Welche zentralen technischen und organisatorischen Herausforderungen sehen Sie derzeit in der Betriebsführung von Solarparks (und Windparks) – insbesondere im Hinblick auf Alterung, Verfügbarkeit und Netzintegration?
Andreas Grüning: Ein zentrales Thema ist aktuell die Ersatzteilverfügbarkeit – insbesondere bei Komponenten, die aus Nicht-EU-Ländern stammen. Lieferketten sind teils fragil, was bei Ausfällen unmittelbar Einfluss auf Verfügbarkeitsgarantien nimmt. Parallel dazu wachsen die Leistungsdimensionen der Wechselrichter rasant. Ein Ausfall einzelner Geräte wiegt dadurch deutlich schwerer als noch vor wenigen Jahren.
Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel: Qualifiziertes Personal im Feld zu finden und langfristig zu halten, ist eine Herausforderung, die sich quer durch die gesamte Branche zieht.
Auch die Netzintegration wird komplexer – vor allem mit Blick auf hybride Anlagen und Batteriespeicher. Viele Betreiber stehen vor der Frage, wie sich Speicher optimal in bestehende Parks integrieren lassen. Erfahrungswerte zur Fahrweise und Degradation fehlen oft noch.
Und schließlich belasten die immer häufiger angeordneten Regelmaßnahmen durch Netzbetreiber oder Direktvermarkter die Betriebsführung enorm – insbesondere durch den Abrechnungsaufwand, der sich über Wochen oder gar Monate hinziehen kann.
Wo liegen aus Ihrer Erfahrung die häufigsten Schwachstellen im laufenden Betrieb – etwa bei der Datenanalyse, Fehlerdiagnose oder Instandhaltungsplanung – und wie können Betreiber*innen dem vorbeugen?
Eine der größten Herausforderungen bleibt, das richtige Personal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Gleichzeitig werden die Komponenten immer leistungsfähiger – und schwerer. Das bedeutet: Für den Tausch im unbefestigten Gelände sind häufig geländegängige Spezialgeräte erforderlich, die nicht überall sofort verfügbar sind.
Hinzu kommen Defizite bei der Dokumentation. Falsch gepflegte oder veraltete String-Pläne sowie unvollständige „as-built“-Dokumentationen erschweren eine schnelle Fehlerdiagnose erheblich. Betreiber sollten hier auf eine saubere, digitale Dokumentation und regelmäßige Updates achten. Auch eine klare Ersatzteilstrategie und verbindliche Supportzusagen der Hersteller helfen, Ausfallzeiten deutlich zu reduzieren.
Wie unterstützen Sie Ihre Kund*innen konkret dabei, die technische Performance ihrer Solaranlagen zu steigern und Ertragsverluste frühzeitig zu erkennen?
Ein durchdachtes, kontinuierliches Monitoring bildet das Rückgrat unserer Arbeit. Dabei berücksichtigen wir parkindividuelle Gegebenheiten wie saisonale Verschattungen oder lokale Besonderheiten in der Alarmkonfiguration.
Zudem setzen wir präventiv auf Thermografiebefliegungen mittels Drohnen, um fehlerhafte Module oder ganze Chargen frühzeitig zu identifizieren – und rechtzeitig Gewährleistungsansprüche geltend machen zu können.
Auch Software-Updates und die Anpassung von Wartungszyklen gehören zu unserem Standardprozess. Nicht zu unterschätzen ist schließlich die Grünpflege: Sie beeinflusst Ertrag und Sicherheit erheblich und wird von uns parkindividuell geplant und gesteuert.
Welche Bedeutung haben moderne Monitoring- und SCADA-Systeme in Ihrer täglichen Arbeit – und wie verändern Digitalisierung und Automatisierung die Betriebsführung?
Ohne ein zuverlässiges Monitoringsystem und einen leistungsfähigen Leitstand ist eine effiziente Betriebsführung heute schlicht nicht möglich.
Automatisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle – vor allem bei wiederkehrenden Anomalien. Wenn unsere Experten und Expertinnen Muster erkennen, können diese direkt im Monitoringsystem automatisiert werden. So reduzieren wir Fehlalarme, priorisieren kritische Ereignisse und schaffen Transparenz.
Das Ziel ist eine intelligente Balance: möglichst viele Alarme, um keine Fehler zu übersehen – aber nur so viele wie nötig, um Ressourcen effizient einzusetzen. Trotz aller Digitalisierung bleibt die menschliche Erfahrung dabei unverzichtbar. Die Erstbewertung durch erfahrene Fachkräfte ist entscheidend, um die individuellen Besonderheiten jedes Parks zu berücksichtigen.
Wie stellen Sie sicher, dass Wartung, Inspektionen und Störungsmanagement effizient und normkonform umgesetzt werden – insbesondere bei großen Portfolios oder hybriden Wind-Solar-Anlagen?
Wir übernehmen in der Regel die Betreiberrolle nach VDE 0105-100 für unsere Kunden – und das geht weit über klassische Wartungsaufgaben hinaus.
Bei weiter entfernten Standorten setzen wir auf strategische Kooperationen mit lokal ansässigen Fachunternehmen, um kurze Entstörungszeiten sicherzustellen. Das Zusammenspiel aus zentralem Leitstand, digitaler Dokumentation und regionalen Einsatzkräften bildet die Grundlage für Effizienz und Normkonformität – auch bei großen oder hybriden Portfolios.
Worauf sollten Betreiber*innen bei der Auswahl eines technischen Betriebsführers besonders achten, wenn sie langfristige Anlagenverfügbarkeit und Investitionssicherheit im Blick haben?
Versprechungen gibt es viele – entscheidend ist die Umsetzbarkeit vor Ort. Erfahrene Betriebsführer*innen kennen ihre geografischen Grenzen. Wer Effizienz und Verfügbarkeit ernst nimmt, prüft vor Vertragsabschluss, ob qualifiziertes Personal und Partnerstrukturen in Parknähe tatsächlich vorhanden sind.
Wir selbst nehmen nicht jeden Park an, wenn wir wissen, dass wir personell oder logistisch keine optimale Betreuung gewährleisten können. Das mag unüblich erscheinen, ist aber im Sinne unserer Qualitätsstandards und der Kundenzufriedenheit.
Zudem empfehlen wir längerfristige Verträge. Der Initialaufwand bei der Übernahme eines Parks ist hoch – wirtschaftlich und qualitativ sinnvoll lässt sich dieser nur über mehrere Jahre verteilen.
Dieser Beitrag ist aus dem BWE-BetreiberBrief (PV Ausgabe 2-2025). Jetzt registrieren und künftig alle aktuellen Ausgaben kostenfrei per Mail erhalten!
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