Interview über aktuelle Entwicklungen der norddeutschen Windindustrie mit Andreas Wellbrock, Managing Director, WAB e.V.

 

Andreas Wellbrock (Jg. 1964) ist seit April 2016 Geschäftsführer des WAB e.V. Zuvor übernahm er seit 1999 verschiedene Führungsaufgaben bei der BLG LOGISTICS GROUP. Unter anderem baute er das neue Geschäftsfeld Logistik für die Offshore-Windenergie auf. Wellbrock war zudem Mitglied des Vorstandes und verantwortete den Geschäftsbereich Kontraktlogistik der BLG.

Vor knapp zwei Jahren trat das EEG 2017 in Kraft. Welche Folgen hatte die Gesetzesnovelle für die Windenergiebranche in Bremen und Bremerhaven?

Andreas Wellbrock: Nach den Ereignissen von Fukushima gab es eine große Betroffenheit in der Bevölkerung und Kanzlerin Merkel hat die Industrie dazu aufgefordert, die Energiewende zu ermöglichen. Wir haben geliefert. Leider sind ab 2013 die Ausbauziele durch die Regierung so stark reduziert worden, dass die aufgebauten Produktionskapazitäten nicht voll genutzt werden können.

Mit dem EEG 2017, das handwerklich schlecht gelungen ist, hat sich eine weitere Fehlentwicklung ergeben. Bürger-Windprojekte benötigten zur Teilnahme an den ersten drei Ausschreibungen keine Genehmigungen, sodass vielfach Projekte bezuschlagt wurden, die wahrscheinlich nie gebaut werden. Es bleibt festzuhalten, dass wir unsere Klimaschutzziele mit dem derzeitigen Ausbaupfad für Windenergie an Land und auf See niemals erreichen werden.

 

Die WAB hat sich seit 2002 von einem regionalen Netzwerk zu einer Interessenvertretung für die deutsche Offshore-Windenergiebranche entwickelt. Welche Rolle spielt die Offshore-Branche, um das Ziel der Bundesregierung von 65 Prozent Erneuerbare Energien am Stromverbrauch bis 2050 zu erreichen?

Die Offshore-Windenergie hat ihre Wirtschaftlichkeit und Grundlastfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie bildet, neben den anderen Erneuerbaren Energien, eine wesentliche Säule für die erfolgreiche Transformation unserer Energiewirtschaft in das Zeitalter der nachhaltigen Stromerzeugung.

Mit dem 2015 verabschiedeten Bremischen Energie- und Klimaschutzgesetz bekräftigt der Senat das Ziel, die CO2-Emissionen, die durch den Endenergieverbrauch im Land Bremen (ohne Stahlindustrie) verursacht werden, bis 2020 um 40 % zu senken.
Langfristig soll die Strom- und Wärmeversorgung zu 100 % auf Erneuerbaren Energien beruhen. Welche Rolle spielen Speicher und Sektorenkopplungsprojekte, um diese Ziele zu erreichen?

Speicher sind der zentrale Baustein für die Versorgungssicherheit. Die Sektorenkopplung, d.h. Elektrifizierung der Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie, ist für eine dekarbonisierte Gesellschaft dringend geboten. Der sogenannte „Grüne Wasserstoff“ wird zum zentralen Bindeglied und zum „Stoff der Zukunft“.

 

Windbranchentag Niedersachsen-Bremen am 23. Oktober

Diskutieren Sie unter anderem mit Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling über die Bedeutung der Windindustrie in der Hansestadt und erhalten Sie Einblicke in aktuelle Debatten und Herausforderungen der niedersächsischen Windbranche.

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