"In den letzten drei bis vier Jahren waren 90 Prozent der Projekte Bürgerwindanlagen"

Interview mit Christoph Markl-Meider, Leiter Unternehmenskommunikation Ostwind, zum Konzept von Bürgerwindanlagen. Das Modell besteht dabei nicht nur aus der klassischen Form einer Bürgerwind GmbH & Co. KG, sondern funktioniert in den verschiedensten Ausprägungen, insbesondere auch der lokalen Energiegenossenschaft.

Herr Markl-Meider, mehr Windenergiewende in Süddeutschland bedeutet auch mehr Beteiligung von Kommunen. Wie wird sich das in den kommenden Jahren entwickeln?

Wir haben in den vergangenen Jahren schon miterlebt, dass die Kommunen für die Energiewende nicht nur in Süddeutschland eine zentrale Rolle spielen. Und mit dem neuen EEG gewinnen die Stadtwerke, kommunalen Unternehmen und regionalen Energieversorgungsunternehmen noch weiter an Bedeutung.

Welchen Vorteil versprechen sich die Kommunen davon?

Es wird für sie immer interessanter, sich an Projekten zu beteiligen und selber wieder zu Produzenten von Energie zu werden. Mit dem Strom aus Windkraftanlagen nimmt man Geld ein, das man dann in andere Aufgabenbereiche investieren kann, zum Beispiel in örtliche Schwimmbäder oder Freizeitanlagen. Dazu passt auch, dass viele Kommunen in Erwägung ziehen, die Netze wieder selbst zu betreiben und Konzessionsverträge nicht weiter zu verlängern. Gerade also, wenn es um eine möglichst klimafreundliche, dezentrale und rekommunalisierte Versorgungsstruktur geht, sehen wir in den kommunalen Stadtwerken mit ihren regionalen Verteilnetzen die natürlichen Partner der erneuerbaren Energien.

Was bedeutet das für die OSTWIND-Gruppe?

In den letzten drei bis vier Jahren waren 90 Prozent der von uns verwirklichten Projekte Bürgerwindanlagen. Und zwar nicht nur in der klassischen Form einer Bürgerwind GmbH & Co. KG, sondern in den verschiedensten Ausprägungen, insbesondere auch der lokalen Energiegenossenschaft.

Als Projektentwicklerin müssen wir Modelle entwickeln, die auf die Wünsche, Ansprüche und Möglichkeiten unserer Kundinnen und Kunden vor Ort zugeschnitten sind.

Und im regionalen Raum sind die Möglichkeiten der kommunalen und interkommunalen Kooperation sehr vielfältig.

Gibt es für Sie einen Königsweg, Kommunen und Bürger einzubinden?

Nein, es gibt keinen Königsweg, denn jedes Projekt hat seine eigenen Anforderungen und Spezifika. Grundsätzlich sind aber bei allen Fragen der Akzeptanz die Gemeinden und deren Gremien sehr früh ins Boot zu holen. Der erste Weg führt deshalb zur Bürgermeisterin oder zum Bürgermeister. Meist findet man sehr schnell heraus, welche Befindlichkeiten und Wünsche vor Ort bestehen. Beeindruckend ist, dass viele Kommunen selbst eine Vision davon haben, wie die Energieversorgung der Zukunft in ihrer Region ausschauen soll. Darauf stellen wir uns gerne ein.

Wie finden Sie Weißflächen, also mögliche Standorte?

Normalerweise sondieren wir die Flächen aufgrund unseres langjährigen Know-hows selbst. Es gibt aber auch Kommunen oder Stadtwerke, die mit eigenen Standorten auf uns zukommen und neue Windprojekte gemeinsam mit uns realisieren wollen. Sie verschaffen der  Windenergie mit Hilfe bauleitplanerischer Instrumente substanziellen Raum und leisten damit ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende.

Stichwort Länderöffnungsklausel: Die zehnfache Anlagenhöhe als Mindestabstand einer  Windenergieanlage zur nächsten Wohnsiedlung kann bei großen Anlagen zwei Kilometer bedeuten. Was heißt das für Ihre Planung in Bayern?

Wenn wir hier zwei Kilometer Abstand ansetzen, dann bleiben nur noch 0,05 Prozent der Landesfläche überhaupt beplanbar.

Das ist zu wenig, um nicht zu sagen fast nichts. Wir setzen jedoch darauf, dass es durchaus engagierte und  ernsthaft an der Energiewende interessierte bayerische Gemeinden gibt, die den verbliebenen Handlungsspielraum nutzen werden. Denen bieten wir unsere Kooperation an – vor allem mit Blick auf den erforderlichen Bebauungsplan und einen breiten öffentlichen Dialog. 

Sie haben jetzt Ihr erstes Projekt in Tschechien verwirklicht. Ist das auch eine Reaktion auf einen schwieriger werdenden deutschen Markt?

Nein, das ist keine unmittelbare Reaktion auf den deutschen Markt. Wir sind ja schon länger in Deutschland, in Frankreich und eben auch in Tschechien tätig. Immer mehr Vorgaben für die Realisierung von Erneuerbare-Energien-Projekten wie neuen Windparks kommen ja aus Brüssel. Und da geht es prinzipiell in Richtung Markt und Ausschreibungen. Wenn das also EU-weit zum Tragen kommt, ist es richtig, sich auch europäisch aufzustellen.

Wie viel Megawatt werden Sie dort aufstellen?

Für konkrete Zahlen wäre es zu früh. Aber wir sehen uns in der neuen Allianz unter dem Dach der Max Bögl OSTWIND GmbH (MBO) sehr gut aufgestellt, um die Nutzung der Windenergie in unserem Nachbarland entscheidend voranzubringen. Unsere Projektpipeline ist jedenfalls gut gefüllt. Bemerkenswert auch, dass die Windenergie im Wald dort bei den privaten Flächenbesitzern/innen immer mehr zum Thema wird. Hier können wir unsere Kompetenz ganz unmittelbar einbringen. Tschechien ist aus energiepolitischen Gründen zwar ein nicht ganz einfacher Markt, in dem die Windenergie aber ein nicht zu unterschätzendendes Potenzial hat.