Energiekontor: „Übernahmen sind derzeit kein Thema für uns“

Stefan Eckhoff, zuständig für Investor Relations bei Energiekontor

2017 startet das Ausschreibungsverfahren für die Windenergie. Stefan Eckhoff, zuständig für Investor Relations bei Energiekontor, über den neuen Wettbewerb, Finanzinvestoren und die Wachstumsaussichten seines Unternehmens.

Herr Eckhoff, was verändert sich für Sie mit der Umstellung auf das Ausschreibungsmodell?

Der Wettbewerb wird sich insgesamt verschärfen und vom Wettbewerb um Flächen hin zum Wettbewerb um Preise verschieben. Da wir uns mit verschiedenen Effizienzmaßnahmen seit Langem auf diese Änderungen vorbereiten, fühlen wir uns dafür sehr gut aufgestellt. Wir kennen das Ausschreibungsmodell von unserem Kernmarkt in Portugal und haben auch in der Solarenergie bereits Erfahrungen mit dem Ausschreibungsmodell gemacht und dort zwei Projekte erfolgreich durch die ersten Ausschreibungsrunden gebracht.

Der Wettbewerb wird sich insgesamt verschärfen und vom Wettbewerb um Flächen hin zum Wettbewerb um Preise verschieben.

Sie sagen, der Wettbewerb um Preise wird zunehmen. Wird der Wettbewerb um die Flächen denn nachlassen?

Nein, der bleibt bestehen. Aber der Fokus liegt jetzt mehr auf den Preisen. Bisher konnten wir nach der BImSchG-Genehmigung das Projekt auch sicher umsetzen. Jetzt brauchen wir zwar noch immer die Genehmigung für die Fläche, müssen mit dem Projekt aber auch so gut bieten, dass wir in der Ausschreibung den Zuschlag bekommen. Die Vorhersehbarkeit von Projekten ist nicht mehr so klar wie zuvor.

Die Vorhersehbarkeit von Projekten ist nicht mehr so klar wie zuvor.

Planen Sie, Geschäftsmodelle für kleinere Projektierer oder Bürgerwindparks zu entwickeln, um deren Risiken im Ausschreibungsverfahren teilweise zu übernehmen?

Wir schließen Kooperationen mit kleineren Entwicklern nicht aus. Hier könnten sich zukünftig Synergieeffekte ergeben. Das gleiche gilt auch für Bürgerwindparks.

Für wen planen und bauen Sie Ihre Windparks?  

Die Windparks, die wir entwickeln, behalten wir entweder im eigenen Bestand oder verkaufen sie an Investoren. Die Nachfrage verschiebt sich dabei tendenziell von den strategischen Investoren – etwa den Stadtwerken, die sich im Energiemarkt auskennen – hin zu Finanzinvestoren, die wegen der niedrigen Zinsen nach geeigneten Investitionsmöglichkeiten suchen. Wir haben derzeit einen klaren Verkäufermarkt.

Bekommen Sie verstärkt Angebote von kleineren Planern, die ihre Projekte zur Übernahme anbieten?

Ich denke, dass wir mit dem Ausschreibungsmodell in eine Konsolidierungsphase kommen. Die Bereitschaft zu Kooperationen nimmt zu und vielleicht wird es auch Übernahmen von kleinen Projektierern durch Mittelständler oder große Energieversorger geben.

Mit etwa 180 Mitarbeitern gehören Sie zu den größeren Mittelständlern. Planen Sie Übernahmen?

Nein, Übernahmen sind derzeit kein Thema für uns. Das liegt an unserer Unternehmensstrategie. Wir sind bisher organisch gewachsen und das ist auch weiterhin unser Ziel. Unser Wachstum generieren wir allein durch die Überschüsse, die wir im Unternehmen erzeugen: Also mit dem Verkauf von Strom unserer eigenen Windparks und aus der Marge der verkauften Projekte. Unser Unternehmen wächst damit vielleicht nicht so schnell. Aber wir wachsen nachhaltig und sehr sicher. Übernahmen bergen immer das Risiko, dass sich die verschiedenen Kulturen nicht integrieren lassen und dass verschiedene Arbeitsprozesse nicht aufeinander abstimmbar sind.

Übernahmen sind derzeit kein Thema für uns. Das liegt an unserer Unternehmensstrategie. Wir sind bisher organisch gewachsen und das ist auch weiterhin unser Ziel.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In den nächsten vier bis fünf Jahren wollen wir unser Ergebnis verdoppeln. Unsere Mitarbeiterzahl wird aber nicht zwangsläufig im gleichen Maße zunehmen, weil wir effizienter werden und auch größere Projekte umsetzen wollen. Wenn wir zum Beispiel statt einem 10-Megawatt-Projekt ein großes 20-Megawatt-Projekt in Schottland realisieren, können wir den doppelten Umsatz auch mit derselben Anzahl von Mitarbeitern machen.

Wie viele Projekte haben Sie derzeit im Genehmigungsverfahren und wie viele wollen Sie bis zum Ende des Jahres genehmigt haben?

Wir haben derzeit Projekte mit einer Gesamtleistung von etwa 150 Megawatt im Genehmigungsverfahren. Wie andere Entwickler auch, versuchen wir so viele wie möglich bis zum Ende des Jahres genehmigt zu bekommen. Wir haben aber auch für die Folgejahre gut gefüllte Pipelines sowohl in Deutschland als auch im Ausland.

Werden Sie sich an der ersten Ausschreibungsrunde beteiligen?

Energiekontor beabsichtigt, sich an allen Ausschreibungsrunden zu beteiligen.

Mit wie vielen Projekten?

Das kann ich genau noch nicht sagen. Es werden sicherlich jeweils einige zehn Megawatt sein.