu liegen allerdings Vorschläge der Branche auf dem Tisch. Vielleicht will man aber auch neuen Playern das Feld öffnen in Ausschreibungen zum Zug zu kommen.

Dieses Interview ist ein Auszug aus dem Jahrbuch Windenergie 2016. Das Interview in voller Länger finden Sie im neuen Jahrbuch Windenergie 2016.

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