Windenergie global - Rekordwachstum in Europa stabilisiert Weltmarkt

 

Hohe Werte in den USA und China, Rekordinstallationen in Europa. 2017 wurden weltweit fast so viele Windkraftanlagen errichtet wie im Vorjahr.

In Europa wuchs die Windenergie so stark wie nie zuvor und löste damit Steinkohle als drittwichtigste Stromquelle ab. Die durchschnittlichen Kosten von Windstrom sinken rasch und sind jetzt fast auf dem Niveau der fossilen Energien. 

Nach Angaben des Global Windenergy Council (GWEC) wurden im vergangenen Jahr weltweit Windräder an Land und auf See mit rund 52.500 MW Gesamtleistung neu installiert. Das waren etwa 2000 MW weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als im Rekordjahr 2015 mit knapp 64.000 MW. 2015 war allerdings durch einen ungewöhnlich hohen Zubau in China (knapp 33.000 MW) begünstigt, der auch für China ein einmaliger positiver Ausreißer geblieben ist. Das Installationsvolumen in der Volksrepublik betrug 2017 gute 19.500 MW. Die USA bewegen sich mit 7.017 MW leicht unter dem Niveau der Vorjahre. Beide Länder zeichnet damit eine hohe Konstanz bei den Installationen aus, dies ist nach den Turbulenzen in der Vergangenheit ein wichtiges Signal.

Quelle: Ahnen&Enkel auf Basis von WWEA 2018

Dass der Weltmarkt 2017 nur leicht nachgab, dafür zeichneten Europa – hier insbesondere Deutschland und Großbritannien –, Indien sowie der Offshore-Sektor verantwortlich. Sie alle wuchsen 2017 so stark wie noch nie. In Europa erreichte die Windenergie einen Anteil an der Stromerzeugung von 11,2 Prozent und überholte so Steinkohle als drittgrößte Erzeugungsform, wie die Stiftung Agora Energiewende ermittelt hat. Die Erneuerbaren insgesamt sind demnach erstmals wichtigste Stromquelle, noch vor Kohle. Beinahe alle 2017 neu installierten Kraftwerke in Europa nutzen regenerative Energiequellen, gut die Hälfte der Neuanlagen sind Windräder, dann folgen Solaranlagen. Bei sämtlichen fossilen Energien außer Gaskraftwerken ist der Saldo aus Zu- und Abbau dagegen negativ.

 

Quelle: WWEA 2018; GWEC 2018; Make Consult 2018 laut Siemens Gamesa; Darstellung: Ahnen&Enkel 

EU-Ziele 2020 treiben Installationen

Das Rekordjahr in Deutschland und die deutlichen Zuwächse in anderen europäischen Staaten sind laut World Wind Energy Association (WWEA) allerdings auch auf Vorzieheffekte zurückzuführen. Die Regierungen der Länder stellen auf Druck der EU ihre Fördersysteme von festen Einspeisetarifen auf Ausschreibungen um. Das führt regelmäßig zu einem hohen Ausbau unter den noch vertrauten, sicheren Bedingungen der festen Einspeisetarife. Zudem ist zu beachten, dass einige Staaten, gerade in Ost- und Südeuropa, den Anschluss verlieren. Schlusslicht bei den Neuinstallationen war 2017 Spanien mit gerade einmal 96 MW. Das soll sich laut EWEA aber zeitnah ändern: 2017 wurden in Spanien „finale Investitionsentscheidungen“ für Windparks in Höhe von 1 Milliarde Euro getroffen, was rund 1.200 MW Windkraft an Land entspricht.

Die Erneuerbaren Energien und insbesondere die Windenergie an Land sind dank deutlicher Kostensenkungen preislich meist wettbewerbsfähig gegenüber Neuanlagen mit fossilen Brennstoffen. Im weltweiten, gewichteten Durchschnitt kostet eine Kilowattstunde Strom aus Onshore-Windenergie heute rund 5 Euro-Cent (6 US-Cent), hat die Agentur IRENA anhand von Daten aus tausenden Kraftwerksprojekten ermittelt. An guten Standorten sind auch deutlich bessere Werte möglich. Onshore-Wind ist damit die kostengünstigste Ökostromform nach Wasserkraft (5 US-Cent) und vor Bioenergie und Geothermie (jeweils 7 US-Cent). Aktuelle Auktionsergebnisse zeigen laut Irena, dass Onshore-Windstrom 2020 im Schnitt für 3 US-Cent zu haben sein wird. Strom aus fossilen Energien kostet schon heute durchschnittlich 5 US-Cent – Tendenz steigend. Dabei sind externe Kosten wie Schäden durch CO2-Emissionen noch nicht eingepreist.

Für 2018 rechnet GWEC mit einem deutlich höheren weltweiten Zubau von rund 61.000 MW. Bis 2021 soll das jährliche Installationsvolumen auf 75.000 MW steigen. Die von großen Herstellern wie Siemens Gamesa zitierten Zahlen von Make Consult sind etwas bescheidener: Die Experten aus Dänemark rechnen für 2020 mit 62.000 MW.

Diesen und weitere Fachartikel zur Entwicklung der Windbranche können Sie im aktuellen Branchenreport des BWE nachlesen. 

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