Oldie oder Goldie? - Interview mit Andreas Pick, Leiter Projektentwicklung Windkraft Onshore der EnBW

 

Andreas Pick erklärt, wie die optimale Lösung für Windparks aussieht, die in die Jahre kommen.

Mehr und mehr Windenergieanlagen und Windparks erreichen in den nächsten Jahren das Ende ihrer Lebensdauer und ihre Besitzer fragen sich, wie es mit den Anlagen weitergehen soll. Was raten Sie?

Jeder Windpark, jeder Standort, jede Anlage ist anders. Zum einen muss man zum Beispiel zwischen technischem und wirtschaftlichem Lebensende unterscheiden. Gut instand gehaltene Windenergieanlagen können aus technischer Sicht durchaus deutlich länger als 20 Jahre betrieben werden. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her kann das aufgrund niedriger Marktstrompreise in Verbindung mit notwendigen Bandabschlägen schwieriger sein.

Können Sie das näher erläutern?

Wenn etwa der Standort für den Bau neuer Anlagen in Betracht kommt, kann der dafür günstige Zeitpunkt deutlich vor dem Ablauf des 20. Betriebsjahrs liegen. Das betrifft vor allem Windparks mit hoher Standortgüte, die gemäß EEG nur noch Anspruch auf die niedrigere Grundvergütung haben. Neuere Anlagen hätten dort einen deutlich höheren Stromertrag und wären auch bei niedriger Vergütung wirtschaftlicher.

Ist Repowering damit das Allheilmittel?

Nein. Es ist derzeit nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Optimierung des Betriebs­, Wartungs­ und Instandhaltungskonzepts kann zum Beispiel den wirtschaftlich günstigsten Zeitpunkt für ein Repowering weit nach hinten schieben. Auch ein PPA, also ein Vertrag zur Abnahme des Stroms zu einem bestimmten Betrag über einen festen Zeitraum, kann hier einen stabilen Rahmen für den Weiterbetrieb schaffen.

Schwierig für Betreiber älterer Windparks, da eine Entscheidung zu treffen.

Ja, die Betreiber älterer Windparks werden mit vielen Angeboten von Projektentwicklern, herstellerunabhängigen Instandhaltern und Direktvermarktern konfrontiert, die jeweils in einem Teilbereich zu optimieren helfen. Dabei lassen sie die Gesamtbetrachtung oft außer Acht. Damit kann das Optimum für den Betreiber oft nicht herausgeholt werden. So hat ein Direktvermarkter zum Beispiel ein attraktives PPA­Angebot, aber kein Interesse, ein zeitnahes Repowering in Erwägung zu ziehen, weil er hierfür gar kein Produkt anbieten kann.

Welche Vorteile bietet hier die EnBW?

Die EnBW bündelt alle notwendigen Dienstleistungen unter einem Dach. Diese kooperieren bei der Prüfung eines bestimmten Windparkprojekts: Wir sind zum einen Anbieter von Betriebs­ und Instandhaltungskonzepten, auch über unsere Tochtergesellschaft CWS. Wir sind darüber hinaus in der Direktvermarktung aktiv und bieten damit Lösungen zur Stromvermarktung an. Und mit der Projektentwicklung und dem Eigenbetrieb von Windparks können wir auch attraktive Angebote für Repowering oder den Kauf des Windparks machen.

Und ganz konkret bedeutet das ...?

Die EnBW versucht, Lösungen zu finden, die bei diesem vielschichtigen Thema jeweils das globale Optimum sind. Wir prüfen einen Windpark und bieten dann ein optimiertes Betriebs­, Instandhaltungs­ und Vermarktungskonzept für die restliche Betriebsdauer an. Der sich ergebenden Wirtschaftlichkeit stellen wir den Repowering­Wert des Standorts der Restlaufzeit gegenüber. Dann kann sich der Betreiber entscheiden, wie lange er seinen Windpark noch weiter betreiben möchte – oder ob und gegebenenfalls wann er ihn verkauft.

Das Interview führte Nicole Weinhold, Chefredakteurin ERNEUERBARE ENERGIEN.

 

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