Wer eine Windenergieanlage betrachtet, sieht Turm, Gondel und Rotor. Was im Inneren die Rotorblätter verstellt, die Gondel in den Wind dreht und Schwingungen im Triebstrang registriert, bleibt verborgen. Sehr oft stammt diese Technik aus Feldkirch in Vorarlberg. Dort gründete Gerhard Bachmann 1970 ein Unternehmen, das zunächst analoge Steuer- und Regelgeräte baute. Heute beschäftigt Bachmann electronic mehr als 575 Menschen und erwirtschaftet 114 Millionen Euro Umsatz. Neben Industrie und Schifffahrt ist die Energiebranche das wichtigste Standbein – allen voran die Windenergie: Die Steuerungen arbeiten nach Unternehmensangaben in über 160.000 Anlagen, womit sich Bachmann als Weltmarktführer für Automatisierungssysteme in diesem Segment sieht.
Von der Turbine bis zur Flotte
Das Angebot setzt auf mehreren Ebenen an. Turbinenhersteller nutzen Hard- und Software für die Anlagensteuerung, Betreiber setzen auf Parkregelung, Fernüberwachung und Condition Monitoring. Zwei spezialisierte Töchter ergänzen das Portfolio: Bachmann Monitoring im thüringischen Rudolstadt kümmert sich um Zustands- und Strukturüberwachung, Bachmann Visutec im österreichischen Eisenstadt um Visualisierung und SCADA. Weil die Elektronik in der Gondel Frost, Hitze und Vibrationen standhalten muss, wird laut Hersteller jedes Modul vollständig geprüft und einem 48-stündigen Dauertest unterzogen.
Mit welcher Haltung das Unternehmen nach Hamburg reist, macht Gabriel Schwanzer deutlich, Vertriebs- und Marketingleiter sowie Director Business Unit Wind Energy. Die Messe solle „ein klares Zeichen für die Wichtigkeit der Windenergie und generell der erneuerbaren Energien in Europa sein“ – gerade mit Blick auf lokale Wertschöpfung. Als zentrale Branchenthemen nennt er den Offshore-Ausbau, Retrofit und Repowering sowie „die intelligente Systemintegration, um Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten“.
- 09.09.2026Alles zur WindEnergy Hamburg 2026 auf einen Blick: Jetzt zum Branchenticker anmelden und während der Messewoche relevante Informationen zur Messe täglich als ...
Messe-Highlight: ein System für alle Daten
Genau hier setzt die wichtigste Neuheit an. Viele Betreiber arbeiten heute mit einem Flickenteppich: ein System für SCADA-Daten, ein zweites für die Triebstrangüberwachung, weitere für Rotorblätter sowie Turm und Fundament – oft von verschiedenen Anbietern. Das neue Cross Integrated Monitoring soll diese Insellösungen ablösen. Eine Station in der Gondel liest die Betriebsdaten herstellerunabhängig über OPC UA aus der Anlagensteuerung aus; auf derselben Hardware laufen bei Bedarf Schwingungs-, Netz-, Blatt- und Strukturmessungen. Weil alle Messwerte synchrone Zeitstempel tragen, lassen sich Lastsituationen direkt mit Materialbeanspruchungen abgleichen. Ausgewertet wird zentral in forsiteSCADA – auf Wunsch über ganze Portfolios hinweg und mit KI-gestützter Anomalieerkennung.
„Sie vereint Betriebs-, Zustands-, Struktur- und Netzdaten in einer zentralen Umgebung und ermöglicht so Lebensdauerbewertungen und damit fundierte Investitionsentscheidungen“, sagt Schwanzer. Den größten Nutzen verspricht das System, wenn es ab der Inbetriebnahme mitläuft: Dann liegt beim Weiterbetriebsgutachten, beim Verkauf eines Parks oder vor einem Repowering eine lückenlose Datenhistorie vor. Weniger externe Zugänge verkleinern zudem die Angriffsfläche für Cyberattacken. Die Kosten beziffert Bachmann auf einen Promillebetrag der Anlageninvestition, eine Nachrüstung im Bestand ist möglich.
Die Auswertung läuft über forsiteSCADA. Das System basiert auf der Web-SCADA-Plattform atvise der Tochter Bachmann Visutec und ist auf den Energiesektor zugeschnitten: Kennwerte der einzelnen Erzeuger, Energieflüsse, Statistiken und Kartenansichten sind bereits vorbereitet – neben Windenergieanlagen auch für Photovoltaik, Batteriespeicher und BHKW. „Kunden wollen keine komplizierten Bedienkonzepte, sondern intuitive, konfigurierbare Oberflächen“, sagt Janine Buchwald-Nolte, Produktmanagerin für Windenergie. Anwender wählen deshalb aus einer wachsenden Widget-Bibliothek oder gestalten eigene Ansichten. Angeboten wird forsiteSCADA in vier Stufen von light bis premium, die größte Ausbaustufe ist für Portfolios mit mehreren hundert Windenergieanlagen gedacht.
„Sie können Dashboards ohne Programmieraufwand schnell anlegen, bedienen und anpassen“, erklärt Daniel Lomosits aus dem SCADA-Produktmanagement. Hinzu komme ein praktischer Vorteil im Feld: „Die Online- und Offlinefähigkeit ist gerade in abgelegenen Windparks enorm hilfreich.“
Netzregelung für Hybridparks
Zweiter Schwerpunkt ist der Smart Power Plant Controller (SPPC). Der EZA-Regler setzt die Vorgaben von Netzbetreibern und Direktvermarktern im Park um – auch wenn Wind, Photovoltaik, Batteriespeicher und BHKW gemeinsam einspeisen. Version 2.10 ist zusätzlich nach VDE-AR-N 4130 für die Höchstspannungsebene zertifiziert. Neu ist ein automatisierter Testmodus: Schon bei der Inbetriebnahme lässt sich per definiertem Signal prüfen, wie der Regler reagiert und einschwingt, Parameter können direkt nachjustiert werden. Erweitert wurden zudem die Funktionen für die statische und dynamische Blindleistungskompensation.
Wer ist Bachmann electronic?
Bachmann electronic ist Hersteller für Automatisierungssysteme in der Windenergie. Die Lösungen sind darauf ausgelegt, den härtesten Bedingungen standzuhalten und sowohl Investitionsausgaben als auch operative Ausgaben auf ein Minimum zu reduzieren.
Messestand auf der WindEnergy Hamburg 2026: Stand A4 | 219
Vorträge:
- 23. September, 10:45 Uhr, Speakers Corner Offshore-Stage (Halle B5): Jens Kühne über standardisierte SHM-Systeme im Asset- und Flottenmanagement
- 25. September, 10:30 Uhr, Energy Transition Stage (Halle B6): Janine Buchwald-Nolte zum SPPC in Hybridparks
Zweites Leben für ältere Anlagen
Für den Bestand bringt Bachmann ein modulares Retrofit-Programm mit, das Anlagen „mit minimalen Stillstandzeiten länger am Netz“ halten soll, so Schwanzer. Vorgefertigte Komponenten sollen den Umbau auf wenige Tage begrenzen. Das Angebot reicht vom Fernzugriffssystem VeAccess für Vestas V80 und V90 über SCADA-Nachrüstungen für GE-Turbinen bis zu Lösungen für Mitsubishi- und Clipper-Anlagen. Auf besonderes Interesse dürfte das Angebot für Senvion-Betreiber stoßen, die nach der Insolvenz des Herstellers teils keinen vollen Zugriff mehr auf ihre Steuerung haben: Eine eigene Benutzerverwaltung öffnet den Zugang bis Service-Level 1.20, ohne in sicherheitskritische Funktionen einzugreifen – die Typzertifizierung bleibt erhalten.
Ergänzend zeigt das Unternehmen ein gestuftes Condition-Monitoring-Programm. Den Einstieg bildet das kompakte, inzwischen in Serie gefertigte CMScore, das vorhandene Sensorik weiternutzt und sich laut Bachmann in ein bis drei Jahren amortisiert. Für die Weiterbetriebsprüfung nach 20 Jahren setzt LiTEplus auf Dehnungsmessungen am Turmfuß statt auf konservative Rechenannahmen. So sollen sich Lebensdauerreserven erschließen lassen, die klassische Gutachten ungenutzt lassen.
Neue Steuerungsgeneration
Auch bei der Kerntechnologie legt Bachmann nach: mit der dritten Generation der kompakten MX200-Prozessormodule und acht neuen CPUs für die M100-Plattform, auf der erstmals ein echtzeitfähiges Linux zum Einsatz kommt. Security ist ab Werk eingebaut, unter anderem mit TPM-2.0-Chip und abgesichertem Systemstart – eine Antwort auf die wachsenden Anforderungen wie den Cyber Resilience Act.
Die WindEnergy Hamburg 2026 findet vom 22. bis 25. September statt. Auf der internationalen Messe treffen sich Fachbesuchende, Entscheider*innen und Nachwuchskräfte, um sich zu vernetzen und die neuesten Lösungen für die On‑ und Offshore‑Windenergie zu präsentieren.
Mehr Informationen zur Messe finden Sie hier: www.windenergyhamburg.de
Den Bundesverband Windenergie (BWE) finden Sie in Halle A1 | 308.
Aktuelles zur WindEnergy Hamburg 2026:
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