Der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung war in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte: Zwischen 2001 und 2025 stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von rund 7 auf 57 Prozent. Der weitere Weg hin zur politischen Zielvorgabe von mindestens 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 und langfristig zur vollständigen Dekarbonisierung des Stromsektors wird jedoch deutlich anspruchsvoller. Neben dem notwendigen Netzausbau braucht es zusätzliche Flexibilitäten und Speicher, um die schwankende Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik sicher und effizient ins Stromsystem integrieren zu können. Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit der Markt für Batteriespeicher. Nach Heimspeichern zur PV-Eigenverbrauchsoptimierung treiben technologischer Fortschritt und sinkende Systempreise mittlerweile auch den Ausbau von Großbatteriespeichern voran. Anschlussanfragen im Umfang von mehreren hundert Gigawatt bei deutschen Netzbetreibern verdeutlichen diese Entwicklung.

Netzanschlüsse werden zum Engpass für Batteriespeicherprojekte

Mit dem Boom von Großbatteriespeichern rückt jedoch zunehmend die Frage in den Vordergrund, wo diese Speicher überhaupt noch ans Netz angeschlossen werden können. In vielen Regionen sind freie Netzanschlusskapazitäten knapp geworden bzw. dauern Genehmigungs- und Anschlussprozesse für Greenfield-Standorte oft mehrere Jahre. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Mehrfachnutzung bestehender Netzanschlüsse an Bedeutung. Besonders interessant sind dabei bestehende Einspeisepunkte von Wind- und Solarparks. Während sich bei neu errichteten PV-Freiflächenanlagen Co-Location-Konzepte mit Batteriespeichern aufgrund des starken Verfalls der PV-Marktwerte inzwischen nahezu zum Standard entwickeln, wird die Kombination aus Windpark und Batteriespeicher bislang noch vergleichsweise selten umgesetzt. Dabei sprechen die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend dafür.

Windpark und Graustrom-Batteriespeicher: Eine unterschätzte Kombination

Die Stromerzeugung aus Windenergie und der marktgetriebene Einsatz eines Batteriespeichers mit der Möglichkeit zum Netzbezug ergänzen sich in vielen Fällen überraschend gut. Die höchsten Erlöspotenziale von Graustrom-Batteriespeichern entstehen typischerweise in Phasen hoher kurzfristiger Preisvolatilität – insbesondere im Sommerhalbjahr mit hoher PV-Erzeugung. Genau in dieser Zeit liegt die Stromerzeugung vieler Windparks jedoch häufig unter dem Jahresmittel. An bestehenden Netzanschlüssen stehen daher oft freie Kapazitäten zur Verfügung, die für den Betrieb eines Batteriespeichers genutzt werden können, wie das Beispiel eines Bürgerwindparks mit 50 MW Anlagen- und Netzanschlussleistung zeigt.

Für den Windpark wurde exemplarisch die Kombination mit einem marktoptimierten Batteriespeicher mit einer nutzbaren Speicherdauer von zwei Stunden und einer Leistung von 50 Prozent der bestehenden Netzanschlussleistung untersucht. Der Einsatz des Batteriespeichers wurde dabei auf Basis einer stündlichen Optimierung am Day-Ahead-Spotmarkt simuliert. Vorgaben des Netzbetreibers, etwa in Bezug auf Rampen oder zeitliche Beschränkungen des Netzbezugs, wurden vereinfachend nicht berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz der gemeinsamen Nutzung des Netzanschlusses nur in vergleichsweise wenigen Stunden zu Einschränkungen beim Ausspeichern des Batteriespeichers kommt. Im betrachteten Beispiel konnten lediglich rund 1 Prozent der spotpreisoptimalen Entlademengen aufgrund der gleichzeitigen prioritären Windstromeinspeisung nicht realisiert werden.

Gegenüber der reinen Windstromeinspeisung kann ein zusätzlich integrierter Graustrom-Batteriespeicher die Auslastung des bestehenden Netzanschlusses damit deutlich erhöhen. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Energiebilanz des beispielhaft betrachteten Windparks. Zum Vergleich sind neben der reinen Windstromeinspeisung auch die Ergebnisse für einen Grünstrom- sowie einen Graustrom-Batteriespeicher dargestellt. Die Energiebilanz ist dabei jeweils auf die Stromerzeugung des Windparks (= 100 Prozent) bezogen.

Während sich die Netzauslastung bei einem reinen Grünstromspeicher aufgrund der Speicherverluste sogar leicht reduziert, kann ein Graustrom-Batteriespeicher durch das zusätzliche Laden aus dem Netz die Nutzung des bestehenden Netzanschlusses deutlich steigern. Im betrachteten Beispiel erhöht sich die Auslastung des Netzanschlusspunkts insgesamt um rund ein Drittel.

Herausforderung und Chance durch Redispatch

Gerade in netzengpassbelasteten Regionen kann ein Graustrom-Batteriespeicher an einem Windpark-Netzanschluss jedoch nicht nur die Auslastung der Netzinfrastruktur erhöhen, sondern auch positive Effekte im Zusammenhang mit Redispatch-Maßnahmen haben. Batteriespeicher können im Redispatch-Fall Windstrom aufnehmen und dadurch die abgeregelten Strommengen reduzieren. Während sich die netzentlastende Wirkung eines Grünstromspeichers auf die unmittelbar am selben Umspannwerk angeschlossenen Windparks beschränkt, können Graustromspeicher zur Reduktion von Netzengpässen in einem deutlich größeren Netzgebiet beitragen. Gleichzeitig können netzbedingte Einschränkungen jedoch auch den marktbasierten Einsatz des Batteriespeichers beeinflussen. Die hier durchgeführten Simulationen zeigen allerdings, dass die negativen Auswirkungen auf die Vermarktungserlöse eines Graustromspeichers durch Redispatch-Maßnahmen insgesamt meist begrenzt bleiben.

Vom Bürgerwindpark zum Bürgerenergiepark

Gerade für Bürgerwindparks kann die Kombination mit einem Batteriespeicher neue Perspektiven eröffnen. Viele Projekte verfügen bereits über leistungsfähige Netzanschlüsse und eine hohe regionale Akzeptanz. Batteriespeicher ermöglichen es, diese bestehende Infrastruktur deutlich effizienter zu nutzen und zusätzliche Erlösquellen zu erschließen. Dabei sind unterschiedliche Modelle denkbar: vom Teilen des Netzanschlusses mit einem externen Speicherbetreiber bis hin zum eigenen Betrieb eines Batteriespeichers durch die Bürgerenergiegesellschaft selbst.

Aber auch mit den neuen Möglichkeiten für Energy Sharing und Energiegemeinschaften entstehen neue Perspektiven. Durch die Kombination eines Bürgerwindparks mit Batteriespeichern kann der Anteil regional erzeugten und regional genutzten Stroms erhöht werden.

Für Bürgerwindparks eröffnet sich damit die Möglichkeit, sich vom reinen Stromerzeuger hin zu einem integrierten Bürgerenergiepark weiterzuentwickeln und ihre Rolle in einem zunehmend flexibilisierten Stromsystem zu stärken.

Dieser Beitrag erschien im BetreiberBrief 3-2026. Jetzt registrieren und künftig alle aktuellen Ausgaben per Mail erhalten!

Sven Heinks, Leitung Projektentwicklung (BESS) Telis Energie Deutschland, ist Elektrotechnikingenieur mit über 15 Jahren Erfahrung in der Energiewende. Er ist spezialisiert auf
Mittel- und Hochspannungsnetzanschlüsse, Batteriespeicher und Windenergie – von der Planung bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme.

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