Schwimmende Plattformen vor dem Markteintritt

Dan Tysk Offshore Windpark, Foto: paul-langrock.de

Die Kosten der Offshore-Windkraft sind Ende des Jahres 2016 in verschiedenen Ausschreibungen überraschend stark gesunken. Gleichzeitig stehen schwimmende Gründungen kurz vor dem Markteintritt. Das macht Offshore-Wind weltweit noch attraktiver.

Europa ist weiter der mit Abstand größte Markt für Offshore-Windenergie. 1558 Megawatt (MW) Windkraftleistung wurden 2016 neu installiert. Gut die Hälfte davon in Deutschland (818 MW), 691 MW in den Niederlanden und 56 MW in Großbritannien. Damit speisten in Europa zum Ende des Jahres 2016 3589 Offshore-Windräder mit einer Leistung von 12.631 MW Strom in die Netze ein (siehe Grafik). Für weitere elf Projekte wurden laut Wind Europe, dem europäischen Windenergie-Verband, Investitionsbeschlüsse im Wert von 18,2 Milliarden Euro gefasst.

Positive Signale gab es aus den USA. Mitte Dezember ging der 30 MW Windpark Block Island vor der Küste zwischen Boston und New York in Betrieb. Im selben Monat haben die Behörden einen weiteren Windpark in der Region mit einer Kapazität von 90 MW bewilligt. Als Baubeginn ist 2019 angegeben. Aus Sicht des Entwicklers „Deepwater Wind“ haben die für die Windkraft ausgewiesenen Seegebiete ein Potenzial von mehr als 1000 MW installierter Leistung. Gerade europäische Unternehmen planen in US-Gewässern: Statoil (Norwegen) und Dong (Dänemark) projektieren jeweils rund 1000 MW vor der Ostküste. Die Finanzierung für diese Windparks sei – unabhängig von der neuen Trump-Regierung - durch „Tax Credits“ mittelfristig gesichert.

Hinter den selbst gesteckten Zielen zurück bleibt China. Zwar gingen Offshore in China 592 MW ans Netz; das Ziel der dortigen Regierung von 5000 MW bis Ende 2016 wurde mit gut 1600 MW jedoch klar verfehlt. Regierungsmitglieder stellten zuletzt auch das Ziel von 20000 MW Ende 2020 infrage: Es sei nicht „verpflichtend“. Laut chinesischen Fachleuten liegt die Zahl der konkret geplanten Offshore-Installationen unter 200 MW.

Für die europäischen Hersteller, Planer und Investoren ist China aber ohnehin ein weitgehend geschlossener Markt – onshore wie offshore. "Wir engagieren uns in Asien stark in Taiwan, schauen uns aber auch weitere Märkte, wie beispielsweise Japan an", erklärt beispielsweise der Sprecher der deutschen WPD in Bremen, die Onshore- wie offshore weltweit tätig sind. In Taiwan sind erste Offshore-Windparks konkret geplant.

In Japan wird vor allem eine neuen Gründungstechnik großes Potenzial eingeräumt. Aufgrund der großen Wassertiefen unmittelbar vor der Küstenlinie kommen hier oft nur schwimmende Plattformen in Betracht. Der japanische Hersteller Hitachi testet eine 5 MW Anlage vor der Küste des havarierten Atomkraftwerks Fukushima; Mitsubishi testet dort eine schwimmende 7 MW Anlage. In Europa beschäftigen sich verschiedene Hersteller bereits mit der Markteinführung: Statoil hat angekündigt, 2018 einen ersten 30 MW Windpark aus fünf 6 MW Anlagen vor der schottischen Küste zu installieren. Nach einer langen Entwicklungszeit scheinen schwimmende Plattformen Offshore damit vor dem Markteintritt zu stehen.

Neben technischen Fragen wird aber vor allem der Preis darüber entscheiden, ob die Anlagen letztlich eingesetzt werden können. Gerade da hat die lange Zeit als zu teuer kritisierte Offshore-Windkraft 2016 und Anfang 2017 die Branchenbeobachter in Erstaunen versetzt: In verschiedenen Auktionen in den Niederlanden und Dänemark gewannen Anbieter mit garantierten Stromgestehungskosten von 5 bis 6 Cent je Kilowattstunde (C/kWh). Andere Ausschreibungen blieben deutlich unter 8 Cent. Auch für die kommenden Ausschreibungen in Deutschland werden Preise erwartet, die deutlich unter den bisher geltenden Einspeisevergütungen (gerechnet auf 20 Jahre) von 10 bis 12 C/kWh liegen.

Damit könnte die Offshore Windkraft auch unter finanziellen Gesichtspunkten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Die Jahresauswertung 2016 (siehe Grafik) zeigt, dass etwa in Deutschland die Produktionsstunden einer Windkraftanlage auf See 2,2 mal so hoch ist wie die einer durchschnittlichen Anlage an Land. Die geringere Fluktuation der Einspeisung von Offshore-Windstrom erleichtert ihre Einbindung in Stromnetze.

Autor: Marcus Franken, Ahnen & Enkel

Offshore wächst konstant