Selbst machen oder einen Dritten beauftragen? Vor dieser Frage stehen Entscheider immer dann, wenn eine neue Aufgabe außerhalb der Kernkompetenz des Unternehmens liegt. Die eine Antwort darauf gibt es selten, denn die perfekte Lösung ist allzu oft von vielen Faktoren abhängig. So ist es auch bei der Zustandsüberwachung.

Herausfordernde Aufgabe

Das Zustandsmonitoring von Windenergieanlagen ist eine komplexe Kunst. Sensoren unterschiedlichster Couleur sind an ausgewählten Stellen des Antriebsstrangs, der Rotorblätter und des Turms angebracht. Sie liefern kontinuierlich eine Fülle von Rohdaten. Ohne entsprechende Aufbereitung sind diese Daten wertlos. Denn nur durch aufbereitete Daten lassen sich die zahlreichen möglichen Auswirkungen kleiner Veränderungen im Laufe der Zeit auf bestimmte Sensormesswerte sichtbar machen, interpretieren und potenzielle Folgen abschätzen.

Hinzu kommt, dass Condition-Monitoring-Analysten mit immer komplexeren Berechnungsverfahren arbeiten, um vorherzusagen, was eine Änderung der Messdaten für die Windkraftanlage bedeutet. Diese Algorithmen werden anhand jahrelanger Daten von einer Vielzahl unterschiedlicher Windturbinentypen trainiert und laufend überprüft.

Komplexes Zusammenspiel

Neben der Hard- und Software zur Überwachung sowie einem geeigneten Visualisierungswerkzeug braucht es das notwendige Fachwissen: Dazu gehört vor allem Experten-Know-how in der Schwingungsanalyse. Das bedeutet jedoch nicht nur eine Ausbildung auf fortgeschrittenem Niveau, sondern auch, dass man über einen langen Zeitraum mit einer Vielzahl von Anlagen gearbeitet hat, um die tatsächliche Bedeutung und Signifikanz von Veränderungen in den Daten zu verstehen. Ist der Analyst überdies mit dem zu überwachenden Turbinentyp vertraut, ermöglicht dies präzisere Aussagen darüber, welche Ausfallmechanismen am wahrscheinlichsten sind. Gleichzeitig hilft es in der Beurteilung, ob und gegebenenfalls welche Abhilfemaßnahmen entweder vor Ort oder durch einen tiefergehenden Remote-Eingriff durchgeführt werden können.

Inhouse oder extern?

Betreiber mit einer großen und perspektivisch wachsenden Anzahl von Turbinen suchen zur Überwachung ihrer Anlagen meist nach Inhouse-Lösungen. Sind es hingegen nur wenige zu kontrollierende Systeme, kann ein kompletter Service durch einen externen Partner die bessere Lösung sein. Monitoring-Experten übernehmen im Auftrag des Betreibers alle Zustandsüberwachungsprozesse und geben Empfehlungen an das Team, das für die Planung der Wartungsmaßnahmen vor Ort zuständig ist.

Individueller Unterstützungsgrad

Denkbar sind jedoch auch hybride Modelle, bei denen der Betreiber den gewünschten Grad der Unterstützung durch den externen Anbieter selbst definiert. Denn vielleicht fehlt nur ein Puzzlestück zur konsequenten und kompletten Eigenleistung – wie ausreichende Ressourcen, Infrastruktur und Werkzeuge oder entsprechendes Fachwissen.

Eine erhebliche Entlastung der eigenen Ressourcen kann beispielsweise durch ein Outsourcing des Daten-Screenings erreicht werden. Dazu existieren beispielsweise Service-Angebote, die das Hosting der Daten sowie die täglichen Routineprozesse zur Überprüfung der Datenqualität und die Beseitigung von Fehlalarmen umfassen: Nur neue Informationen über den Maschinenzustand werden an das Support-Team des Betreibers weitergeleitet. Darüber hinaus kann ein zertifiziertes Schulungsangebot dem Team des Betreibers helfen, die erforderlichen technischen Kenntnisse der Schwingungsanalyse zu erwerben.

Wollen Betreiber jedoch eine eigene Überwachung etablieren, ohne selbst in die dafür notwendige, kostenintensive IT-Infrastruktur investieren zu müssen, bietet sich das reine Daten-Hosting an: In einer Cloud-Lösung übernehmen die Betreiber die volle Verantwortung für ihre eigene Zustandsüberwachung. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auch das Hosting ihrer Daten selbst übernehmen wollen, bietet der Anbieter die notwendige Unterstützung einschließlich Lizenzpaketen und technischem Support an.

Zuverlässig in Partnerschaft                                            

Die Entscheidung, Condition Monitoring ins eigene Haus zu holen, ist komplex, und es gibt keine Einheitslösung für alle. Für einen Betreiber, der die Kontrolle über die Zustandsüberwachung seiner Windenergieanlagen behalten möchte, könnte eine Hybridlösung die bestmögliche Option sein. Bei spezialisierten Anbietern kann er dabei auf die transparente Überwachung seiner Anlagen und höchste Datensicherheit vertrauen. Der Betreiber sollte dabei einen kompletten Zugang zu allen Monitoring-Daten erhalten, damit er einen vollständigen Überblick zum Status seiner Anlagen bekommt, seine eigenen Entscheidungen treffen und seine eigene Überwachungsstrategie umsetzen kann. In besonders schwierigen Fällen sollte er jedoch die Möglichkeit haben, auf die Beratung und Unterstützung seines Dienstleistungspartners zurückzugreifen.

David Futter ist Abteilungsleiter Condition Monitoring Consultancy bei Bachmann Monitoring in Rudolstadt. Der Spezialist für Schwingungsanalyse für die Zustandsüberwachung ist Physiker und Ingenieur und Mitglied in Normenausschüssen beim BSI und ISO Norm Committee. Zudem ist er Approved Training Coordinator des Bachmann-Trainingscenters.

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