Blick nach Asien und Afrika - Joachim Richter von Project Finance über internationale Chancen

 
Was macht Ihr Unternehmen und welche Leistungen bieten Sie deutschen Planern?

Joachim Richter: Project Finance ist ein Beratungsunternehmen, das primär deutsche Unternehmen – seien es Lieferanten, Consulting-Firmen oder Generalunternehmer – mit Ratschlägen und Coaching-Programmen auf ihrem Weg hinaus in hochkomplexe internationale Risikomärkte begleitet. Gemeinsam werden Strategien erarbeitet, um Märkte außerhalb Europas zu erschließen. Wir sind ein klassisches Beratungsunternehmen. Wir wissen, wie Projekte finanziert werden, und das geben wir zusätzlich zu den Internationalisierungsstrategien an Unternehmen weiter. Wir zeigen, wie Projekte finanziert werden können und wie das Risikomanagement zur Zahlungssicherung von Dienstleistungen oder Lieferungen im Unternehmen aufgebaut werden muss. Unsere Kunden sind Planer, die für Finanziers, Anlagenbauer oder Investoren Projekte entwickeln und vorbereiten. Sei es, dass sie Umwelt- oder Ertragsgutachten, Vogel- oder Schallschutzgutachten erstellen. Weiterhin sind unsere Mandanten Lieferanten, die für einen möglichen Generalunternehmer deutsche Spezialtechnologie liefern. Sie müssen wissen, wie man sich in den internationalen Märkten bewegt, was da an Exportstrategie, Zahlungssicherungsstrategie und Exportmanagement auf sie zukommt. Zudem haben wir im Kundenportfolio Generalunternehmen, die komplette Windparks bauen.

Welche Länder hat Ihre Firma im Visier?

Wir sind auf Schwellen- und Entwicklungsländer spezialisiert. Wir sprechen nicht über OECD-Länder oder über die EU, sondern beispielsweise den gesamten nordafrikanischen Bogen. Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Jordanien, das ist ein großes Feld für uns – und dort bieten sich erhebliche Chancen für die deutsche Industrie. Des Weiteren ist Südosteuropa ein Thema, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina. Auch dort werden eine Menge Windparks gebaut – finanziert von den internationalen Entwicklungsbanken. Und dann natürlich der gesamte Bereich Asien.

Würden Sie also deutschen Unternehmen empfehlen, in den nordafrikanischen Markt einzutreten?

Unbedingt. Aus zwei Gründen: Erstens wegen der relativen Nähe zum Heimatmarkt. Dadurch sind keine gewaltigen logistischen Herausforderungen zu bewältigen. Ein Vertriebsmitarbeiter ist beispielsweise in gut drei Stunden in Tunis. Zweitens gibt es das klare Bekenntnis dieser Länder und ihrer Regierungen, einen Großteil ihrer künftigen Energieversorgung auf erneuerbare Energien auszurichten – wie eben auf Windenergie. Die internationalen Finanziers pumpen immense Summen in diese Länder, um dort die Erneuerbaren zu finanzieren und zu fördern. Und es ist natürlich die Aufgabe der EU, diese Länder zu stabilisieren. Nur mit stabiler Infrastruktur und Stromversorgung kann ich Arbeitsplätze schaffen oder erhalten und damit die politische Struktur stabilisieren.

Ganz attraktive Märkte befinden sich in Asien. Entlang der Küstenlinie Vietnams werden viele hochprofitable Projekte entstehen. Das Land hat eine attraktive Einspeisevergütung.

Inwiefern lohnen sich Windparks in nord­afrikanischen Ländern aus Betreibersicht?

Die meisten Länder haben inzwischen eine Einspeisevergütung.

 
Wo sehen Sie die größten Hürden?

Wenn ich Algerien, Marokko oder Tunesien nehme, muss ich Französisch sprechende Ingenieure im Unternehmen beschäftigen. Französischsprachige Mitarbeiter müssen Projekte vor Ort umsetzen und mit den Kunden reden können. Ansonsten sind es die politischen Umstände, die anders sind als in der EU. Dort herrschen völlig andere Rahmenbedingungen. Ohne kompetenten lokalen Partner geht es nicht. Ich brauche einen lokalen Partner. 

Wo finde ich den?

Primär mithilfe eigener Kontakte oder der Außenhandelskammer. Dafür ist diese prädestiniert. Deswegen gibt es ja auch im Rahmen der Exportinitiative Energie vom Bundeswirtschaftsministerium eine Vielzahl von Delegationsreisen in diese Märkte, um dort erste Kontakte zu knüpfen.

Wann muss man darüber nachdenken, dort Produktionsstätten aufzubauen?

Zu Anfang noch nicht. Zunächst muss man eine Servicestation aufmachen. Aber die Ware kommt problemlos dorthin.

Wie ist es mit dem Local Content?

Den gibt es in eigentlich jedem Land und das ist ja auch richtig. Nur mit Import schaffe ich keine Arbeitsplätze. Dann habe ich zwar eine Stromversorgungsinsel aufgebaut, aber ich muss natürlich auch immer als Landesregierung das Ziel verfolgen, dass im Land eigenes Know-how aufgebaut wird. So kann ich Arbeitsplätze etablieren und die Armut bekämpfen. In vielen Ländern gibt es schon Produktionsstätten.

Welche wichtigen Tipps haben Sie für die Finanzierung von Projekten in Schwellen- und Entwicklungsländern?

Die Entwicklungsbank KfW zum Beispiel finanziert in einer Vielzahl attraktiver Märkte Windenergieprojekte. Damit habe ich eine gesicherte Finanzierung. Wenn supranationale Entwicklungsbanken oder unsere deutsche KfW ein Projekt für die staatliche Stromversorgung finanzieren, dann ist die Finanzierung gesichert. Das ist ein unschätzbarer Wert.

Zu den Themenfeldern Exportstrategien Entwicklungsländer und Entwicklungsbanken als Projektpartner haben wir vor Kurzem ein Fachbuch veröffentlicht, das über den Verlag TÜV Media sowohl als E-Book als auch in Druckversion zu beziehen ist.

Zusätzlich kann ich auf unser deutsches Exportförderungsinstrumentarium zurückgreifen. Sprich: Finanzkreditdeckung von Euler Hermes. Die Bundes­deckung ist Voraussetzung, dass eine langfristige Exportfinanzierung für solch ein Projekt realisierbar ist. Der Kredit wird von der deutschen Hausbank entweder direkt an den Endkunden vergeben oder als Bank-zu-Bank-Kredit. Das hängt von der Bonitätsprüfung ab. Dieser langfristige Exportkredit wird über das deutsche Exportkreditabsicherungsinstrument Euler Hermes gesichert und ermöglicht.

Haben Sie jetzt viele Anfragen, weil der deutsche Markt so schwierig geworden ist?

Ja, das schon. Wir sind aber auch vor allem für das Bundeswirtschaftsminis­terium tätig – im Rahmen der Exportinitiative Energie. Damit sind wir gut ausgelastet. Aber natürlich freuen wir uns über interessante Anfragen und Mandate.

Das Interview führt Nicole Weinhold, Chefredakteurin ERNEUERBARE ENERGIEN.

 

Konferenz Windenergie in Auslandsmärkten

Während in Deutschland die Zubauzahlen für die Windenergie rückläufig sind, entwickeln sich die internationalen Märkte in schnellem Tempo.

Nutzen Sie die Konferenz, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo ihre Produkte und Dienstleistungen gefragt sein könnten, wie Sie auf Auslandsmärkten Fuß fassen und wie Sie die regulatorischen und politischen Herausforderungen bewältigen.

>> Programm & Anmeldung