Mit dem Ausbau der Windenergie wachsen auch die Anforderungen an Betreiber. Neben technischen und wirtschaftlichen Aufgaben steigt insbesondere der administrative Aufwand kontinuierlich. So führen beispielsweise regulatorische Vorgaben und Berichtspflichten dazu, dass immer mehr Prozesse dokumentiert und revisionssicher nachvollzogen werden müssen.

Mit seiner aktuellen „Beschleunigungsagenda“ hat der BWE wichtige Impulse zur Beschleunigung der Energiewende gesetzt: von Netzausbau über die Digitalisierung der Netze bis hin zur Reduktion von Redispatchkosten. Ein entscheidender Hebel bleibt bislang jedoch noch unterbelichtet – die Digitalisierung der administrativen Prozesse hinter der Energiewende.

Warum fragmentierte Strukturen die Verwaltung ausbremsen

In vielen Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche haben sich administrative Abläufe über Jahre hinweg entwickelt und sind heute oft fragmentiert und uneinheitlich. Unterschiedliche Systeme, manuelle Datenübertragungen und dezentrale Ablagen führen zu Medienbrüchen und erschweren eine konsistente Datenbasis. Informationen liegen verteilt vor, Zuständigkeiten sind nicht immer eindeutig geregelt, und Prozesse bleiben oft intransparent.

Gerade bei wiederkehrenden Aufgaben – etwa im Vertragsmanagement, im Reporting oder in der Abrechnung – summiert sich dieser Mehraufwand erheblich. Ein Großteil der Zeit fließt nicht in wertschöpfende Tätigkeiten, sondern in Suche, Abstimmung und Nachbearbeitung. Die Folge sind eine erhöhte Fehleranfälligkeit und eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit im Betriebsalltag.

Digitale Prozesse als Hebel für Effizienz und Betriebsführung

Digitale Lösungen sind der zentrale Hebel, um administrative Prozesse nachhaltig zu optimieren. Eine zentrale Datenhaltung schafft Transparenz, standardisierte und automatisierte Abläufe reduzieren manuelle Tätigkeiten, und klare Kommunikationsstrukturen verbessern die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

Wie groß das Potenzial digitaler Prozesse ist, zeigt die Praxis: Ein kaufmännischer Leiter eines Projektierers berichtet, dass papierbasierte Ablagen und isolierte Tabellenlösungen vollständig abgelöst werden konnten. Trotz einer Verzwanzigfachung der betreuten Windenergieanlagen blieb das Arbeitsvolumen in der Verwaltung über Jahre hinweg stabil. Wachstum wird so möglich, ohne dass der administrative Aufwand proportional steigt.
Besonders komplex ist die kaufmännische Betriebsführung: Über den Lebenszyklus einer Anlage hinweg fallen bis zu 50.000 Vorgänge an. Dazu zählen unter anderem Anforderungen aus dem EEG, Betreiber- und Investorenabrechnungen sowie Pachtzahlungen. Häufig sind zahlreiche Beteiligte eingebunden, etwa Bürger als Kommanditisten oder Energiegenossenschaften mit vielen Mitgliedern. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an ein präzises Vertrags-, Abrechnungs- und Datenmanagement.

Alles an einem Ort: Einsatz von digitalen Betreiberportalen

Ein Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind digitale Betreiberportale. Wie bei anderen digitalen Lösungen wird auch bei Betreiberportalen die Nutzerfreundlichkeit immer wichtiger: Inhalte und Funktionen sollen einfach und gut zugänglich sein. Sie führen Informationen zusammen und ermöglichen es, unterschiedliche Stakeholder gezielt einzubinden.

Verträge, Abrechnungen, technische Daten und projektbezogene Unterlagen werden zentral verwaltet und sind für berechtigte Nutzer jederzeit, auch per App auf Tablet oder Smartphone, abrufbar. Im Betriebsalltag bedeutet das eine deutliche Entlastung: Anfragen, Dokumente und Abstimmungen laufen nicht mehr parallel über E-Mail, Telefon und lokale Ablagen, sondern sind an einem Ort gebündelt und permanent nachvollziehbar. Dokumente stehen in der aktuellen Version zur Verfügung, wodurch der Abstimmungsaufwand sinkt, und Inkonsistenzen vermieden werden.

Auch die Kommunikation wird strukturierter. Projekt- oder anlagenbezogene Austauschprozesse erfolgen direkt innerhalb des Systems. Benachrichtigungsfunktionen sorgen dafür, dass relevante Änderungen, neue Dokumente oder Fristen nicht übersehen werden.
Durch differenzierte Rollen- und Rechtemodelle lassen sich zudem Informationen gezielt steuern. Unterschiedliche Anspruchsgruppen erhalten so genau die Einblicke, die für sie relevant sind.

Effiziente Prozesse als Grundlage für nachhaltiges Wachstum

Administrative Effizienz wird vor dem Hintergrund steigender Anforderungen zu einem zentralen Erfolgsfaktor im Anlagenbetrieb.
Gleichzeitig bleiben personelle Ressourcen begrenzt. Kapazitäten, die heute in manuellen Verwaltungsaufgaben gebunden sind, werden künftig an anderer Stelle benötigt – für strategische Entwicklung, technische Optimierung und die Weiterentwicklung von Betrieb und Portfolio.

Wer administrative Prozesse frühzeitig konsequent digitalisiert, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

Ulrich Zahner ist Geschäftsführer von Allgeier inovar und gestaltet die Digitalisierung in der Erneuerbare-Energien-Branche aktiv mit. Dabei treibt er insbesondere effiziente Prozesse voran. Zuvor war der ERP-Experte viele Jahre im Vertrieb des Unternehmens tätig. Heute verantwortet er neben der Unternehmensleitung die strategische sowie die vertriebliche Ausrichtung.

Dieser Beitrag erschien im BetreiberBrief 2-2026. Jetzt registrieren und künftig alle aktuellen Ausgaben per Mail erhalten!

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