Datenbasierte Wartung: Mit einer kollaborativen Plattform Vernetzung und neue Geschäftsmodelle fördern

Kollaborationsplattform zur förderung der Vernetzung zwischen den einzelnen Vertragspartnern beim Betrieb von Windenergieanlagen. Quelle: Lufthansa Industry Solutions

 

Ob Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes oder Einführung von Smart Grids: Die Windenergiebranche steht hierzulande vor vielen Herausforderungen. Der Markt verändert sich aufgrund der zahlreichen energiewirtschaftlichen Treiber dynamisch und verlangt von allen Akteuren, ihre Geschäftsmodelle kontinuierlich anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Da die Zukunftsfähigkeit von Windenergie Prozessbeteiligten maßgeblich an den störungsfreien Betrieb der Anlagen gekoppelt ist, kommt der Wartung eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der vielen beteiligten Akteure– ist es häufig nicht leicht, die Ansprüche an Qualität, Sicherheit und Nachweispflicht zu erfüllen und gleichzeitig so kosteneffizient wie möglich zu arbeiten. Insellösungen erschweren zusätzlich die Zusammenarbeit und Prozessautomatisierungen. Abhilfe könnte hier in Zukunft eine kollaborative Plattformlösung schaffen, welche die Vernetzung fördert.

Windanlagenhersteller, Betriebsführer, Betreiber, Servicedienstleister und Gutachter: Sie alle müssen Hand in Hand zusammenarbeiten, damit ein Windpark oder eine Windkraftanlage Energie erzeugen kann – und das möglichst ausfallsicher. Insbesondere an der Instandhaltung sind häufig eine Vielzahl an Unternehmen beziehungsweise Servicedienstleistern beteiligt, die untereinander Informationen teilen und lückenlos kommunizieren müssen. Hinzu kommt der unternehmensübergreifende Einsatz moderner Technologien wie Cloud oder Big Data, die gerade durch ihre integrierte Verwendung neue digitale Services ermöglichen. Daraus ergeben sich jedoch auch häufig komplexe IT-Landschaften, die durch eine hohe Anzahl an Schnittstellen und Daten geprägt sind.


Service-Markt kostengünstiger gestalten

Um die Vernetzung und den sicheren Datenaustausch zwischen den einzelnen Vertragspartnern im After-Sales- und Service-Markt zu fördern und dadurch die Arbeit mithilfe von Prozessautomatisierungen zeitsparender und kostengünstiger zu gestalten, lohnt sich der Aufbau einer kollaborativen Plattform. Die Vorteile: Insellösungen verschmelzen, der Datenaustausch wird standardisiert und der Zugriff auf integrierte Lösungen nach Bedarf möglich. Letztendlich werden dann auch neue Geschäftsmodelle für jeden einzelnen Plattformteilnehmer ersichtlich. Das Besondere dabei: Jeder Akteur auf der Plattform behält die Hoheit über die Daten, die er erzeugt hat. Beispielsweise stellt die Plattform einem Unternehmen, dass die Anlagendaten des Herstellers für eine Wartungsaufgabe benötigt, diese zur Verfügung. Jeder Teilnehmer der Plattform definiert, mit welchem Partner er sich vernetzen will und welche Informationen dem jeweiligen Partner, mit dem er eine Vertragsbeziehung führt, zugänglich sind. So sieht jeder Plattformteilnehmer nur die Informationen, die er auch benötigt.


Mithilfe von Data Analytics neue Services entwickeln

Lufthansa Industry Solutions arbeitet derzeit an dem Aufbau einer solchen Plattform namens Windpulse. Welchen Mehrwert eine solche technologische Plattform bietet, verdeutlicht folgendes Beispiel (exemplarisch): Einem Bremsenhersteller einer Windkraftanlage werden über die Plattform Sensorik- und Big-Data-Know-how zur Verfügung gestellt. Dadurch hat er die Möglichkeit, seine Baugruppe intelligent zu gestalten. Er stattet seine Bremsen mit Sensoren aus und verbaut diese. Der Bremsenhersteller kann das Verhalten der Bremsbaugruppe, die er dem Windkraftanlagenhersteller zur Verfügung gestellt hat, jetzt mithilfe einer über die Plattform bereitgestellten Lösung monitoren. Es lohnt sich zudem, die von den Sensoren gesammelten Daten zu analysieren. Das kann der Hersteller ebenfalls über einen digitalen Service auf der Plattform tun.


Jedes benötigte Know-how – sei es im Bereich Sensorik oder in puncto Data Analytics – kann der Bremsenhersteller über die Plattform beziehen. Damit der Bremsenhersteller außerdem weiß, wie sich die Bremsen in der Anlage verhalten, kann er sich diese vor Ort ansehen und mithilfe der mobilen Service-App Windpulse4MRO dokumentieren. Ausgehend von diesen vielfältigen Informationen kann der Bremsenhersteller nun dem Windanlagenhersteller Empfehlungen für Wartungsprogramme geben. Oder er ist in der Lage anhand der gesammelten Erkenntnisse, eigene Wartungsstrategien zu entwickeln und so ein neues Serviceangebot zu schaffen. Noch weitergedacht, geben ihm die gesammelten Daten vielleicht Anlass, einen neuen Bremsentyp zu entwickeln.


Auch andere Akteure wie Betriebsführer können aus einer kollaborativen Plattform wie Windpulse ihren Nutzen ziehen. Der Betriebsführer ist in der Lage, über die Plattform andere Dienstleister zu beauftragen und ihnen gleich die notwendigen Informationen zu der Anlage und zu der Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Der Dienstleister arbeitet dann selbst auch in diese digitale Lösung hinein und stellt damit die neuen Informationen unmittelbar dem Betriebsführer bereit. Dadurch haben alle Beteiligten den gleichen Informationsstand und die Vernetzung wird gefördert. Der lückenlose Informationsaustausch ist auch über die gängigen Kommunikationswege möglich, allerdings geschieht der Informationsaustausch über die Plattform kosteneffizienter und die Prozessautomatisierung wird vorangetrieben.
Gerade deshalb arbeitet Lufthansa Industry Solutions an Windpulse. Das Ziel ist es, den verschiedenen Akteuren wie Herstellern, Betriebsführern, Betreibern, Servicedienstleistern und Gutachtern über die Plattform sowohl die App Windpulse4MRO als auch zahlreiche andere digitale Services zur Verfügung zu stellen wie etwa Marktwert- und Datenanalysen, Sensorik-Lösungen oder IT-Security-Konzepte. Als Bindeglied, das alle Beteiligten und Angebot und Nachfrage zusammenbringt, soll die kollaborative Lösung langfristig die datenbasierte Vernetzung vorantreiben.

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Zum Autor:Sascha Jevremović, Jahrgang 1972, ist seit 2015 bei der LHIND im Business Development MRO. Seinen Einstieg im Service-Markt fand Herr Jevremovic 1998 bei der Vossloh Schienenfahrzeugtechnik GmbH als Projektingenieur in der Instandhaltung. Weitere Stationen umfassten IDS Scheer AG in Saarbrücken und anschließend Software AG in Darmstadt, Scheer Management GmbH in München, sowie FastLeanSmart in Kiel, tätig in der Entwicklung und Umsetzung von Sales- und Business Development-Strategien, im Auf- und Ausbau von internationalen Geschäftsfeldern für Instandhaltung, Service und Wartung. Sascha Jevremovic studierte Maschinenbau in Kiel, zudem ist er in der Regionalleitung der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) in Schleswig-Holstein.