Die über 200 GW an Netzanschlussanfragen allein bei den Übertragungsnetzbetreibern demonstrieren, dass das Interesse an Batteriespeichern (BESS) hoch ist.1 Aufgrund von Netzrestriktionen, aber auch wegen der schwieriger werdenden Realisierbarkeit für neue Windparks und insbesondere PV-Parks durch strengere Stundenregeln und sinkende Marktwerte, rücken hybride Parks, v. a. Anlagenkombinationen von Wind oder PV mit BESS nun in den Fokus. Ziel dieses Beitrags ist es, eine Einschätzung zu den erzielbaren Erlösen solcher Anlagenkombinationen vorzunehmen und eine Antwort auf die Titelfrage zu erarbeiten.

Innovationsausschreibung

Historische Erfahrungen mit Anlagenkombinationen bestehen dabei fast ausschließlich für die Kombination aus PV+BESS, dank der Förderung durch die Innovationsausschreibungsverordnung (InnAusV). Diese war (und ist) aufgrund der Zuschlagssätze in den Stand-Alone-Auktionen sowie den Ausschreibungsbedingungen bis heute attraktiver für PV + BESS als für Wind+BESS. Für BESS ist laut InnAusV eine 2h Speicherkapazität über 20 Jahre vorgeschrieben und ein Verhältnis PV : BESS von mindestens 3:1. Laden aus dem Netz ist nur für Eigenverbrauch erlaubt, nicht für Handel.

Erlösströme in der Innovationsausschreibung

Im realen Betrieb sind zusätzlich zum Verkauf der PV-Strommengen (z. B. vergütet zum Marktwert PV) und der Marktprämie fünf wesentliche Erlösströme relevant:

  1. Optimierung des BESS bei der stündlichen bzw. zukünftig viertelstündlichen Day-Ahead-Auktion
  2. Optimierung bei Intradayauktionen und v. a. kontinuierlichem Intradayhandel
  3. Vorhaltung von positiver Sekundärregeleistung (aFRR)
  4. Abruferlöse in der aFRR
  5. „Gerettete“ Marktprämien und Marktwerte durch Verschiebung von förderfähigem PV-Strom aus Zeiten negativer Preise, in denen die Förderung sonst bei 0 gelegen hätte.

Indirekt ergibt sich ein weiterer Erlösstrom für den Speicher, da die Zuschlagssätze in der Innovationsausschreibung zwischen zwei und vier ct/kWh oberhalb des Zuschlagssatzes der Standalone PV-Ausschreibungen2 liegen. Auch ein weiterer Erlösstrom ist denkbar: Anstelle einer Redispatch-Abregelung wird Strom in den Speicher geladen, sofern dieser einen höheren Wert hat als der Marktwert oder der Mischpreis, mit welchem der Netzbetreiber den Vermarkter bei Redispatch entschädigt. Schließlich können noch Betriebskosten eingespart werden, wenn der Eigenbedarf der Anlage über den Speicher und nicht über das Netz gedeckt wird. Letzteres führt allerdings zu geringeren Erlösen in den übrigen Märkten.

Realisierte Erlöse in der Innovationsausschreibung mit PV+BESS

Nachfolgend werden die tatsächlich im Betrieb erwirtschafteten Erlöse einer Innovationsanlage dargestellt. Im ersten Halbjahr 2025 konnten dabei mit den Erlösströmen 1 – 4 annualisierte Erlöse von rund 108.000 €/MW/a erzielt werden, wobei gut 50 % auf die Regelenergie entfallen. Die Aufteilung auf die einzelnen Erlösströme zeigt Abbildung 1. Dort ist auch Erlösstrom 5 abgebildet, der die Erlöse um geschätzt rund 13.600 €/MW/a anhebt. Ursächlich für die guten Erlöse sind sehr hohe Preise in der Regelenergie, viele Stunden mit negativen Preisen, hohe Preise in den Abendstunden und eine ordentliche Anlagenverfügbarkeit von ca. 95 %. Der Beitrag der einzelnen Erlösströme sowie die absolute Höhe schwankt dabei stark von Monat zu Monat. Gründe dafür sind v. a. die saisonal schwankende PV-Erzeugung, Marktpreisentwicklungen sowie die in den letzten drei Jahren niedrigere Volatilität in den Wintermonaten. So zeigt eine erste Auswertung z. B. auch schon einen deutlich schwächeren Juli im Vergleich zu den Vormonaten aufgrund schlechterer Anlagenverfügbarkeit und geringen Spreads in der Regelenergie. Für noch bessere Erlöse entscheidend ist eine hohe Verfügbarkeit von möglichst 97 %, einschließlich hoher Fahrplantreue, sowie eine schnelle Präqualifizierung für die Regelenergie. Gemeinsam mit der geretteten Marktprämie und der Differenz zu den Zuschlagssätzen von Standalone-PV summieren sich die realisierten Erlöse auf 170.000 bis 190.000 €/MW/a, je nach Referenzwert.

Erlöse von Co-located Hybridparks

Angesichts des steigenden Wettbewerbs in der InnoA mit sinkenden Zuschlagssätzen von noch knapp über 6 ct/MWh sowie den Einschränkungen beim Netzanschluss bieten Co-located Hybrids eine spannende Alternative. Dies gilt umso mehr, sofern diese an bestehende Infrastruktur angeschlossen werden können und vom Netzbetreiber auch eine möglichst wenig beschränkte Bezugszusage erhalten. Relevant ist dabei die relative Anlagendimensionierung. Vergleichbar mit einer Innovationsanlage ist z. B. ein Verhältnis von 3:3:1, d. h. eine 3 MW Erzeugungsanlage an einem 3 MW Netzanschlusspunkt, an dem auch ein 1 MW BESS angeschlossen ist.

In diesem Fall errechnet das Backtesting für eine 3:3:1 Anlagendimensionierung mit 2h BESS und max. 2 Zyklen/Tag bei 90 % Wirkungsgrad (Roundtrip-Efficiency, RTE) Gesamterlöse aus den oben genannten Erlösströmen1-4 von ca. 189.000 – 194.000 €/MW im Jahr 2024, nach Abschlägen für Besicherung und Ausfälle. Diese Erlösgrößenordnung stellt sich dabei sowohl für PV + BESS, als auch für Wind + BESS ein. Sie entspricht Mindererlösen von ca. 4 – 6 % gegenüber einem reinen Standalone-BESS. Knapp 60 % der Erlöse werden auf den verschiedenen Spotmärkten erlöst, 40 % in der Regelenergie, wobei hier durch Abrufe eine zusätzliche, schwerlich realistisch zu simulierende Erlöschance besteht. Wichtig ist, dass in diesem Szenario die EE-Anlage Einspeisevorrang hat und somit durch das BESS nicht eingeschränkt ist. Anders als reine Grünstromspeicher ohne Netzbezug können Co-located Hybride bzw. Hybride mit Netzbezug („Fully Hybrids“) nicht steuerbare Solarspitzen aufnehmen und damit in diesen Zeiten netzdienlich agieren. Zusätzliches Potenzial verspricht auch die Abgrenzungsoption des § 19 Abs. 3b EEG, zu welcher in Kürze genauere Festlegungen konsultiert werden.3

Reine Grünstromspeicher in Kombination mit Windparks

Für reine Grünstromspeicher, also gemeinsam mit einer Erzeugungsanlage optimierte BESS, die nur aus dieser und nicht aus dem Netz laden dürfen, ist die Erlöspönale deutlich größer, wie an den Ergebnissen der InnoA recht gut für PV zu sehen ist. Grünstromspeicher stellen für viele Projektentwickler aktuell fast die einzige Option dar, um überhaupt mit den Projekten voranzukommen. Es bedarf hier einer genauen Abschätzung und einer Beurteilung der Unsicherheiten. Das Backtesting mit Durchschnittswerten oder Vergleichsprofilen verdeckt, dass hinter den realisierbaren Erlösen eine Vielzahl weiterer Faktoren steckt, wie der Zeitpunkt von Anlagenausfällen sowie die Wetterbedingungen am Standort und im Vergleich zum Markt. Diese Wetterbedingungen führen, v. a. bei Windparks, zu großen Unterschieden beim Mehrwert des Speichers. In Backtestings schwanken die Grünstromspeichererlöse je nach Wind-Profil von ca. 60.000 €/MW/a bis zu 110.000 €/MW/a. Dazu kommen bei förderfähigen Anlagen Erlöse von 3 – 9 % durch die „Rettung“ von Marktprämien sowie positive Risikoerwägungen.

Zurück zur Titelfrage

Die Kombination PV + BESS kann also auf einen deutlich größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen, war in der Förderung im Vorteil und hat aufgrund der stark fallenden Marktwerte („Capture Rates“) auch einen höheren „Need“. Nichtsdestotrotz gibt es hybride Wind + BESS – Konstellationen, bei denen durch das BESS sogar höhere Mehrerlöse erzielt werden könnten als durch das BESS in einem PV + BESS-Park. Dies gilt sowohl für Co-located Hybride als auch Voll-Hybride, ob mit oder ohne (=Grünstromspeicher) Netzbezug. Diese Erlöse reichen aus, um 2h und zukünftig auch 4h Speicher hybridisiert mit erneuerbaren Erzeugungsanlagen wirtschaftlich zu realisieren.

  • PV magazine (2025) https://www.pv-magazine.de/2025/01/13/uebertragungsnetzbetreibern-liegen-zum-jahreswechsel-650-anschlussanfragen-fuer-grosse-batteriespeicher-mit-226-gigawatt-vor/
  • Die Ergebnisse werden auf den Seiten der BNetzA veröffentlicht: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/start.html
  • https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/ErneuerbareEnergien/EEG_Aufsicht/MiSpeL/start.html

Dieser Beitrag ist aus dem BWE-BetreiberBrief 3-2025. Jetzt unter betreiberbrief.de registrieren und künftig alle aktuellen Ausgaben kostenfrei per Mail erhalten!


Passend zum Thema:

Schnelle Erteilung der Baugenehmigung als Schlüssel für den BESS-Projekterfolg
Die BESS-Projektentwicklung sieht sich zunehmend mit Engpässen bei Netzanschlüssen konfrontiert. Die Bundesregierung hat nun die langersehnte Außenbereichsprivilegierung für Batteriespeicher ...
Von energiewirtschaftlichen bis planungs- und genehmigungsrechtliche Anforderungen - Wir machen Sie fit für die Projektierung von Batteriegroßspeichern!
Berlin
Sie wünschen sich eine thematische Einführung zu BESS? Erleben Sie die wichtigsten Basics in Kürze vor Ort in Berlin – Marktüberblick, Geschäftsmodelle, Regularien und Co. – oder nehmen Sie ...