Windindustrie in Deutschland: Wie ist die Stimmung in Ihrem Unternehmen vor dieser wichtigen Leitmesse?
Ulrich Zahner: Die Vorfreude steigt, je näher der Termin rückt. Für uns als Allgeier inovar ist die WindEnergy mit ihrer hohen Entscheiderdichte stets eine Pflichtveranstaltung. Hier treffen wir an vier Tagen die Menschen, mit denen wir das ganze Jahr über zusammenarbeiten, und lernen viele neue kennen. Als Digitalisierungspartner begleiten wir die Branche seit Jahren und wachsen mit ihr. Wir kennen ihre Anforderungen und die digitalen Antworten darauf. Daher war es für uns folgerichtig, dieses Jahr erstmals mit einem eigenen Messestand vertreten zu sein – in bester Lage in Halle A4. Schauen Sie gerne am Stand A4.130 vorbei. Wir sehen uns auf der WindEnergy!
WID: Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Hamburg?
Zahner: Die Erneuerbare-Energien-Branche hat in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass sie Herausforderungen in Chancen verwandeln kann. Gerade deshalb freuen wir uns auf die diesjährige WindEnergy Hamburg.
Derzeit steht der Markt unter erheblichem Druck – Fachkräftemangel, angespannte Lieferketten und ein Ausbautempo, das hinter den Zielen zurückbleibt. Vor allem aber kommt mit der geplanten EEG-Novelle 2027 ein tiefer Eingriff auf die Erlösseite der Betreiber zu.
Wir sind überzeugt, dass trotz einiger Widrigkeiten von dieser Messe eine echte Aufbruchsstimmung ausgehen wird. Vor Ort wird sichtbar, welche Lösungen es für die aktuellen Herausforderungen bereits gibt und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt.
Wer ist Allgeier inovar?
Allgeier inovar digitalisiert seit 1977 den deutschen Mittelstand: rund 180 Expertinnen und Experten an sechs Standorten (u. a. Bremen, Hamburg, Münster, Nürnberg), über 1.000 Kunden und 49.000 Endanwender:innen. Als Teil der Allgeier SE bietet das Unternehmen ein Software-Portfolio aus ERP, DMS/ECM, E-Commerce, Business Intelligence sowie Portalen & Apps.
Messestand auf der WindEnergy Hamburg 2026: Halle A4 | 130
Ulrich Zahner ist Geschäftsführer von Allgeier inovar.
WID: Welche Top-3-Trendthemen beschäftigen die Branche Ihrer Meinung nach?
Zahner: Erstens die Regulatorik: Tritt die EEG-Novelle 2027 wie derzeit vorgesehen in Kraft, wird die Erlösseite der Betreiber deutlich komplexer, etwa durch Mehrerlösabführung, Verzicht auf Entschädigung in kapazitätslimitierten Gebieten und parallel laufende Fördersysteme. Aus einem festen Gefüge wird ein Zusammenspiel mehrerer beweglicher Teile, das je Anlage nachgehalten, über Jahre belegt und laufend bewertet werden muss. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die kaufmännische Betriebsführung vollends zur Steuerungsinstanz, die das Geschäft aktiv mitgestaltet.
Zweitens die Digitalisierung in all ihren Facetten – von der intelligenten Netzsteuerung über das Condition Monitoring bis hin zu digitalen Genehmigungs- und Meldeprozessen. Zunehmend etabliert sich am Markt auch die Integration von technischer und kaufmännischer Betriebsführung auf Basis von IoT-Echtzeitdaten. Bei der Digitalisierung hat die Branche bereits viel erreicht, ausgeschöpft ist das volle Potenzial aber längst noch nicht.
Drittens Künstliche Intelligenz: Sie gewinnt weiter an Bedeutung, etwa bei Erzeugungs- und Verbrauchsprognosen, bei der Früherkennung von Anomalien im Anlagenbetrieb und bei der Auswertung umfangreicher Vertrags- und Regelwerke.
- Veranstaltungshinweis08.09.2026Mit dem EEG 2027 und dem Netzanschlusspaket steht der Energiewirtschaft und den Erneuerbaren ein Paradigmenwechsel bevor. Der Referentenentwurf sieht bereits ...
WID: Welche Produkthighlights haben Sie im Gepäck?
Zahner: Am meisten beschäftigt uns derzeit die EEG-Novelle, und zwei unserer drei Produktschwerpunkte hängen unmittelbar damit zusammen. Beim dritten geht es um den Austausch zwischen Betreibern und ihren Partnern.
Der erste ist der AURELO Energiepark Manager, unsere Lösung für die kaufmännische Betriebsführung in der Erneuerbare-Energien-Branche. Sie begleitet Planer, Projektentwickler und Betriebsführer über den gesamten Lebenszyklus eines Windparks – von der Planung über den Bau bis in den laufenden Betrieb mit Abrechnung, Controlling und Finanzmanagement. Nach dem aktuellen Entwurf der Novelle sind unter anderem Mehrerlösabführung und parallel laufende Fördersysteme künftig je Anlage nachzuhalten und über Jahre zu belegen. Damit rückt die kaufmännische Betriebsführung noch weiter in eine steuernde Rolle: als die zentrale Stelle, an der Verträge, Pachten, Erlösabrechnungen, Prognosen und Zahlungsströme zusammenlaufen. Die wesentlichen Anforderungen bildet AURELO bereits ab. Mit den Detailfragen befassen wir uns, sobald der Bundestag entschieden hat.
Der zweite Schwerpunkt ist die Integration der kaufmännischen mit der technischen Betriebsführung. Bleibt es beim jetzigen Wortlaut der EEG-Novelle 2027, reicht es nicht mehr, zu wissen, wie viel Strom gefehlt hat. Entscheidend wird das Warum. Heute ist die abrechnungsrelevante Größe im Wesentlichen die eingespeiste Menge. Künftig kann eine Teilmenge aus ganz verschiedenen Gründen ausbleiben, und jeder Grund hat andere finanzielle Folgen: Bei negativen Börsenpreisen entfällt die Förderung, für Redispatch wird der Betreiber entschädigt, bei technischer Nichtverfügbarkeit haftet der Hersteller. Rein kaufmännisch sehen diese Fälle jedoch gleich aus, denn in allen fehlt Produktion. Woran es genau liegt, weiß nur die technische Seite – aus der Anlagensteuerung und den Störungsmeldungen. Diese Information muss aus der technischen Betriebsführung in die Abrechnung der kaufmännischen Seite gelangen. Automatisieren lässt sich das, indem die IoT-Daten aus der Anlage ohne manuelle Zwischenschritte direkt ins Abrechnungssystem laufen.
Und wir zeigen erstmals das Allgeier Betreiberportal einem größeren Fachpublikum. Die Lösung haben wir Anfang des Jahres gelauncht. Der Bedarf an zentraler Informationsbereitstellung wächst stetig, denn Betreiber müssen immer mehr Partner auf dem Laufenden halten. Über das Portal, das auch als mobile App verfügbar ist, erhalten etwa Grundstückseigentümer, Gesellschafter oder Gemeinden Zugriff auf die für sie relevanten Verträge, Abrechnungen und Betriebsinformationen. Das entlastet auch die Organisation des Betreibers, weil die Beteiligten sich Unterlagen und Statusinformationen selbst holen können.
- 09.09.2026Alles zur WindEnergy Hamburg 2026 auf einen Blick: Jetzt zum Branchenticker anmelden und während der Messewoche relevante Informationen zur Messe täglich als ...
WID: Gibt es besondere Events oder Termine, die wir ankündigen können?
Zahner: Wir wollen dieses Jahr an unserem Stand auf der WindEnergy besonders viel zeigen und bieten deshalb so viele Demo-Termine an wie nie zuvor. Im Fokus steht dabei vor allem die Integration der kaufmännischen mit der technischen Betriebsführung. Gemeinsam mit unserem Partner it-novum führen wir vor, wie sich Anlagen- und Netzdaten in Echtzeit anbinden lassen und wie sich das in der kaufmännischen Betriebsführung niederschlägt. Falls Sie auch einen Demotermin wünschen, gerne hier anmelden: https://allgeier-inovar.de/event/windenergy-hamburg/
Die WindEnergy Hamburg 2026 findet vom 22. bis 25. September statt. Auf der internationalen Messe treffen sich Fachbesuchende, Entscheider*innen und Nachwuchskräfte, um sich zu vernetzen und die neuesten Lösungen für die On‑ und Offshore‑Windenergie zu präsentieren.
Mehr Informationen zur Messe finden Sie hier: www.windenergyhamburg.de
Den Bundesverband Windenergie (BWE) finden Sie in Halle A1 | 308.
Aktuelles zur WindEnergy Hamburg 2026:
- Fachartikel21.09.2026Das junge Unternehmen ProTecBird will den Konflikt zwischen Windenergie und Vogelschutz technisch entschärfen. Hinrich Habeck, Leiter Strategische ...
- Fachartikel17.09.2026Alexander Frieling von Allianz Trade erläutert im Vorfeld der WindEnergy Hamburg 2026 zentrale Risiken der Energiewirtschaft: Preisvolatilität, ...
- Fachartikel09.09.2026Die Windbranche reist mit gemischten Gefühlen nach Hamburg: Während Projektierer und Betreiber neue Partnerschaften, Geschäfte und Innovationen suchen, sorgen ...
Passende Veranstaltungen:








