Daniel Hölder im Interview zu Weiterbetrieb

Daniel Hölder, Leiter Energiepolitik und Kommunikation bei der Clean Energy Sourcing AG

Im Jahr 2020 endet für rund 6.000 Windenergieanlagen die finanzielle Förderung durch das EEG. Daniel Hölder, Leiter Energiepolitik und Kommunikation bei der Clean Energy Sourcing AG, erklärt im Interview die Herausforderung, Bestandsanalgen nach Ende der EEG-Vergütung wirtschaftlich erfolgreich weiterzubetreiben.

Warum fallen im Jahr 2020  tausende Anlagen aus der EEG Vergütung?

Hölder: Mit Ablauf des Kalenderjahres 2020 endet die 20-jährige Vergütungsdauer für alle EE-Anlagen, die im Jahr 2000 oder früher in Betrieb gegangen sind. Hintergrund ist, dass allen Anlagen, die bereits vor Einführung des EEG im April 2000 am Netz waren, das fiktive Inbetriebnahmejahr 2000 zugeteilt wurde. Seitdem wurde ein Teil der Anlagen bereits durch Neuere ersetzt, so dass anzunehmen ist, dass Ende 2020 etwa 6.000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 4.500 MW aus der Vergütung fallen werden. Bis 2026 betrifft das dann jährlich schätzungsweise 1.600 Anlagen mit einer Leistung von 2.500 MW.

Es ist anzunehmen, dass Ende 2020 etwa 6.000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 4.500 MW aus der Vergütung fallen werden.

Welche Auswirkungen auf die Entwicklung der Erneuerbaren Energien sind zu erwarten, wenn derartig viele Windenergieanlagen aus der EEG Vergütung fallen?


Hölder: Die grundlegende Frage wird sein, inwiefern ein Weiterbetrieb nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung noch wirtschaftlich interessant sein wird. Sollte dies nicht der Fall sein, würde die entsprechende Menge EE-Strom schlicht „verloren“ gehen. Verstärkt würde dieser Verlust durch den engen Ausbaukorridor für Neuanlagen, der nach heutiger Rechtslage ab 2020 eine jährliche Ausschreibungsmenge von 2.900 MW vorsieht – völlig unabhängig vom Rückbau. Dies würde bedeuten, dass ab 2020 real kein Zubau von Windenergieleistung mehr stattfinden würde!

Bei einem aktuellen Großhandelspreis von rund drei Cent je Kilowattstunde ist ein rentabler Weiterbetrieb vieler Anlagen kritisch.

Welche Möglichkeiten gibt es derzeit, Windenergieanlagen ohne EEG Förderung wirtschaftlich erfolgreich weiterzubetreiben?


Hölder: Bei einem aktuellen Großhandelspreis von rund drei Cent je Kilowattstunde ist ein rentabler Weiterbetrieb vieler Anlagen kritisch, da ja laufende Kosten für Wartung, Pacht sowie für neue Gutachten und Genehmigungen nach Ablauf der Förderzeit anfallen. Und wie hoch der Großhandelspreis im Jahr 2020 und darüber hinaus sein wird, weiß heute niemand!
Derzeit existieren nur bedingt Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit einer Anlage außerhalb der EEG-Vergütung zu steigern. Allein dadurch, dass es sich um Grünstrom handelt, lässt sich kaum ein nennenswerter Mehrerlös generieren. Das verdeutlicht ein Blick auf den Preis für Herkunftsnachweise von deutlich unter 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Und dass künftig mehr Kunden als heute bereit wären für deutschen Ökostrom freiwillig mehr Geld zu bezahlen, ist nicht nur angesichts einer steigenden EEG-Umlage eher unwahrscheinlich. Die Option „Eigenversorgungskonzepte“, bei denen Netzentgelte und teilweise die EEG-Umlage eingespart werden können, spielt für Windenergieanlagen kaum eine Rolle, da diese fast immer auf eine Netzdurchleitung angewiesen sind.

Haben Sie einen Vorschlag oder eine Idee, wie alternative Vermarktungsmöglichkeiten künftig aussehen könnten?

Aus meiner Sicht sollten wir möglichst stark auf den Markt setzen. Also auf ehrliche CO2-Preise und eine Reform der Abgaben und Umlagen.


Hölder: Für die künftige Vermarktung sind verschiedene Möglichkeiten denkbar. Aus meiner Sicht sollten wir möglichst stark auf den Markt setzen. Also auf ehrliche CO2-Preise und eine Reform der Abgaben und Umlagen. Diese Stellschrauben werden entscheidend sein, um Marktbedingungen zu schaffen, die einen Weiterbetrieb von Windanlagen erlauben. Die genauen Rahmenbedingungen sollten nach der Bundestagswahl zügig gesetzt werden, damit die Betreiber frühzeitig wissen, auf welcher Basis sie kalkulieren können.