Hersteller setzten auf Plattformkonzepte

Aufbau einer Senvion 3.2M/114 im Windpark Beltheim im Hunsrück

Das Höhenwachstum der Windenergieanlagen in Deutschland setzt sich unvermindert fort. 2014 ist die Nabenhöhe von Neuanlagen erstmals über die Marke von 115 Metern geklettert. Gleichzeitig steigen auch der durchschnittliche Rotordurchmesser auf fast 100 Meter und die Nennleistung der Anlagen auf fast 2,7 Megawatt (MW).

Dabei überdecken die Durchschnittswerte, dass die Hersteller ihre Anlagen immer mehr für die verschiedenen Standorte optimieren: Typische Anlagen mit 3 Megawatt Nennleistung werden mit unterschiedlichen Rotordurchmessern angeboten. Kleinere Durchmesser von rund 100 Metern sind dabei für Starkwindstandorte an den Küsten ausgelegt. Durchmesser von bis zu 130 Metern bieten an schwächeren Standorten die beste Relation aus Investition und Ertrag. Dazu kommt die richtige Wahl des Turmes: In Bayern und Baden-Württemberg stehen repräsentative 3 Megawatt Turbinen auf 135 Meter hohen Stahl- und Betonsäulen. In Schleswig-Holstein auf nur 100 Meter hohen Türmen.

Winprofile mit und ohne Einfluss des Waldes.

Hersteller setzten auf Plattformkonzepte

Um diese Varianten anbieten zu können, setzten die Hersteller auf Plattformkonzepte und folgen damit dem Vorbild der Autoindustrie. Höhere Produktionszahlen von Kernkomponenten ermöglichen es, die Preise für Windkraftanlagen weiter zu senken. Nach Branchenangaben sollen die Stromgestehungskosten der Anlagen auch an weniger windhöffigen Standorten bis 2030 auf 4,5 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh ) sinken. Laut Deutsche WindGuard liegen sie heute zwischen 6,25 und 11 ct/kWh.

Durch die standortangepassten Anlagen ist die Windenergie heute in allen Regionen Deutschlands wirtschaftlich. In der Folge steigt der Anteil der südlichen Bundesländer an der installierten Windkraftleistung kontinuierlich. Dort rücken dabei auch Waldstandorte in den Blick. Hessen und Rheinland-Pfalz haben mit rund 42 Prozent den höchsten Waldanteil unter den Ländern. Auch Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland liegen mit Waldanteilen zwischen 38 und 30 Prozent in der Länderstatistik weit vorne.

Wind im Wald hat noch Potential

Bisher stehen nur wenige Windräder im Wald, in Nordrhein-Westfalen beispielsweise nur 50 von 2900 Anlagen. Untersuchungen des TÜV Süd zeigen, dass über dem offenem Land eine starke und gleichmässige Anströmung schon bei 100 Metern Nabenhöhe gegeben ist. Über Wald liegt dieser Wert bei 140 Metern. Heute sind solche Anlagen standardmässig verfügbar. Sie schaffen einen Mindestabstand zwischen Rotorblattspitzen und Baumwipfeln von 50 Metern und mehr. Die Technik hilft auch, die Anforderungen des Naturschutzes an Waldstandorten zu erfüllen. Fledermäuse etwa sind vor allem in warmen, windarmen Sommernächten unterwegs, bei solchen (ohnhin ertragsschwachen) Wetterlagen können die Betreiber ihre Anlagen per Fernwartung aus dem Betrieb nehmen und so die Konflikte mit dem Naturschutz lösen

Die Grafik illustriert, welchen Anteil die unterschiedlichen Turmhöhen am Zubau haben.