„Der Wald ist ein Wirtschaftsraum“

Der Windpark " Meihringer Höhe"

Interview mit Jörg Ecker, Fachbereichsleiter Forsthoheit im Landesbetrieb Forst Brandenburg, zur Nutzung von Waldflächen für die Windenergie. Mehr als 200 Anlagen befinden sich derzeit im Genehmigungsverfahren. Jörg Ecker erläutert, warum und unter welchen Voraussetzungen die Forstbehörde Wind im Wald befür­wortet.

Unter welchen Bedingungen ist aus ihrer Sicht Wind im Wald zu begrüßen?

Jörg Ecker: Aus Sicht der Forstbehörde ist es wichtig, dass vor der Errichtung einer Windanlage alle gesellschaftlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinan­der abgewogen werden. In Brandenburg wurden in einem umfangreichen Ab­stimmungsprozess Windeignungsgebiete ausgewiesen, zu denen auch Waldgebiete zählen.

Es handelt sich hierbei um Wälder, die keine hohe ökologische Bedeutung haben – in der Regel monostrukturierte junge Kiefernbestände.

In vielen anderen Gebieten hingegen schließen wir als Forstbehörde die Nutzung für Windenergie aus, zum Beispiel in Erholungs-, Klimaschutz- und Lärmschutz­wäldern sowie Wäldern mit besonders hoher ökologischer Bedeutung.

Wind im Wald stößt in der Bevölkerung auf besonders großen Widerstand. Warum ist das so?

Das ist relativ leicht verständlich. Waldflächen werden als besonders naturnah wahrgenommen und tatsächlich gibt es im Wald ja auch eine hohe Anzahl geschützter Tiere und Pflanzen. Oft wird das Bild vom unberührten Wald aber auch überzogen stilisiert. So beobachten wir, dass gerade die Nutzung des Waldes durch die Holz- und Forstwirtschaft stark unterschätzt wird. Der Wald ist ja bereits ein vom Menschen gestalteter Wirtschaftsraum. Jedes Jahr werden aus Brandenburger Wäldern zwischen drei und fünf Millionen Kubikmeter Holz gewonnen, und viele tausend Menschen beziehen von den Waldprodukten ihr Einkommen.

Ist die wirtschaftliche nutzung des Waldes ein Argument, das skeptiker überzeugen kann?

Wer von vornherein gegen die wirtschaftliche Nutzung des Waldes eingestellt ist oder dort nur Holzwirtschaft billigt, wird sich davon allein wohl nicht umstimmen lassen. Das wichtigste Argument aus unserer Sicht aber ist:

Man kann nicht auf der einen Seite Atomkraftwerke stilllegen wollen und gleichzeitig darauf bestehen, dass der Wald so bleibt, wie er ist.

In Brandenburg hat die Regierung mit der Energiestrategie 2030 beschlossen, die Windenergie von 4.500 MW auf 10.500 MW Leistung auszubauen. Das heißt, wir benötigen nach heutigem Stand der Technik noch etwa 2.000 Anlagen. Da ist es unausweichlich, auch Waldgebiete in Anspruch zu nehmen. Umfragen zeigen aber auch, dass jüngere Menschen Windenergieanlagen weniger störend für das Landschaftsbild empfinden als ältere.

Welche Rolle spielt die Beteiligung der Bürger, um mehr Akzeptanz zu erreichen?

In der Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg sind die Themen Partizipation und Transparenz stärker in den Vordergrund gerückt. Wir sehen auch, dass in den Verfahren, bei denen die Bürger direkt partizipieren, die Akzeptanz tatsächlich größer ist. Man kann also durchaus sagen: Wer direkt profitiert, sieht die Windenergie mit anderen Augen.

Besonders wichtig aus unserer Sicht ist, dass für die Errichtung von Windenergieanlagen tatsächlich die im gesellschaft­lichen Abstimmungsprozess ausgewiesenen Windeignungsgebiete genutzt werden. Werden – wie leider auch bereits geschehen – Anlagen außerhalb dieser Gebiete aufgestellt, richtet das einen enormen Schaden an und schwächt die Akzeptanz in der Bevölkerung massiv.

Wer in Brandenburg eine Windkraftanlage im Wald errichtet, muss zudem Ausgleichsflächen schaffen. Kann auch das die Windkraftgegner besänftigen?

Der Waldflächenverlust ist tatsächlich ein wichtiges Argument der Bürgerinitiativen gegen die Windkraft im Wald. Das wird jedoch häufig undifferenziert betrachtet. Denn die Waldflächen in Deutschland und Europa haben in den vergangenen Jahren nicht ab-, sondern zugenommen – europaweit um Millionen Hektar, selbst wenn man Russland ausnimmt. Dennoch werden alle Waldflächen, die für Windkraftanlagen in Anspruch genommen werden, vollständig kompensiert und an anderer Stelle in der gleichen Größenordnung wieder aufgeforstet.

Um gleich ein weiteres Gegenargument vorwegzunehmen: Natürlich haben größere Bäume auch eine größere ökologische Wirkung. Aber Maßnahmen wie das Einbringen von Laubholz in monostrukturierte Kiefernwälder werten den vorhandenen Wald zusätzlich ökologisch auf.

Interviewpartner:

Jörg Ecker (Jg. 1964) leitet den Fachbereich Forsthoheit im Landesbetrieb Forst Brandenburg, der die forstlichen Belange der Raumordnung und Landesplanung koordiniert. Der studierte Forstwissenschaftler arbeitete u. a. als Referent in der obersten Forstbehörde und in der Naturschutzabteilung des Umwelt­ministeriums in Brandenburg. Bis 2010 war er Referent für Agrar und Umwelt in der Landesvertretung Brandenburgs bei der EU.