Die Märkte Lateinamerikas – Ein Interview mit Maria Kim Shin

 

Maria Kim Shin arbeitet als Consultant bei Kim & Rojas Legal Business Latin America Consulting. Sie ist Autorin und Co-Autorin verschiedener Veröffentlichungen und war Mitgründerin und bis 2015 Partnerin der erfolgreichsten Anwaltsboutique Boliviens. In den letzten Jahren hat sie an Wind- und Solarenergie in Argentinien, Brasilien, Chile und Spanien mitgewirkt.

Auf der BWE-Konferenz "Windenergie in Auslandsmärkten", die am 4. und 5. Dezember in Berlin stattfindet, referiert sie über Perspektiven der Windenergie in Lateinamerika.

Die Märkte Lateinamerikas gelten hier vielfach als Zukunftsmärkte. Welche Märkte sind aus Ihrer Sicht für deutsche Unternehmen besonders attraktiv?

Die Länder Lateinamerikas, die deutsche Unternehmen für die Entwicklung von Windenergieanlagen im Blick haben, sind Brasilien, Chile, Uruguay, Mexiko, Costa Rica und Argentinien, wobei es keine Reihenfolge dieser Länder gibt. Zusätzlich könnten auch Peru, Kolumbien und Panama für deutsche Investoren interessant werden, da dort Windenergie sowohl off-shore als auch on-shore in den nächsten Jahren sicherlich an Bedeutung gewinnen wird.

Was macht diese Märkte für deutsche Unternehmen interessant und wo liegen die möglichen Eintrittsbarrieren?

Insgesamt zeigt Lateinamerika ein stabiles Wirtschaftswachstum, eine zunehmende Entwicklung der Städte und einen steigenden Lebensstandard. Das führt zu einer steigenden Nachfrage nach Energie. Viele Länder haben in den letzten Jahren politische Prozesse in Gang gesetzt, die Ziele für den Einsatz erneuerbarer Energien setzen, steuerliche Anreize für Investitionen in diesem Bereich schaffen, Einspeisevergütungen garantieren und Subventionen gewähren. Das zentrale Hindernis für deutsche Unternehmen, in den Markt einzutreten, ist der scharfe Wettbewerb chinesischer Unternehmen, die bereits in Lateinamerika aktiv sind. Zusätzlich schreiben manche Länder wie beispielsweise Brasilien vor, dass ein bestimmter Anteil der Komponenten der Anlagen von inländischen Unternehmen stammen muss. Das könnte deutsche Unternehmen davon abhalten, sich an Projekten zu beteiligen. 

Attraktive Staaten wie Argentinien und Brasilien sind politisch oder wirtschaftlich derzeit instabil. Welchen Umgang mit solchen Risiken raten Sie an diesen Märkten interessierten Unternehmen? 

Politische und wirtschaftliche Instabilität waren immer schon ein Teil der Risiken, mit denen sich Investoren auseinandersetzen mussten, wenn sie in den lateinamerikanischen Markt eintreten wollten. Ungeachtet dessen kann ein Investor von den Vereinbarungen über gemeinsame Märkte wie Mercosur und der Communidad Andina de Naciones (CAN) – der Gemeinschaft der Andenstaaten – profitieren und dadurch von einzelnen Ländern ausgehende Risiken mindern. Zudem können Versicherungen manche der Risiken abfedern. Außerdem ist es, abhängig von der Dienstleistung oder dem Produkt, immer sinnvoll, mit einem örtlichen Partner zusammenzuarbeiten, der die wirtschaftliche und politische Lage einschätzen und vor Ort Lösungen finden kann, um negative Effekte abzumildern.

 

Konferenz Windenergie in Auslandsmärkten

Während in Deutschland die Zubauzahlen für die Windenergie rückläufig sind, entwickeln sich die internationalen Märkte in schnellem Tempo.

Nutzen Sie die Konferenz, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo ihre Produkte und Dienstleistungen gefragt sein könnten, wie Sie auf Auslandsmärkten Fuß fassen und wie Sie die regulatorischen und politischen Herausforderungen bewältigen.

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