Interview mit Hermann Albers Zur Studie "Erneuerbare Gase"

 

Wir haben mit verschiedenen Stakeholder der Energiewirtschaft über die Implikationen der Studienergebnisse der Studie „Erneuerbare Gase – Ein Systemupdate der Energie.“ gesprochen.

Wie wird ein treibhausgasneutrales Energiesystem im Jahr 2050 aussehen? Mit dieser Frage hat sich die Studie „Erneuerbare Gase – Ein Systemupdate der Energie.“ im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie (BWE) und der Initiative Erdgasspeicher (INES) auseinandergesetzt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Nutzung von Erneuerbaren Gasen, gewonnen durch den Einsatz von Power-to-Gas Technologie, nicht nur zu volkswirtschaftlichen Effizienzgewinnen, sondern auch zu Flexibilisierungsvorteilen in der Einspeisung Erneuerbarer Energien führt. 

Herr Albers, welches Interesse hatte der BWE an der Erstellung der Studie?

Windenergie ist durch seine starke Prognosesicherheit, steigende Betriebsstunden und hohe Stromerträge der Leistungsträger der dekarbonisierten Energiewelt. Während der Anteil der Windenergie an der Gesamtstromproduktion steigt, wird von der Branche zu Recht erwartet, dass sie in den kommenden Jahren mehr Verantwortung für das Gesamtsystem übernimmt. Hierfür schaut sich der BWE nach vielversprechenden Partnern aus den verschiedenen Sektoren, wie Verkehr- und Wärme um. Klar ist aber in jedem Fall, dass die Bedeutung von Speichertechnologien zunehmen wird. 

Erneuerbare Gase helfen uns, die großen deutschen Gasspeicherkapazitäten einzusetzen und die Potenziale der Windenergie somit noch effizienter zu nutzen.

Es gibt eine Bandbreite an unterschiedlichen Flexibilisierungsoptionen – Wieso ist Erneuerbares Gas von besonderem Interesse für den BWE?

Damit die begrenzt planbare Erzeugung der Erneuerbaren Energien und der ebenfalls nur eingeschränkt vorhersagbarer Verbrauch in Abgleich gebracht werden können, brauchen wir räumliche (zwischen Zentren der Erzeugung und des Verbrauchs) und zeitliche (zwischen Sommer und Winter, zwischen verbrauchs- und erzeugungsstarken Zeiten) Flexibilität. Vor allem Langfristspeicher für Erneuerbare Energien werden zum Gelingen der Energiewende benötigt. Erneuerbare Gase helfen uns, die großen deutschen Gasspeicherkapazitäten einzusetzen und die Potenziale der Windenergie somit noch effizienter zu nutzen.

Kann die Nutzung der bestehenden Gasinfrastruktur den Ausbau der deutschen Übertragungsnetze ergänzen oder sogar ersetzen?

Wir brauchen in jedem Falle einen starken Netzausbau. Dabei gilt es, sämtliche Potenziale des Bestandsnetzes zu nutzen. Die Optimierung z.B. über eine Ausrüstung alter Leitungsverbindungen durch moderne Hochtemperaturleiterseile, die Implementierung neuer Monitoring- und Steuerungssysteme oder der Einsatz von lastflusssteuernden Querregeltransformatoren werden einen wichtigen Beitrag leisten, um die

Die Windbranche leistet bereits einen starken Beitrag zur Energiewende. Dieser Beitrag wird und muss nach allen berechneten Szenarien weiter wachsen.

Aufnahmefähigkeit der Netze zu verbessern. Gleichzeitig habe ich auf die zeitliche große zeitliche Flexibilität hingewiesen, die wir insbesondere zwischen Sommer und Winter überbrücken müssen. Hier hat die Gasinfrastruktur eine wichtige Aufgabe. 

Die Studie „Erneuerbare Gase - Ein Systemupdate der Energiewende“ kommt zu dem Schluss, dass ein vollständig dekarbonisiertes Energiesystem in Deutschland erreichbar ist. Was bedeuten die Studienergebnisse für die deutsche Windenergiebranche?

Zunächst ist die Studie ein ambitioniertes Projekt, immerhin haben wir uns zugetraut, 32 Jahre in die Zukunft zu blicken. Die politische Vereinbarung nach einer vollständigen Dekarbonisierung führt zu klar definierten Rahmenbedingungen die es erlaubt, Potenziale zu errechnen sowie Korridore für den Ausbau der Erneuerbaren Energien aufzuzeigen. Die Windbranche leistet bereits einen starken Beitrag zur Energiewende. Dieser Beitrag wird und muss nach allen berechneten Szenarien weiter wachsen. Neben Fotovoltaik werden Offshore und Wind an Land die Leistungsträger des zukünftigen Energiesystems sein und sektorenübergreifend nutzbar gemacht werden. Die anderen Erneuerbaren und Biogas werden flankierend gebraucht. In der Sektorenkopplung liegen große Wachstumspotenziale für die deutsche Wirtschaft. Auf dem Weg zu lukrativen neuen Geschäftsmodellen steht die Windenergiebranche als Kooperationspartner bereit.

Erfahren Sie mehr und diskutieren Sie mit Hermann Albers zu diesem Thema auf dem BWE-Themenforum. Er hält am 8. Mai um 14:35 Uhr das Zwiegespräch "Synergien aus Wind und Gas – Ein Zwiegespräch" mit Sebastian Bleschke.

BWE-Themenforum „Sektorenkopplung mit Gas – Ein Systemupdate der Energiewende?“

Zeit: Dienstag, 08.05.2018, 14:00-17:00 Uhr

Ort: Ludwig Erhard Haus, Fasanenstraße 85, 10623 Berlin -  Raum D

>> Anmeldung: Bitte schicken Sie eine formlose eMail an: Gregor Weber (g.weber@wind-energie.de)

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