Windindustrie in Deutschland: Wie ist die Stimmung in Ihrem Unternehmen vor der wichtigsten Leitmesse der Windindustrie?
Dr. Frank May, Alterric: Die Stimmung ist gemischt. Operativ läuft es bei Alterric stark: Wir haben in diesem Jahr bereits sehr viel bewegt, unsere Pipeline vorangetrieben und unser Portfolio gezielt um Systemdienstleistungen erweitert. Auf der anderen Seite blicken wir mit großer Sorge auf die aktuellen regulatorischen Entwicklungen. Was dort derzeit diskutiert wird, bedroht nicht nur das Ausbautempo unserer Branche, sondern gefährdet die verlässliche Transformation des gesamten Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Jost Backhaus, Juwi: Die aktuellen Signale aus der Bundespolitik mit Blick auf die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket erzeugen Unsicherheit in der gesamten Branche. Das spüren wir auch bei uns im Unternehmen. Gleichwohl haben wir aber auch weiterhin die Überzeugung, dass der stärkere Ausbau der erneuerbaren Energien alternativlos ist und wir somit auf dem richtigen Weg sind. Wer Unabhängigkeit von Energieimporten und günstigen Strom will, muss einfach auf Wind- und Solarenergie setzen. Und dass wir mehr gegen den Klimawandel tun müssen, haben ja die Hitzewellen und Waldbrände dieses Sommers eindrucksvoll unterstrichen. Um künftiges Leid für Mensch und Tier zu vermeiden, müssen wir also schneller als bisher die Energieversorgung umstellen.
- 09.09.2026Alles zur WindEnergy Hamburg 2026 auf einen Blick: Jetzt zum Branchenticker anmelden und während der Messewoche relevante Informationen zur Messe täglich als ...
Philipp Heidebroek, LandService: Unsere Stimmung ist durchaus angespannt. Die Politik droht gerade, den Hochlauf der Windenergie im entscheidenden Moment auszubremsen. Die aktuellen politischen Signale und regulatorischen Diskussionen sorgen in der Branche für erhebliche Unsicherheit. Gerade angesichts der immer deutlicher werdenden Folgen der Klimakrise und der Abhängigkeit bei fossilen Energieträgern dürfen wir beim Ausbau der Windenergie nicht an Tempo verlieren. Gleichzeitig blicken wir mit viel Vorfreude auf die WindEnergy. Die Branche hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, wie innovativ und lösungsorientiert sie mit neuen Herausforderungen umgeht.
Gernot Gauglitz, UKA: Die Stimmung bei UKA ist realistisch und zugleich zuversichtlich. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert; insbesondere die Zuschlagswerte in den EEG-Ausschreibungen sind deutlich gesunken. Gleichzeitig verfügt UKA über eine belastbare Projektbasis. Seit 2024 haben wir Zuschläge für Projekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 2,3 GW gesichert. Im Kalenderjahr 2025 haben wir Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 350 MW in Betrieb genommen. Weitere Projekte mit rund 1,5 GW befinden sich derzeit in der Errichtungsphase. Diese Zahlen zeigen, dass UKA über eine gute Grundlage und eine hohe Umsetzungskraft verfügt. Deshalb wollen wir unser Geschäft insbesondere im deutschen Kernmarkt weiter ausbauen. Auf der WindEnergy Hamburg 2026 suchen wir den Austausch darüber, wie sich Projekte unter den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich strukturieren und verlässlich umsetzen lassen.
Wo präsentieren sich die Projektierer und Betreiber?
Messestand von Alterric auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A4 | 302
Messestand von Engie auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A4 | 208
Messestand von Juwi auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A4 | 336
Messestand von Landwind Gruppe auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A1 | 307
Messestand von UKA auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A1 | 314
Messestand von wpd windmanager auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A1 | 237
WID: Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Hamburg?
Jost Backhaus, Juwi: Ich erwarte ein klares und starkes Signal der gesamten Branche im Vorfeld und auf der Messe, um im parlamentarischen Verfahren die notwendigen Änderungen für die aktuellen Gesetzesvorhaben herbeiführen zu können. Die Windenergie-Industrie ist ein großer Arbeitgeber in Deutschland, das muss deutlich werden. Wir können es uns aus wirtschaftlichen und sozialen / gesellschaftlichen Gründen gar nicht leisten, dieser Zukunftstechnologie ständig Steine in den Weg zu legen! Geschäftlich erhoffe ich mir von der Hamburg Wind Energy einen regen und guten Austausch mit Kunden, Investoren, Herstellern und politischen Entscheidungsträgern. Zusammen wollen wir in Hamburg konkrete Lösungsansätze für einen beschleunigten Ausbau der Windenergie diskutieren. Zudem bietet die Windmesse natürlich immer eine gute Gelegenheit, Impulse zu Innovationen – zum Beispiel zu Hybridprojekten (Wind & Speicher) sowie Einblicke in technische Neuheiten und neue Turbinengenerationen zu bekommen.
Gernot Gauglitz, UKA: Wir erwarten vor allem konkrete Gespräche über neue Projekte und belastbare Partnerschaften. Im ersten Halbjahr 2026 hat UKA Projektrechte mit einem Umfang von rund 900 MW erworben oder sich an entsprechenden Projekten beteiligt. Damit setzen wir unsere Strategie fort, Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu prüfen, zu erwerben und gemeinsam mit geeigneten Partnern weiterzuentwickeln. Darüber hinaus möchten wir unsere langfristig angelegten Beziehungen zu Herstellern, Bauunternehmen, Dienstleistern und weiteren Partnern ausbauen. Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld sind verlässliche Kooperationsmodelle wichtig, um Entscheidungen zügig zu treffen und Projekte effizient zu realisieren. Auf der WindEnergy Hamburg 2026 möchten wir mit Unternehmen aus der Branche über konkrete Kooperationsmöglichkeiten sprechen – vom Erwerb von Projektrechten und der gemeinsamen Projektentwicklung bis hin zu Bau, Betrieb, Vermarktung und Speicherlösungen.
Henning Rüpke, wpd windmanager: Bei der WindEnergy Hamburg erwarten wir – wie alle zwei Jahre – unsere Bestandskund:innen zu treffen und unsere Kerndienstleistung Betriebsführung sowie die damit in Zusammenhang stehenden Ergänzungs- bzw. Stand-Alone-Services bei potenziellen Neukund:innen zu bewerben. Die WindEnergy zieht wie keine andere Messe in Europa auch Betreiber und Investoren aus der ganzen Welt an. Das ist für uns ideal, um unsere Position im Heimatmarkt zu sichern und Opportunitäten in Auslandsmärkten zu generieren.
WID: Welche Top-3-Trendthemen beschäftigen die Branche Ihrer Meinung nach?
Engie: Wir sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Windenergie aktiv – von der Projektentwicklung über Finanzierung, Bau und Betrieb bis hin zur Vermarktung des erzeugten Stroms. Entsprechend vielfältig sind auch die Themen, mit denen wir nach Hamburg kommen. Deshalb werden auf der WindEnergy Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Bereichen vertreten sein. Für uns ist die Messe eine gute Gelegenheit, bestehende Partnerschaften zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und die verschiedenen Perspektiven der Branche zusammenzubringen. Dieser Austausch quer über alle Themen macht die WindEnergy so spannend für uns. Die Themen reichen dabei von der Geschäftsentwicklung über die Projektentwicklung und den Betrieb von Anlagen über die Vermarktung des Stroms bis hin zu neuen Geschäftsmöglichkeiten und Kooperationen.
Dr. Frank May, Alterric: Allen voran prägt die enorme regulatorische Unsicherheit rund um das EEG und das Netzpaket die Branche, weil sie den Markt spürbar verunsichert und notwendige Investitionen massiv erschwert. Hinzu kommt das drängende Nadelöhr Netzanschluss: Fehlende Kapazitäten und verzögerte Anschlüsse sind mittlerweile zur größten Bremse bei der Realisierung von Ausbauprojekten geworden. Und schließlich steht die Transformation hin zur Versorgungssicherheit im Fokus. Die echte Systemintegration von Windenergie, Großspeichern und Flexibilitäten ist die zentrale Schlüsselaufgabe der nächsten Jahre, um den Wirtschaftsstandort Deutschland verlässlich und bezahlbar mit Energie zu versorgen.
Philipp Heidebroek, LandService: 1. Sicherheit und Digitalisierung des Anlagenbetriebs: Windparks sind längst digitale Infrastrukturen. Sichere Kommunikationswege, verlässliche Datenanbindungen und Cybersicherheit werden deshalb immer wichtiger. KRITIS und NIS2 erhöhen zusätzlich die Anforderungen an Betreiber und Dienstleister. 2. Effizienter und langfristiger Anlagenbetrieb: Mit einem wachsenden Anlagenbestand rückt der Betrieb stärker in den Fokus. Entscheidend ist nicht nur, neue Anlagen zu errichten. Bestehende Windparks müssen effizient und sicher betrieben werden. Dafür braucht es professionelles Monitoring, vorausschauende technische Betriebsführung und intelligente Prozesse. 3. Leistungen bündeln und Synergien nutzen: Die Anforderungen an Betreiber steigen, gleichzeitig müssen Prozesse wirtschaftlich bleiben. Deshalb sehen wir einen klaren Trend zu integrierten Dienstleistungen. Technische Betriebsführung, IT, Kommunikation, Monitoring und weitere Services sollten nicht isoliert betrachtet werden. Wer Schnittstellen reduziert und Leistungen sinnvoll bündelt, kann Prozesse schlanker gestalten und schneller reagieren.
WID: Welche Produkt- bzw. Dienstleistungshighlights haben Sie im Gepäck?
Dr. Frank May, Alterric: Wir werden in diesem Jahr erstmals mit unserer Leitwarte vor Ort sein, über die wir unsere rund 250 Windparks steuern. Und das werden wir in Echtzeit und live auf der Messe machen und Interessierten Einblicke in die Arbeit geben.
Jonas Lesch, wpd windmanager: Mit der europäischen NIS2-Richtlinie rücken Cyber- und Informationssicherheit stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein umfassendes Sicherheitskonzept nicht an der digitalen Perimetergrenze endet. Für den wachsenden Bedarf an physischer Sicherheit von Wind- und Solarparks bieten wir individuelle Lösungen zum Einbruchschutz. Durch die Kombination aus Kameraüberwachung und integrierten Fernsprechanlagen lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und Personen vor Ort direkt ansprechen. Bei sicherheitsrelevanten Ereignissen können schnellstmöglich die erforderlichen Maßnahmen durch unsere eigene 24/7-Leitwarte eingeleitet werden. Außerdem ist das System modular aufgebaut, sodass sich beispielsweise Sensoren für Brandmeldung oder Feuchtigkeitseintritt (bspw. im Turmkeller) integrieren lassen.
Angesichts der steigenden Anforderungen an Monitoring, Verfügbarkeit und Sicherheit gewinnt auch eine leistungsfähige Leitwarte zunehmend an Bedeutung. Mit unserem 24/7 Monitoring-as-a-Service (MaaS) unterstützen wir neben unseren eigenen Kund:innen auch Partner und andere Dienstleister. Aktuell überwachen wir von dort aus mehr als 2.800 Windenergieanlagen weltweit und sorgen rund um die Uhr für einen zuverlässigen Betrieb. Auffälligkeiten werden frühzeitig erkannt, bewertet und notwendige Maßnahmen eingeleitet, um Ausfallzeiten zu minimieren und die Anlagenverfügbarkeit zu maximieren. Dabei verbinden wir langjährige Betriebserfahrung mit höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards, die durch unsere Zertifizierungen nach ISO 9001 und ISO 27001 belegt werden.
Darüber hinaus haben sich unsere Dienstleistungen in den Bereichen BNK, Redispatch 2.0, Mahdmanagement, HSE-Management sowie der Betreuung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen etabliert. Unser Ziel ist es, Betreiber entlang des gesamten Lebenszyklus ihrer Wind- und Solarparks zu unterstützen und ihnen möglichst viele Aufgaben rund um den laufenden Betrieb aus einer Hand abzunehmen.
- Veranstaltungshinweis08.09.2026Mit dem EEG 2027 und dem Netzanschlusspaket steht der Energiewirtschaft und den Erneuerbaren ein Paradigmenwechsel bevor. Der Referentenentwurf sieht bereits ...
WID: Gibt es besondere Events oder Termine, die wir ankündigen können?
Engie: Ein fester Termin ist unser ENGIE Get Together am Ende des ersten Messetags auf unserem Stand. Für uns ist das eine gute Gelegenheit, Kunden, Projektpartner und bekannte sowie neue Gesichter aus der Branche zu treffen und aktuelle Projekte und Marktentwicklungen zu diskutieren.
Gernot Gauglitz, UKA: Wir freuen uns, im Rahmen der WindEnergy Hamburg 2026 eine Neuigkeit zu unserem gemeinsamen Projekt mit Mercedes-Benz bekannt geben zu können: dem Windpark auf dem Mercedes-Benz-Testgelände in Papenburg.
Die WindEnergy Hamburg 2026 findet vom 22. bis 25. September statt. Auf der internationalen Messe treffen sich Fachbesuchende, Entscheider*innen und Nachwuchskräfte, um sich zu vernetzen und die neuesten Lösungen für die On‑ und Offshore‑Windenergie zu präsentieren.
Mehr Informationen zur Messe finden Sie hier: www.windenergyhamburg.de
Den Bundesverband Windenergie (BWE) finden Sie in Halle A1 | 308.
Aktuelles zur WindEnergy Hamburg 2026:
- Fachartikel08.09.2026Vom 22. bis 25. September zeigen 1.600 Aussteller in Hamburg ihre Lösungen. Was die Windbranche vor der Messe beschäftigt – von EEG 2027 bis Batteriespeicher.
- News04.09.2026Im Mittelpunkt des Messeauftritts auf der WindEnergy 2026 stehen die Wind Turbine Maintenance Toolbox und LuCA (Lubricant Condition Analysis), die das ...
- News08.09.2026Der Zulieferer Schaeffler präsentiert auf der WindEnergy Hamburg 2026 Komponenten und Systemlösungen für den Antriebsstrang von Windkraftanlagen. Im Mittelpunkt ...
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