Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz sind die zentralen Elemente im vom ZSW entwickelten Antikollisionssystem BirdRecorder. Für die Vogel- und Vogelarterkennung kommen innovative KI-Methoden zum Einsatz.
„Mit unserer selbst entwickelten KI-Lösung leisten wir einen zentralen Beitrag zum naturverträglichen Ausbau der Windenergie“,
erklärt Projektleiter Nico Klar.
Das System kann gefährdete Vogelarten wie den Rotmilan frühzeitig erkennen und Windenergieanlagen rechtzeitig in den sicheren Trudelbetrieb versetzen. Es ist modular aufgebaut, mit insgesamt zwölf Kameras ausgestattet und lässt sich dadurch flexibel an unterschiedliche Windpark-Layouts anpassen.
Arterkennung bis zu 1.500 Metern
Die Interventionszone von Windenergieanlagen muss mindestens 500 Meter betragen, um bei den typischen Fluggeschwindigkeiten gefährdeter Vogelarten wie dem Rotmilan rechtzeitig reagieren zu können. Der BirdRecorder erkennt solche Vögel bereits ab 800 Metern zuverlässig. Bei einem Einflug in die Interventionszone gibt das System ein Signal zum sofortigen Übergang der Anlage in den sicheren Trudelmodus. Sobald das Tier den Gefahrenbereich verlassen hat, wird der Normalbetrieb automatisch wieder aufgenommen.

BirdRecorder wurde im Jahr 2024 auf dem Windenergieforschungstestfeld des ZSW auf der Schwäbischen Alb bei Geislingen umfassend validiert. Dabei erreichte die Klassifikation von Vogelarten eine sehr beeindruckende Genauigkeit von 96,9 % im Erfassungsbereich von 0 bis 1.500 Metern – ein wichtiger Meilenstein für die artspezifische Reaktion von Windenergieanlagen.
Die gewonnenen Erkenntnisse aus der Praxis fließen fortlaufend in die Weiterentwicklung des Systems ein – mit dem Ziel, die Integration in bestehende Windparks zu erleichtern und die Erkennungsempfindlichkeit weiter zu erhöhen. Aktuell wird das System auf weitere windkraftempfindliche Arten erweitert. Gleichzeitig wird die Detektionsleistung unter anspruchsvollen Bedingungen – etwa bei ungünstiger Witterung oder kleinen Zielobjekten – weiter optimiert, um die Erkennungszuverlässigkeit kontinuierlich zu verbessern.
Der naturverträgliche Ausbau der Windenergie wird in den kommenden Jahren zunehmend an Standorten mit hohem Artenschutzbedarf stattfinden. Antikollisionssysteme wie der BirdRecorder sind dabei eine Schlüsseltechnologie, um den Schutz sensibler Arten mit einer effizienten Stromerzeugung in Einklang zu bringen.
Foto: ZSW / David Arzt
Weiterführende Informationen zum Projekt BirdRecorder:
- Status: Geplante Markteinführung im Jahr 2026
- Standort: Schwäbische Alb
- Ziel des Projekts: Artenschutz und Klimaschutz bei der Nutzung von Windenergie miteinander in Einklang zu bringen.
- Das Forschungsvorhaben ist Teil der „Umsetzung der Naturschutzforschung im Windtestfeld an Land (NatForWINSENT II)“ und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und vom Bundesamt für Naturschutz gefördert.
- Mehr erfahren zu KI in der Windenergie und über das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).
Dieser Beitrag ist aus dem BWE Branchenreport 2026. Jetzt kostenfrei herunterladen und den umfassendsten Überblick über die deutsche Windenergiebranche erhalten:
Auch interessant:
- Fachartikel02.03.2026In geeigneten Solarparks brütet die Feldlerche häufig. Trotzdem verlangen Behörden oft umfangreiche Ausgleichsflächen. Sind die Vorgaben noch zeitgemäß?
- Fachartikel26.02.2026Ob in Generatoren, Katalysatoren oder in der Gondel – in Windenergieanlagen stecken diverse kritische Rohstoffe und spezielle Baumaterialien wie Balsaholz, das ...
- Fachartikel24.02.2026Das Konzept Holz-Hybridturm verspricht, große Nabenhöhen von 200 Metern und mehr mit geringerem Betonverbrauch zu realisieren. Im Interview erklärt Thomas ...








