Neue Pläne für Netzausbau sorgen für Erleichterung und Überraschung

Die Netzbetreiber stellen neue Pläne für den Netzausbau vor. Um näher an die Industrieregion Stuttgart heranzukommen, soll eine der großen Stromtrassen nach Westen verschoben werden. Das sorgt nicht nur für Erleichterung.

Stuttgart – Die vier deutschen Netzbetreiber haben am Dienstag einen neuen Entwurf des Netzentwicklungsplans vorgelegt. Demnach soll künftig ein Zweig der Stromtrasse für die Energieversorgung Süddeutschlands nicht mehr im Ostalbkreis enden, sondern im Raum Wendlingen (Kreis Esslingen). Dadurch soll die Trasse näher an die Industrieregion Stuttgart heranrücken. Die Region Ostalb reagierte erleichtert. Im Kreis Esslingen zeigte man sich angesichts der aktuellen Entwicklung überrascht. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sieht die Chance einer unterirdischen Trasse.

Der Landrat des Ostalbkreises, Klaus Pavel, zeigte sich beruhigt angesichts der neuen Vorschläge. Die bisherige Planung hätte eine „brutale Landschaftsveränderung“ bedeutet, sagte er. Zudem hätten die Menschen vor Ort Gesundheitsbedenken geäußert. Er sei optimistisch, dass die Bundesnetzagentur den neuen Vorschlag der TransnetBW akzeptieren werde. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Hüttlingen gegen unnötigen Leitungsausbau“, Josef Kowatsch, sagte: „Diese Entscheidung haben wir schon lange erwartet.“ Der Netzbetreiber habe sich nun den Argumenten der Bürgerinitiativen angeschlossen.

Beim Landratsamt Esslingen reagierte man dagegen perplex. „Das ist ein richtiger Überraschungsmoment“, sagte Sprecher Peter Keck. Man habe noch keine Informationen über den Vorschlag von der TransnetBW. Einen Kontakt mit dem Unternehmen habe es bisher nicht gegeben. Zunächst gelte es zu klären, was die Pläne für den Kreis bedeuteten.


Nach der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und
geänderter Ausbauziele vor allem bei der Windkraft hatten die vier
deutschen Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50hertz und TransnetBW in
den vergangenen Monaten die Netzplanungen für die nächsten zehn Jahre
überprüft. Die für Baden-Württemberg zuständige TransnetBW hatte
daraufhin einen Endpunkt für die geplante Stromtrasse SuedLink neu
festgelegt.

SuedLink soll bis zum Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg bringen. In Bayern gibt es massiven Widerstand gegen den Trassenbau.

Mit der Verschiebung des einen Endes von SuedLink Richtung Westen soll die Trasse näher an den Raum Stuttgart heranrücken - wo die TransnetBW einen besonders hohen Strombedarf sieht. Dadurch würde auch eine im Anschluss geplante 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung von Goldshöfe nach Bünzwangen (Kreis Göppingen) in Richtung Stuttgart obsolet.

Die Trasse in den Raum Wendlingen zu führen, sei «physikalisch
einfacher», sagte eine Sprecherin von TransnetBW am Dienstag. Die
Frage sei letztlich, wo der Strom gebraucht werde. Wo der genaue
Endpunkt liegen soll, ließe sich derzeit nicht sagen, ebenso wenig,
wo die künftige große Stromtrasse entlang geführt werde.

Der Nabu äußerte sich zurückhaltend: «Wenn der Ausbau von Stromnetzen
der Energiewende dient und möglichst naturverträglich erfolgt,
unterstützen wir den Ausbau. Die SuedLink-Trasse würde zumindest der
Energiewende dienen.» Deswegen betrachte man das SuedLink-Projekt
positiv, aber nicht unkritisch.

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne)
nannte den Vorschlag der Netzbetreiber «vernünftig». Die neuen Pläne
sähen eine Gleichstromübertragung vor, sodass die Trassen leichter
unter die Erde zu legen seien.

Ob Leitungen ober- oder unterirdisch verlaufen, hängt aber noch von anderen Entscheidungen ab: In den kommenden Monaten muss die Bundesnetzagentur zunächst den neu festgelegten Endpunkt sowie die Überarbeitungen der anderen Netzbetreiber prüfen. Mit einer Entscheidung sei erst im Sommer zu rechnen, sagte eine Sprecherin. Anschließend muss TransnetBW für den Südwesten eine Trassenführung beantragen. Dann erst könnte der Netzbetreiber einen Antrag auf Erdkabel stellen. «Das ist eine Option», sagte eine Sprecherin.

(dpa/lsw)