Ein Großteil der kritischen Rohstoffe ist für die Energiewende essenziell. Sie stecken in Batterien und Magneten für Windkraftanlagen oder in Umspannwerken und Stromleitungen. Ihr Abbau und ihre Weiterverarbeitung erfolgen bislang überwiegend außerhalb der Europäischen Union, mit China als größtem Lieferanten, gefolgt von Australien und Chile für einzelne kritische Rohstoffe. Auch beim Baumaterial Balsaholz ist die EU abhängig vom Drittstaat Ecuador. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien langfristig sicherzustellen, hat die EU Förderprogramme und Verordnungen wie den Critical Raw Materials Act (CRMA) eingeführt. Diese sollen die innereuropäische Produktion und die heimischen Recyclingkapazitäten fördern. Da die deutsche Windindustrie beim Bau von Windenergieanlagen auf Balsaholz und andere kritische Rohstoffe angewiesen ist, würde auch sie von einer gesicherten Versorgung profitieren.
- Was sind kritische Rohstoffe?
- Seltene Erden, Lithium und Kupfer: Wie stark ist die EU von Drittstaaten abhängig?
- Warum ist die EU bei kritischen Rohstoffen vor allem von China abhängig?
- Wie möchte die EU unabhängiger werden?
- Import, Eigenförderung und Recycling: Welche Fortschritte gibt es schon?
- Japan zeigt, was möglich ist
- Können die Eigenförderung und das Recycling die Abhängigkeiten verringern?
Was sind kritische Rohstoffe?
Kritische Rohstoffe sind nach Definition der Europäischen Kommission Rohstoffe, deren Versorgung innerhalb eines Zeitraums von etwa zehn Jahren als besonders risikoreich eingeschätzt wird. Sie spielen eine zentrale Rolle in wichtigen Wertschöpfungsketten, sind häufig nur begrenzt oder von wenigen Lieferländern abhängig verfügbar, schwer zu ersetzen und weisen meist geringe Recyclingquoten auf. Sie sind für wirtschaftliche Entwicklung und technologische Innovation, insbesondere der erneuerbaren Energien, von großer Bedeutung. Der Europäische Rat hat insgesamt 34 kritische Rohstoffe ermittelt. Zu diesen gehören unter anderem Kupfer, das für elektrische Leitungen benötigt wird, Aluminium, das etwa in Verkleidungsteilen verbaut ist, und Seltene Erden, die aufgrund ihrer besonderen elektronischen Eigenschaften für Generatoren unverzichtbar sind.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) sind für die Produktion von Windenergieanlagen insgesamt sieben Metalle von der Liste der kritischen Rohstoffe essenziell:
- Kupfer
- Kobalt
- Nickel
- Lithium
- Seltene Erden
- Chrom
- Zink
- Metalle der Platingruppe
- Aluminium
Eine viel diskutierte Art der kritischen Rohstoffe sind Seltene Erden. Sie umfassen eine Reihe spezieller Metalle, darunter Neodym und Dysprosium. Aufgrund ihrer einzigartigen elektronischen und magnetischen Eigenschaften sind sie für die Herstellung von Permanentmagneten unverzichtbar. Diese kommen beispielsweise in Generatoren zum Einsatz. Die Metalle tragen zur Energiedichte der Magnete bei und bieten einen hohen Widerstand gegen Entmagnetisierung. Sie helfen Permanentmagneten, ihre Magnetisierung gegen äußere Einflüsse wie Hitze, Gegenfelder oder Vibrationen zu bewahren. Trotz ihrer Bezeichnung kommen Seltene Erden in ausreichender Menge vor – oft auch als Nebenprodukt der Extraktion anderer Rohstoffe. Dennoch werden sie wegen ihrer geringen Konzentration und der aufwendigen Trennungsmethoden als kritisch eingestuft.
Balsaholz steht zwar nicht auf der Liste der kritischen Rohstoffe, aber da sein Anbau sich hauptsächlich auf Ecuador konzentriert und die Nachfrage für die Produktion von Rotorblättern hoch ist, könnten laut einem Report der EU auch bei diesem Baumaterial Handelsbeschränkungen, Versorgungsengpässe sowie ökologische und wirtschaftliche Risiken auftreten. Bei der Herstellung von Rotorblättern wird Balsaholz mit Verbundwerkstoffen verklebt. Das erschwert die Trennung der Komponenten und das Recycling nach Ausmusterung der Rotorblätter. Derzeit gängige Methoden sind daher Downcycling oder die energetische Verwertung in Zementöfen. Die Autor*innen des Reports fordern, auch verstärkt nach alternativen Baumaterialien für die Produktion von Rotorblättern zu forschen, um die Abhängigkeiten zu verringern.
Seltene Erden, Lithium und Kupfer: Wie stark ist die EU von Drittstaaten abhängig?
Mit 270.000 von weltweit 390.000 Tonnen, die 2024 an Seltenen Erden gefördert wurden, kontrolliert China den Weltmarkt. Bei der Aufbereitung ist die Dominanz sogar noch größer. Deutschland importiert den größten Teil seines Bedarfs von rund 5.000 Tonnen aus China, geringere Mengen aus Österreich, Südafrika und Frankreich, wo sich einige wenige Anlagen zur Aufbereitung befinden. Seltene Erden kommen oft gemeinsam in Lagerstätten vor und müssen für eine Nutzung aufwendig getrennt werden.
Lithium: Schlüsselelement für fast alle Batterien
Weniger abhängig von China ist die EU bei der Versorgung mit Lithium, einem Schlüsselelement nahezu aller Batterien für Stromspeicher und Elektromobilität. Heute dominiert Australien die weltweite Förderung mit einem Drittel der knapp 260.000 Tonnen, gefolgt von Chile, das etwa ein Fünftel der Menge fördert. Das südamerikanische Land ist mit 80 Prozent zugleich Hauptlieferant der EU. Europa hat mit größeren Vorkommen in Portugal, Frankreich, Tschechien, Serbien und in der Ukraine das Potenzial, die Importabhängigkeit deutlich zu senken. Selbst in Deutschland steht eine Lithiumgewinnung etwa im Erzgebirge oder aus geothermalen Tiefenwassern im Oberrheingraben kurz bevor.
Die EU unterstützt 18 CRMA-Projekte zur Erschließung von europäischen Lithium-Vorkommen. Der Erfolg dieser Förderprojekte hängt jedoch vom stark schwankenden Marktpreis für die in der Batteriefertigung genutzten Lithiumsalze ab. Steigt die Nachfrage weiter – Prognosen zeigen bis 2030 eine Verdopplung, bis 2040 eine Versechsfachung –, haben europäische Förderunternehmen gute Aussichten. Doch sollten die preiswerteren Natriumionenbatterien weiter auf den Markt drängen, wird die Lithiumnachfrage nicht so stark steigen wie derzeit prognostiziert.
EU-Industrie benötigt 4 Millionen Tonnen Kupfer
Ohne das gut leitfähige Metall Kupfer kommt keine einzige elektrische Anwendung aus. 23 Millionen Tonnen wurden 2024 abgebaut, vor allem in Chile, im Kongo und in Peru. Die Industrie in der EU benötigte davon rund vier Millionen Tonnen.
„Die Versorgung ist auf mehrere Länder diversifiziert und nicht so dramatisch wie bei anderen Rohstoffen“,
sagt Ulrike Dorner, Kupferexpertin bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
Zudem lässt sich das Metall sehr gut recyceln. In Deutschland liegt der Anteil an recyceltem Kupfer bei rund 40 Prozent. Europäische Lagerstätten in Polen, Schweden, Finnland, Portugal, Spanien, Rumänien und Bulgarien werden bereits genutzt und die Förderung vermutlich noch ausgebaut. Viele dieser Vorhaben finden sich auch auf der CRMA-Projektliste der EU. „Als bedeutendstes Bergbauland wird aber vor allem Chile für die Versorgung wichtig bleiben“, sagt Dorner.
Warum ist die EU bei kritischen Rohstoffen vor allem von China abhängig?
Es gibt in Europa bedeutende Vorkommen nahezu aller heute als kritisch eingestuften Rohstoffe. Der Unterschied zu China: Das Reich der Mitte verfolgt seit den 1980er Jahren eine umfassende Rohstoffstrategie. China erschließt eigene Vorkommen intensiv und sichert sich überdies den Zugriff auf Minen in aller Welt. Parallel baut das Land Anlagen zur Reinigung, Trennung und Aufbereitung der Rohstoffe.
Diese Machtposition spielte China bereits 2010 mit Exportbeschränkungen auf einige Elemente aus der Gruppe der Seltenen Erden aus. Schon damals bangten europäische Unternehmen um den dringend benötigten Nachschub.
„Man könnte annehmen, dass wir aus der Seltene-Erden-Krise unsere Lehren gezogen haben – doch weit gefehlt“,
sagt Jens Gutzmer vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie.
Als sich die Lage 2012 normalisierte, vertrauten deutsche und europäische Unternehmen wieder auf den freien Handel und günstige Preise. „In der Folge versäumte man es, Lieferketten zu diversifizieren, strategische Rohstofflager zu etablieren, eigene Förder- und Verarbeitungsstrukturen aufzubauen, in systematisches Recycling zu investieren oder Substitute für die Seltenen Erden aufzutreiben“, sagt Gutzmer. Die Folge: Chinas Dominanz entlang der Wertschöpfungskette wuchs in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten noch weiter an.
Wie möchte die EU unabhängiger werden?
Nach den Versäumnissen im Jahr 2012 soll nun der zweite Anlauf gelingen – mit diversen nationalen Programmen und dem CRMA. Mit dem CRMA möchte die EU die Abhängigkeit – vor allem von China – für die insgesamt 34 Rohstoffe drastisch reduzieren. Die Ziele bis 2030 sind ehrgeizig: Zehn Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen sollen mithilfe des Bergbaus in der EU und 25 Prozent mittels Recycling gedeckt werden. Der Import wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, aber 40 Prozent der benötigten Materialien sollen in Anlagen innerhalb der EU aufgearbeitet werden. Bei einigen Rohstoffen könnte das klappen, „doch jeder Rohstoff ist einzeln zu betrachten mit dem Blick auf Vorkommen, Aufbereitung, Nutzen und Recycling“, sagt Michaela Schicho, Rohstoffexpertin am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.
Aktionsplan „RESourceEU“ der Europäischen Union
Anfang Dezember 2025 hat die Europäische Kommission den Aktionsplan „RESourceEU“ beschlossen. Dieser soll die Versorgung der EU mit kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Kobalt oder Lithium sicherstellen. Der Plan ergänzt dabei die Verordnung über kritische Rohstoffe (CRMA).
Bestandteil von „RESourceEU“ sind unter anderem:
- Bereitstellung von drei Milliarden Euro innerhalb von 12 Monaten, um kurzfristig zusätzliche Lieferkapazitäten zu ermöglichen
- Einrichtung eines Europäischen Zentrums für kritische Rohstoffe im Jahr 2026 zur Marktbeobachtung und zur Koordinierung von Projekten
- Bündelung von Nachfragen nach Rohstoffen von Unternehmen durch einen Mechanismus, um beim gemeinsamen Einkauf und bei Abnahmevereinbarungen zu unterstützen
- Erstellung eines Konzepts für die Bevorratung kritischer Rohstoffe zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten
- Beschleunigung von Vorhaben zu kritischen Rohstoffen durch risikomindernde Finanzinstrumente und vereinfachte Genehmigungsverfahren
Das Ziel des Aktionsplans ist die Diversifizierung von Lieferketten für kritische Rohstoffe und der Schutz der europäischen Industrie vor geopolitischen Risiken sowie Preisschwankungen.
Import, Eigenförderung und Recycling: Welche Fortschritte gibt es schon?
Bereits heute gibt es einige fortgeschrittene Bergbauentwicklungen in Europa, zum Beispiel das Eisenerz-Bergwerk in der nordschwedischen Stadt Kiruna. Eisenerz ist für die Herstellung von Eisen notwendig, aus dem wiederum Stahl produziert wird. Norra Kärr in Südschweden ist eine Lagerstätte für Seltene Erden, ebenso wie das Bergbaugebiet Sokli im finnischen Teil Lapplands und die Mine Matamulas auf der iberischen Halbinsel in Spanien. Rohstoffvorkommen sind in der EU also durchaus vorhanden. Die Krux liegt jedoch in dem langwierigen, kostenintensiven und komplexen Prozess beim Abbau und der Weiterverarbeitung.
Umso wichtiger wird daher zukünftig das Recycling von Rohstoffen. Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS in Hanau forscht an der Wiederaufbereitung von Neodym-Eisen-Bor-Magneten, die häufig in Generatoren zum Einsatz kommen. In Frankreich will das Unternehmen Caremag bis Ende 2026 eine Recycling- und Separationsanlage für Seltene Erden in Betrieb nehmen und im Jahr darauf erste Materialien liefern.
„Derzeit liegt die Recyclingrate für Seltene Erden geschätzt bei einem Prozent – weltweit“,
sagt Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.
Schneller könnten neue Technologien die Rohstoffabhängigkeit reduzieren. Auch die Autor*innen des EU-Reports machen deutlich, dass technische Alternativen erforscht und die Recycling-Kapazitäten in der EU für Magneten und Turbinen-Komponenten ausgebaut werden müssen, wenn die Abhängigkeit von Drittländern verringert werden soll.
In einem kürzlich erschienenen Sonderbericht stellte der Europäische Rechnungshof jedoch nur geringe Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Vorhaben fest. Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Bemühungen der EU um diversifizierte Importe, heimische Produktion und das Recycling noch nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt hätten. Die Prüfer*innen kritisieren, dass in der Verordnung nur unverbindliche Ziele bis 2030 festgelegt wurden, und warnen davor, dass viele EU-geförderte Projekte nicht mehr im geplanten Zeitrahmen umgesetzt werden können. Der Europäische Rechnungshof mit Sitz in Luxemburg ist eine unabhängige Kontrollbehörde der EU. Er überprüft die Einnahmen und Ausgaben der EU.
Japan zeigt, was möglich ist
Wie Import, Eigenförderung, Recycling und die Suche nach Ersatzstoffen funktionieren kann, zeigt Japan bereits seit 15 Jahren. Das Land beteiligt sich weltweit an Rohstoffprojekten, stärkt das Recycling und die heimische Aufbereitung, ergänzt durch eine strategische Lagerhaltung kritischer Rohstoffe. Diesem Vorbild eifert die EU nach. Lieferabkommen für Rohstoffe wurden beispielsweise mit Südafrika, Usbekistan und im November 2025 mit Australien geschlossen, um die Abhängigkeit von China zu verringern und sich den Zugang zu kritischen Substanzen wie Lithium und Seltenen Erden zu sichern.
Können die Eigenförderung und das Recycling die Abhängigkeiten verringern?
Ob Recycling und eigene Förderung Abhängigkeiten künftig verringern können, hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel Einsatz die EU und ihre Mitgliedsstaaten zeigen, die Pläne umzusetzen.
„Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig“,
warnt die zuständige Rechnungshofprüferin Keit Pentus-Rosimannus. „Daher ist es für die EU entscheidend, sich stärker ins Zeug zu legen und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern.“
Eine unabhängige Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist auch für die deutsche Windindustrie essenziell. Neben diversifizierteren Lieferketten sollte sie neue Rohstoffquellen erschließen, alternative Materialien erforschen und das Recycling ausbauen – andernfalls könnten die Ausbauziele in Gefahr geraten.
Wie es um die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen in anderen Bereichen der Energiewende steht, erfahren Sie auf neueenergie.net:
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© René Bocksch / Windindustrie-in-Deutschland.de
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