„Methanisierung ist der Königsweg“

Jochen Twele, Prof.Dr.-Ing für Erneuerbare Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft

Interview mit Jochen Twele, Prof.Dr.-Ing für Erneuerbare Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin über die Zukunft und Weiterentwicklung von Speichersystemen.

Herr Twele, es gibt derzeit eine intensive Diskussion über Sinn und Nutzen von Speichern. Was wird in den nächsten ein bis zwei Jahren die wichtigste Entwicklung in diesem Bereich sein?

 Wir müssen bei den Speichern differenzieren, ob wir Systemstabilität erzeugen wollen oder ob wir einen Energiespeicher suchen, um Deckungslücken aus Wind und Sonne zu überbrücken. Bei letzterem ist aus meiner Sicht die Methanisierung der Königsweg. Zwar sind wir bei der Entwicklung noch relativ am Anfang. Aber wir können diese Technologie mit der Wärmeversorgung und der Mobilität verbinden.

Mein Plädoyer: Keine rein elektrischen Fahrzeuge, sondern zum Beispiel Plug-in-Erdgashybride.

Damit können wir bei den Fahrzeugen auch auf bestehende Technologie aufbauen und müssen nicht alles neu entwickeln. Mit einer solchen Systemlösung können wir die Verwerfungen um den Netzausbau oder um Abschaltungen in einem Handstreich erledigen.

 

Wie bekommt man die Kostenseite in den Griff?

 Wir rechnen mit einem Skaleneffekt: Bei größeren Stückzahlen und Mengen werden auch die Kosten sinken. Das setzt aber voraus, dass es auch eine entsprechende Anreizstruktur gibt, die Technologie in den Markt zu bringen. Da hat die Politik noch Handlungsbedarf. Im Moment dürfen Netzbetreiber eigentlich gar keine Netzspeicher betreiben. Das kann es nicht sein.

 

Welches Pilotprojekt zur Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff ist aus Ihrer Sicht derzeit am Weitesten und Spannendsten?

 Wenn man die Größenordnung betrachtet, dann ist sicherlich das Projekt von Audi in Emden mit 6 Megawatt zu nennen. Das Geschäftsmodell dieser Anlage zeigt allerdings zur Zeit in die falsche Richtung, denn Audi richtet den Betrieb nicht auf die Verwertung von Überschussstrom aus Erneuerbaren Quellen aus, sondern richtet sich nach dem Börsenpreis in Leipzig. Eine direkte Kopplung an die Erzeugungsstruktur von Erneuerbaren Energien ist so nicht gegeben, obwohl natürlich auch der Börsenpreis von Wind und Sonne mittelbar beeinflusst wird.

 Wo stehen wir in zehn Jahren?

 Ich denke, dann haben wir die Wandlung von Energie in Wasserstoff flächendeckend im Griff und somit eine Zwischenstufe erreicht. Die Methanisierung wird etwas länger dauern. Es ist auch noch nicht die Frage geklärt, wo das CO2 für die Methanisierung herkommt. Es aus der Luft zu nehmen ist aufwändig und energetisch ungünstig, aber standortunabhängig und mengenmäßig quasi unbegrenzt. Allein aus Biogasanlagen bekommen wir die benötigte Menge jedoch nicht zusammen, vor allem wenn der Biogasausbau auf 100 Megawatt gedeckelt wird.