Projektplanung von Windparks

Erster Spatenstich für den Windpark Braunersgrün.

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Windenergie­projekten in Betrieb genommen, eine vermutlich mindes­tens ebenso große Anzahl an Projekten ist in Planung und wird in absehbarer Zeit umgesetzt. Damit einher geht die zunehmende Professionalisierung im Bereich der Windpark­planung.

Die Windparkplanung läuft aktuell in vielen Bereichen nicht nur strukturierter ab als noch vor wenigen Jahren, sie hat auch spürbar an inhaltlicher Komplexität zugenom­men. Dies bezieht sich auf technische Fragestellungen ebenso wie auf die zivilrechtliche Sicherung, die Finanzierung und die Anforderungen an den späteren Windparkbetrieb. Folgende Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart nehmen unmittel­baren Einfluss auf die heutige Windparkplanung:

  • Der politische Wille zum Ausbau der Windenergie ist mit der Energiewende deutlich angewachsen. Vielerorts werden Landesplanungsgesetze angepasst, Windenergie-Leitfäden entwickelt sowie Regional- und Flächennutzungspläne für die Windener­gie fortgeschrieben.
  • Die bisherigen Höhenbeschränkungen sind weggefallen, damit ist eine wirtschaft­lich sinnvolle Nutzung der Windenergie nun auch im Binnenland möglich.
  • Aktuelle WEA-Typen ermöglichen eine dezidiert effizientere Standortnutzung und Windernte, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Lokale Widerstände sind zwar immer noch vorhanden, dennoch nimmt die Akzep­tanz in der lokalen Politik und der Gesellschaft insgesamt tendenziell weiter zu.
  • Durch die Erschließung von häufig bewaldeten, topografisch komplexen Mittel­gebirgsregionen sind die Anforderungen an das Micrositing mit dem Ziel einer eingriffsminimierenden Planung, aber auch die logistischen  Herausforderungen deutlich gestiegen.
  • Die Planung in für die Windenergie noch wenig erschlossenen Bundesländern erfor­dert häufig weit umfassendere Planungs- und Untersuchungsumfänge für Land­schafts-, Natur- und Artenschutz, insbesondere in den Mittelgebirgsregionen.
  • Neu erschlossene Standorte mit komplexer Orografie stellen neue Herausforde­rungen bezüglich der Ermittlung der Windressource. Oft ist die Durchführung von Windmessungen unumgänglich. Der Aufwand für Genehmigungen ist erheblich gestiegen und damit auch die Aus­wirkung potenzieller Genehmigungsauflagen.
  • Das Investitionsvolumen hat sich bei den derzeit geplanten WEA-Typen im Vergleich zu früheren Anlagen vervielfacht. Dies gilt für den Kaufpreis, aber auch für die Baukosten der Windparkinfrastruktur. Entsprechend anspruchsvoller ist auch die Finanzierung geworden.
  • Die Ansprüche an die Flächensicherung sind teilweise erheblich gestiegen. Aktuelle Pachthöhen, immer umfangreicher werdende Nutzungsverträge und teils schon sehr früh im Projekt aufgesetzte Modelle zur Bürgerbeteiligung spiegeln dies wider.

In diesem Spannungsfeld ergeben sich zahlreiche Herausforderungen, aber auch neue Möglichkeiten für die heutige Windpark-Projektentwicklung.

Ablauf und Erfolgsfaktoren der Windparkplanung

Unabhängig vom Standort vollzieht sich eine Windparkplanung grundsätzlich entlang einheitlicher Projektmeilensteine:

1) Flächenidentifizierung

2) Schaffung der rechtlichen Projektgrundlagen (Flächensicherung, Planungsrecht)

3) Genehmigung und Netzanschlussplanung

4) Finanzierung

5) Bau und Inbetriebnahme

6) Windparkbetrieb

 

Dieser Ablauf ist bei allen Windparkplanungen gleich. In den sich stellenden Her­ausforderungen, der entsprechenden Ausgestaltung und der damit verbundenen Dauer der einzelnen Schritte gleicht jedoch kein Projekt dem anderen. 

Dies ist ein Beispiel Alt Text

 

Die Flächensicherung folgt dann je nach Eigentümerstruktur ihrer eigenen Dynamik. Teils werden Eigentümer einzeln angesprochen, teils findet eine Organisation in Eigen­tümergemeinschaften statt. In einigen Projekten gelingt die Flächensicherung innerhalb weniger Wochen, in anderen Projekten zieht sie sich über Monate bzw. Jahre hin.

3. Planungsrecht: Gemeinde als erster Ansprechpartner

Die Sicherstellung der planungsrechtlichen Grundlage wird zeitlich parallel zur Flächensicherung angegangen. Auf welcher Ebene die Windenergie planerisch gesteuert wird, ist in Deutschland unterschiedlich geregelt: Teils gibt der Regionalplan den entscheidenden Rahmen vor, teils haben die Gemeinden Gestaltungsfreiheit. 
Erster und wichtigster Anlaufpunkt ist immer die Gemeinde. Im Gespräch mit Verwaltung und Gemeinderat wird um eine Ausweisung der Windparkfläche in der kom­munalen Bauleitplanung oder um eine Unterstützung zur Ausweisung der Fläche im Regionalplan geworben. Planerisches Instrument zur Umsetzung ist ein städtebaulicher Vertrag zwischen Planer und Gemeinde, in dem Themen wie die beiderseitigen Pflichten bei der Erstellung des Flächennutzungsplanes, oft auch bereits die Erschließung der An­lagen über Gemeindewege und -grundstücke, definiert werden.

Herausforderung „neue“ Windregionen

Eine Herausforderung stellt sich in Regionen, in denen Windenergie lange Zeit keine Rolle gespielt hat. Da grundlegende artenschutzfachliche Daten hier häufig nicht vorhanden sind und die Politik weitreichende Vorgaben zur Aufstellung von Flächennutzungsplänen erlassen hat, sind im Rahmen des Ausweisungsverfahrens häufig kosten- und zeitauf­wendige Erhebungen durchzuführen. 
Mehr und mehr tritt bereits zu dieser frühen Projektphase eine weitgehende Einbeziehung der Öffentlichkeit in den Fokus der Planer, um eine breitere Akzeptanz für das Projekt zu erreichen. Wie eine breite öffentliche Akzeptanz für den ausgewählten Standort erreicht werden kann, ist ab Seite 217 in dieser Veröffentlichung beschrieben. 
Wenn die Flächen privatrechtlich gesichert sind, die Akzeptanz für ein Projekt vorhanden und eine Ausweisung im Flächen- oder Regionalplan absehbar ist, beginnt die planerische Vorbereitung für das Genehmigungsverfahren.

4. Gutachter frühzeitig beauftragen!

Oft schon während der vorangegangenen Planungsphase wurden hierzu artenschutzfachliche Gutachten zur Beurteilung der Situation hinsichtlich geschützter Vogel- und Fledermausarten vergeben. Verglichen mit Offenlandflächen ist in den heute zuneh­mend erschlossenen Waldgebieten an dieser Stelle mit einem erhöhten Aufwand zu rechnen. Zu erheben ist jeweils mindestens ein vollständiger Jahreszyklus. Als Einstiegs­punkte bieten sich eine Horstkartierung während der unbelaubten Zeit im Frühjahr mit anschließender Brutvogelbesatzkontrolle oder der Herbstzug an. 
In Bundesländern, in denen der Windenergieausbau nach einiger Zeit des Stillstands nun wieder neue Fahrt aufnimmt, werden derzeit die Gutachterkapazitäten knapp, da sehr viele Projekte auf einmal geplant werden. Dies kann zu weiteren Verzögerungen führen. 

Feinplanung und Parklayout

Zeitgleich mit den Vorbereitungen für die Genehmigung erfolgt die technische Feinpla­nung des Projekts. Die Windparkkonfiguration wird innerhalb der zur Verfügung stehen­den Fläche unter Berücksichtigung der Faktoren Schall/Schatten, ..Parkwirkungsgrad und Turbulenz sowie auf Grundlage der naturräumlichen und topografischen Bedingun­gen am Standort optimiert. Letztere haben im komplexen, bewaldeten Gelände zwangs­läufig eine größere Bedeutung als bei vergleichbaren Planungen im einfachen Gelände. Die Frage nach der maximalen Anlagenanzahl ergibt sich insbesondere im Binnenland aus den am besten geeigneten Standorten innerhalb der anvisierten nutzbaren Fläche. 

Die Windparkinfrastruktur 

Die Planung der Windparkinfrastruktur nimmt in dieser Phase konkrete Züge an. 
Häufig wird schon in den ersten Projektphasen mit der Planung und Sicherung der Zu­wegung begonnen. Nun werden diese Planungen konkretisiert, Kurvenradien festgelegt und ggf. entsprechende Flächen nachgesichert. Besondere Herausforderungen stellen sich wieder bei Planungen in bewaldeten Mittelgebirgsregionen: Große Steigungen und anspruchsvolle Waldweg-Serpentinen müssen für den Transport der WEA zum Stand­ort entsprechend ausgelegt werden. Insbesondere enge Kurvenradien, aber auch Orts­durchfahrten sind hier häufig das Nadelöhr. 

Teils noch vor Beginn des 5. Genehmigungsverfahrens findet die dingliche Siche­rung der bislang nur zivilrechtlich gesicherten Flächen statt. Außerdem erfolgen ggf. er­forderliche Eintragungen ins Baulastverzeichnis. 

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wird das Projekt insbesondere hinsichtlich der Schallemissionen und Auswirkungen auf Natur und Landschaft bewertet. Weiterhin werden die Träger öffentlicher Belange im Verfahren integriert, darunter auch die Luft­fahrtbehörde, die Bundeswehr etc. 
Bereits im Vorfeld wird das Projekt in natur- und landschaftsschutzbezogener Hin­sicht vorbereitet. Unter anderem entsteht ein landschaftspflegerischer Begleitplan, mit dem der Eingriff in Natur und Landschaft, z. B. die Rodung oder Versiegelung von Flä­chen, dargestellt und eine entsprechende Kompensation definiert wird.

Netzanschlussplanung

Parallel zum Genehmigungsverfahren findet die Netzanschlussplanung statt. Nach der Nennung eines verbindlichen Netzanschlusspunktes durch den Netzbetreiber erfolgt die Planung des konkreten Netzanschlusses sowie die Trassenplanung. Hierfür sind noch­mals Grundstücke zivilrechtlich und dinglich zu sichern. Für die Trasse ist eine natur­schutzfachliche Genehmigung einzuholen. Je nach Größe des Windparks erfolgt der Anschluss an das Stromnetz über eine Übergabestation bzw. ein nicht selten eigens zu bauendes Umspannwerk.

6. Finanzierungsgrundlage: realistisches Wirtschaftlichkeitsmodell

Erreicht ein Windparkprojekt eine Genehmigung und eine Netzanschlusszusage, sind wesentliche Meilensteine erreicht. Der Weg zur Finanzierung, zum Anlageneinkauf und zur Umsetzung des Projektes ist frei. Während dieser Schritte werden weitere Anforde­rungen an die Planung durch die finanzierende Bank, den Anlagenhersteller und insbe­sondere auch hinsichtlich Infrastruktur und Bau des Windparks definiert. 
Eine gute Windparkplanung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die wesentli­chen Kosten und standortspezifischen Charakteristika zuvor bereits korrekt erfasst oder realistisch abgeschätzt wurden. Bei Planungen in komplexen Mittelgebirgsregionen ist oft mit einem deutlich höheren Kostenaufwand für die Windparkinfrastruktur zu rech­nen. Sowohl der aufwendige Ausbau von Waldwegen in komplexem, bergigem Gelände mit entsprechend notwendigen Rodungsarbeiten als auch teils sehr lange Trassen zur Herstellung des Netzanschlusses sind im Wirtschaftlichkeitsmodell realistisch abzubilden. 

Stellt sich während der Projektentwicklung heraus, dass eine Wirtschaftlichkeit oder eine Genehmigungsfähigkeit nicht mehr gegeben ist, dann ist von einer weiteren Pla­nung umgehend Abstand zu nehmen. Die Prüfung der Finanzierbarkeit stellt in dieser Hinsicht die Reifeprüfung für ein Projekt dar. Hierbei werden die Ansprüche der Bank an die Projektentwicklung adressiert: Vertragsgestaltung und -risiken, Anforderungen an die Windgutachten und deren Unsicherheiten, WEA-Typ und Flächensicherung sind Punkte, die hierbei untersucht werden. Ferner muss eine Sicherstellung des Windpark­betriebes über einen Zeitraum von 20 Jahren und länger rechtlich belastbar und auch technisch umsetzbar erfolgen. Letzteres beinhaltet insbesondere die Auswahl des geeig­neten WEA-Typs für den Standort. 

7. + 8. Die Umsetzung

Der Bau des Windparks selbst wird in Kooperation mit dem Hersteller durchgeführt. Der Planer, der häufig in dieser Phase als Generalübernehmer fungiert, definiert einen Bau­zeitenplan und stimmt diesen mit dem Hersteller ab. Zeitabläufe werden bestimmt und Zeitpunkte für die jeweiligen Bauabschnitte festgelegt. Diese umfassen die Errichtung der Parkinfrastruktur, den Transport der WEA zum Standort sowie die Errichtung und auch die geplante Inbetriebnahme der WEA. Eine regelmäßige Überprüfung der Bau-fortschritte vor Ort ist eine elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung.

Fazit 
Es gibt keinen allgemeinen Leitfaden für eine Windparkplanung. Sie orientiert sich an dem Standort, den regionalen Gegebenheiten und Voraussetzungen. Die Planung unterscheidet sich im zeitlichen Ablauf und auch in den auftretenden Problemen zwischen den Projekten zum Teil signifikant. Eine erfolgreiche Windpark­planung beinhaltet aber immer die fachmännische Beurteilung der folgenden vier Punkte: 
1. Genehmigungsfähigkeit 
2. Finanzierbarkeit 
3. Wirtschaftlichkeit 
4. Nachhaltiger Betrieb über 20 Jahre und mehr 

Angesichts der aktuellen EEG-Debatte fällt ein weiterer Ausblick auf die Anzahl der umsetzbaren Windparkplanungen in der Zukunft schwer. Fakt ist, dass viele der Pla­nungen im Binnenland bereits jetzt an der Schwelle zur Unwirtschaftlichkeit stehen – auch ohne die Berücksichtigung der zu erwartenden höheren Kosten für Standort­bewertung, Entwicklung und Bau. Umso wichtiger ist somit die genaue Bewertung der Standortgüte sowie die exakte Erfassung und Beobachtung der Kostenseite während der Planung. Daran müssen sich ehrgeizige Planungsziele im Binnenland und in windschwächeren Regionen messen lassen.

 

1. + 2. Flächen identifizieren, analysieren und sichern

Ausgangspunkt eines Projektes ist die Flächenidentifizierung. Es gilt, möglichst wind­höffige Flächen zu ermitteln, in denen eine Genehmigung des geplanten Windparks er­reichbar ist. Da solche Flächen ein knappes und stark umkämpftes Gut sind, setzt dieser Schritt bereits deutlich vor der rechtskräftigen Ausweisung in einem Flächennutzungs- oder Regionalplan an. 
Den nächsten Schritt stellt die zivil- und planungsrechtliche Sicherung dar. Bevor der Kontakt mit Gemeinden und Grundstückseigentümern aufgenommen wird, erfolgt basierend auf Standortbegehungen und weiteren Recherchen eine Flächenanalyse, die folgende Aspekte umfasst:

• Grobplanung eines Windparklayouts unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten (Hochpunkte, Beschränkungen wie Stromtrassen, Naturdenkmäler etc.) und ggf. erste Analysen zu Schall- und Schattenimmissionen, 

• Bestimmung der Eigentumsverhältnisse, 

• Abschätzung des Windpotenzials mittels vorhandener Referenzen und Berechnun­gen, 

• Ermittlung der möglichen Pacht pro Anlage, 

• Wahl des Vertragsmodells: Standort- vs. Flächenpoolmodell.