Der Markt im Preisdruck – was Billigmodule anrichten

Die weltweite PV-Produktion wächst rasant – und mit ihr der Preisdruck. Noch nie waren Module günstiger, noch nie wurden sie in so hoher Geschwindigkeit gefertigt. Der Wettbewerb zwingt Hersteller dazu, immer stärker Kosten und Durchsatz zu optimieren – häufig zulasten der Qualität.

Besonders in neuen Produktionslinien oder bei Herstellern der zweiten und dritten Reihe zeigen sich deutliche Qualitätsstreuungen. Wo früher jede Nennleistung präzise verifiziert wurde, zählen heute Effizienzrekorde und Liefertermine. Das Resultat: hohe Leistungsangaben auf dem Papier – aber nicht immer im Feld.

Wenn das Typschild trügt – Overrating und andere Fehlerbilder

Messungen des Fraunhofer CSP und von SecondSol belegen, dass die reale Modulleistung bei vielen Modulen bis zu drei Prozent unter dem angegebenen Nennwert liegt. Diese scheinbar kleine Abweichung kann die Rendite einer Anlage deutlich mindern – und das, bevor sie überhaupt in Betrieb geht.

Das Ausliefern von Modulen mit einer geringeren tatsächlichen Leistung als auf dem Typenschild angegeben wird als „Overrating“ bezeichnet. Dieser Effekt bedeutet, dass der reale Ertrag geringer ist, als die Nennleistung vermuten lässt. Auf den Modul-Labels wird dies häufig mit der Angabe „Power Production Tolerance“ dargestellt – also der zulässigen Abweichung von der angegebenen Leistung. In der Praxis zeigen sich hier jedoch teils deutliche Unterschiede zwischen den angegebenen und den gemessenen Werten, was die Bedeutung unabhängiger Prüfungen unterstreicht.

Doch Overrating ist nur ein Teil der Wahrheit. Unabhängige Qualitätsanalysen zeigen eine Vielzahl von Fertigungsfehlern, die häufig unsichtbar bleiben, bis sie im Feld zu Ertragsverlusten oder Sicherheitsrisiken führen. 

Zu den häufigsten Fehlerbildern gehören:

  • Schlecht verlötete oder unvollständig vergossene Anschlussdosen – führen zu Kontaktwiderständen, Hotspots und Brandrisiken.
  • Blasenbildung und fehlerhafte Lamination – verringern die Isolation und begünstigen Feuchtigkeitseintritt.
  • Zu dünne oder schlecht verarbeitete Modulrahmen – mindern die Stabilität und erhöhen das Glasbruchrisiko.
  • Glasbrüche durch mechanische Spannungen – treten vor allem bei dünnen Gläsern auf und entstehen oft ohne äußere Einwirkung. Besonders das Rückglas ist anfällig.
  • Schlecht verarbeitete Solarzellen und Lötverbindungen – erzeugen Widerstände und beschleunigen die Degradation.
  • Falsche oder inkompatible Steckverbinder – verursachen Leistungsverluste und potenzielle Sicherheitsprobleme.

Diese Defekte sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, können aber über Jahre hinweg zu erheblichen Leistungseinbußen führen. Eine konsequente Qualitätsüberwachung während der Fertigung und stichprobenhafte Prüfungen bei der Lieferung sind daher unerlässlich.

Der wirtschaftliche Bumerang

Für Betreiberinnen und Betreiber beginnt der wirtschaftliche Nachteil oft schon zu Beginn: Wenn Module von Anfang an weniger Leistung bringen als angegeben, sinkt die Wirtschaftlichkeit der gesamten Photovoltaikanlage. Über die Betriebsjahre hinweg führen solche Abweichungen zu geringeren Erträgen – und damit zu einem langsameren Return on Investment. Gleichzeitig steigen durch Ausfälle und Defekte die Kosten für Instandhaltung und Reparaturen.

Das Ergebnis? Der Preisdruck, der am Anfang der Lieferkette entsteht, kehrt als Aufwand am Ende des Lebenszyklus zurück.

Handeln statt hoffen – was Betreiberinnen und Betreiber tun können

Wer langfristig stabile Erträge sichern will, sollte Qualität als festen Bestandteil seines O&M-Konzepts verstehen – und bereits beim Abschluss des Kaufvertrags beginnen. Schon hier sollten grundlegende Qualitätsstandards definiert werden, etwa zu Leistungstoleranzen, Prüfverfahren oder Abnahmebedingungen. Bei größeren Projekten lohnt es sich, die Qualitätsüberwachung direkt in der Fabrik zu begleiten oder unabhängige Inspektionen vor Ort durchführen zu lassen.

Für kleinere Projekte oder beim Bezug von Modulen über Händler in Deutschland bieten sich Stichprobenkontrollen an. Diese können beispielsweise eine UV-induzierte Degradation (UVID)-Prüfung bei TOPCon-Modulen oder Feuchte-Wärme-Tests bei Backsheet-Modulen umfassen. Auch die Überprüfung und Stresstests der Dioden helfen, die Belastbarkeit und Funktionsfähigkeit unter realen Betriebsbedingungen sicherzustellen. Solche Tests decken nicht nur Schwächen auf, sondern signalisieren dem Verkäufer auch, dass Qualität ernst genommen wird.

Auch nach der Installation endet die Verantwortung für Qualität nicht. Eine fortlaufende Qualitätskontrolle im Feld ist entscheidend, um die Wirtschaftlichkeit der Anlage langfristig zu sichern. Im Rahmen der regelmäßigen Wartung oder durch gezielte Anlagenprüfungen lassen sich Abweichungen oder Defekte frühzeitig feststellen und beheben, bevor größere Schäden entstehen.

Unabhängige Partner wie das Fraunhofer Center for Silicon Photovoltaics (CSP), SecondSol, KIWA (PI Berlin) u. v. m. unterstützen Betreiber dabei mit standardisierten Prüfverfahren – von Laboranalysen bis zu Feldtests – und helfen, die Qualität über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg sicherzustellen.

Fazit: Qualität ist Wirtschaftlichkeit

Der Preisverfall hat die Photovoltaik global vorangebracht – aber er hat auch neue Risiken geschaffen. Je stärker der Kostendruck wächst, desto wichtiger werden Transparenz und Kontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Denn Qualität ist keine Frage des Preises, sondern der Aufmerksamkeit. Nur wer prüft, kann sicher sein, dass die versprochene Leistung auch wirklich ankommt.

Stefan Wippich ist Geschäftsführer der SecondSol GmbH. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Qualität, Wiederverwendung und Instandhaltung von PV-Komponenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Dieser Beitrag erschien im BWE PV-BetreiberBrief 2-2025. Jetzt registrieren und künftig alle aktuellen Ausgaben per Mail erhalten!


Auch interessant:

Starten Sie durch! Dieses Seminar vermittelt Ihnen die Grundlagen der Freiflächensolarenergie und die wichtigsten Aspekte für erfolgreiche Projekte.