Weiter unentgeltlich? Hanna Emanuel über die Frage, ob Blindleistung demnächst vergütet wird.

 

Hanna Emanuel ist BWE-Vertreterin in der Blindleistungskommission des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie arbeitet für Enercon in Bremen im Bereich Vertrieb und dort für die Netzintegration.

Das Interview führt Nicole Weinhold, Chefredakteurin ERNEUERBARE ENERGIEN.

Auf dem BWE-Praxistag "Wind am Netz", der am 14. November in Berlin stattfindet, referiert sie über den "Prozess zur Vergütung von Blindleistung im Bundeswirtschaftsministerium".

Was ist Blindleistung?

» Hanna Emanuel: Blindleistung tritt in allen kostendeckend elektrischen Betriebsmitteln auf. Zum Beispiel in Kabeln und Transformatoren, durch den periodischen Auf- und Abbau von elektrischen und magnetischen Feldern. Sie ist ein unvermeidbarer Aspekt des Wechselstromsystems, ist jedoch beeinflussbar und ermöglicht den Netzbetreibern somit, lokal die Spannung in ihrem Netz zu regeln.

Warum sollte sie vergütet werden?

Für den Energieverbrauch der Letztverbraucher wird nur die Wirkleistung abgerechnet. Blindleistung erzeugt jedoch einen zusätzlichen Stromfluss, der zu elektrischen Verlusten führt, die beispielsweise den Ertrag einer Windenergieanlage reduzieren. Da der Blindleistungsbedarf zur Spannungsregelung lokal sehr unterschiedlich sein kann, wird von manchen Stromerzeugungsanlagen sehr viel mehr Blindleitung abgerufen als von anderen. Die Einspeisung von Blindleistung zum Zwecke der Spannungshaltung stellt eine Svstemdienstleistung dar und sollte daher - wie bereits bei konventionellen Kraftwerken üblich – entschädigt werden. 

 

Wie sieht es mit dem Umsetzungsprozess bei der Einführung einer Vergütung aus?

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Kommission ins Leben gerufen, die
Kommission soll untersuchen, in welchem Maß Blindleistung weiterhin unentgeltlich
bereitzustellen ist oder ob es eher sinnvoll und notwendig ist, diese Dienstleistung zu
vergüten.

Wie könnte sich eine Vergütung wirtschaftlich auswirken?

Als BWE-Delegierte bin ich Mitglied in dieser Kommission. Die Möglichkeit, einen Windpark an einem Netzknoten zu bauen, an dem später sehr viel Blindleistung abgerufen wird, darf nicht zum finanziellen Risiko des Windparkbetreibers werden. Durch die Blindleistungsbereitstellung entstandene Verluste müssen kostendeckend entschadigt werden. Mein Ziel ist es zu erreichen, dass Windparkbetreiber technischen Möglichkeiten zur Netzstützung optimal und ohne eigenen Nachteil dem Energiesystem zur Verfügung stellen.

Gibt es Staaten, die Blindleistung bereits vergüten?

Ja, zum Beispiel die Schweiz, England, Belgien, Frankreich und verschiedene Netzbetreiber in den USA haben Vergütungssysteme für Blindleistung.

 

Neue Anforderungen an den Netzanschluss von Windenergieanlagen

In diesem Jahr sind die technischen Netzanschlussregeln (TAR) für Mittel-, Hoch- und Höchstspannung in Kraft getreten. Der BWE informiert Planer, Betreiber, Investoren und alle Interessierten über die kommenden Anforderungen, die man beim Neuanschluss sowie bei wesentlichen Änderungen von Bestandsanlagen beachten muss. Während des Praxistags geht es auch um die Frage, was die Änderungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer Windkraftanlage bedeuten. 

>> Anmeldung und Info zum BWE-Praxistag „Wind am Netz“